Valentinstagsspecial 2017

Valentinstagsspecial – Ruby M. Nicholson – Valentinstag

 

Ruby M. Nicholson – Valentinstag

 

Erneut blickte ich auf die Szene, die sich vor mir abspielte. Meine Augen weiteten sich und ich wich unbewusst einen Schritt zurück.

Es war Sonntag und das Büro eigentlich geschlossen. Ich war nur dort, weil ich mein Handy liegen gelassen hatte.

Auf dem Weg zu meinem Schreibtisch erregten Geräusche meine Aufmerksamkeit. Zuerst dachte ich, ich hätte mich verhört, aber es war eindeutig.

Stöhnen. Es kam aus dem hinteren Teil des Großraumbüros. Meine Neugier lenkte mich, die Geräusche wurden lauter.

Das Bild was sich mir bot, ließ mich zu Eis erstarren.

Mein Blick blieb an dem wohlgeformten Männerhintern hängen, der sich in stetigen Rhythmus bewegte. Auf dem Schreibtisch lag eine wunderschöne Blondine. Ihre langen Beine, hatten sich um seine Hüften geschwungen.

Noah.

Ich sollte verschwinden, bevor die beiden mich entdeckten, aber ich konnte mich keinen Zentimeter bewegen. Es ging mich nichts an, was er tat. Trotzdem wäre ich am liebsten zu seinem Schreibtisch gestürmt und hätte ihn von ihr weggezerrt.

Verdammt. Es tat weh. Und das, obwohl nie etwas zwischen uns gewesen war, außer den Flirtereien während der Arbeitszeit. Ich arbeitete erst seit zwei Wochen hier und vom ersten Tag an, war da diese Spannung zwischen uns.

Wir verstanden uns gut, flirteten, mehr nicht. Und genau deswegen, ging es mich absolut nichts an.

Trotzdem war da dieser blöde Stich in meinem Herzen. Es war dumm, aber ich hatte mir mehr erhofft. Noah war all das was ich von einem Mann wollte. Gut aussehend, klug, witzig, charmant, ich könnte diese Liste ewig fortsetzen. Von dem Sixpack unter seinem Hemd mal abgesehen, dass ich heute das erste Mal betrachten konnte.

Ihr Gestöhne wurde lauter, es zerrte an meinen Nerven, aber ich stand immer noch stocksteif da und starrte auf das Bild vor mir.

Erst als ich sah, wie er schneller in sie stieß und den Kopf in den Nacken warf, erwachte ich endlich. Ich hörte noch einen fast animalischen Laut, der mich begleitete, während ich aus dem Gebäude stürmte.

 

Montag morgen. Das alleine war schon Grund genug, sich wieder unter der Bettdecke zu verkriechen, aber an diesem Tag war es noch um ein vielfaches schlimmer. Das Bild von Noahs Rückenansicht und sein Stöhnen hatten sich in meinem Kopf eingebrannt und wollten einfach nicht verschwinden.

Weder meine Joggingrunde im Park, noch die kalte Dusche konnten daran etwas ändern. Ich hatte keine Ahnung wie ich ihm gegenübertreten sollte.

Zu allem übel lag heute eine Präsentation an, die wir gemeinsam vorbereiten sollten.

Ich saß bereits am Schreibtisch und arbeitete an dem Konzept, als ein Räuspern mich aus meinen Gedanken riss.

Ich wusste, dass er es war, bevor ich mich umdrehte. Ich spürte es, spürte ihn.

Das Bild von seinem nackten Hintern tauchte wieder auf und sorgte dafür, dass die Hitze durch mich hindurchschoß.

»Guten Morgen, schon so fleißig?«, wollte er gut gelaunt wissen. So als ob, nichts Besonderes wäre.

Aber eigentlich war es das, für ihn ja auch nicht. Für ihn war ich bloß die Kollegin, mit der er freundschaftlich flirtete, um sich die Zeit zu vertreiben. Das meine Fantasie, mehr darin gesehen hatte, war allein mein Problem.

Sein strahlendes Lächeln und der warme Ausdruck in seinen Augen bedeuteten absolut nichts.

»Ist alles in Ordnung mit dir?«, fragt er nach, nachdem ich es nicht geschafft hatte, ihm zu antworten. Mein Sprachzentrum, wollte mir gerade nicht gehorchen, aber wenn ich nicht wie der letzte Idiot dastehen wollte, musste ich das dringend ändern.

»Schlecht geschlafen«, bemerkte ich kurz angebunden. Mein dummes Herz klopfte viel zu laut in meiner Brust und als er sich einen Stuhl zu mir zog, hatte ich Bedenken, ob ich diesen Tag wirklich überstehen würde.

Es geht dich nichts an, was er macht, schalt ich mich in Gedanken, aber es änderte nichts daran, dass es nicht das war, was ich mir gewünscht hatte.

Er saß so dicht neben mir, dass ich seinen heißen Atem auf mir spüren konnte und ich nichts dagegen tun konnte, dass eine Gänsehaut sich über meinen Körper legte. Seine Hand berührte mich immer wieder zufällig und ich wünschte ich hätte was langärmliges an, damit er meine Reaktion nicht sah.

Ich drehte mich zu ihm, wollte irgendwas sagen, um Abstand zwischen uns zu bringen, aber ein Blick auf seine sinnlichen Lippen, ließ die Worte in meinem Mund erstarren.

Resignierend wand ich mich wieder den Papieren auf meinem Schreibtisch zu. Definitiv besser als ihn so anzustarren.

Eine Weile schafften wir es zu arbeiten, aber die Tatsache, dass er einfach so tat, als wäre nichts und mit mir flirtete, raubte mir den letzten Nerv. Ich war kühl und distanziert, aber er bemerkt es entweder nicht oder wollte es nicht bemerken.

Ich versuchte jeglichen Flirtversuch im Keim zu ersticken, aber er wurde nur noch forscher.

Ungeduldig blickte ich alle paar Minuten auf die Uhr. Seine Nähe vernebelte meine Sinne, ich musste hier raus und wartete ungeduldig auf die Mittagspause.

Als es endlich ein Uhr war, wollte ich schon aufspringen, um zu flüchten, aber dann sah ich sie.

Sie kam direkt auf uns zu, schenkte Noah ein bezauberndes Lächeln, das meiner Ansicht nach nur gespielt sein konnte, und drückte ihm einen Kuss auf die Wange.

Ein keuscher Kuss auf die Wange, nachdem ich gestern beobachten konnte, wie er sie auf seinem Schreibtisch genommen hatte. Bitte, ging es noch heuchlerischer.

»Ich gehe jetzt zu Tisch«, informierte er mich und ich nickte mechanisch. Mistkerl, vor fünf Minuten hatte er mir noch zugeflüstert, wie hübsch ich heute wäre.

Ich hätte ihm am liebsten den Hals umgedreht, aber ich riss mich zusammen, da wir nicht allein waren in diesem Büro und sich zumindest die männlich Kollegen bereits die Köpfe verbogen, um sie zu sehen.

Das zeigte mir nur allzu deutlich, warum SIE gestern auf diesem Schreibtisch lag. Sie war groß, schlank und sah aus, als wäre sie der Vogue entsprungen. ich hingegen, war  … keine Ahnung, irgendwie normal.

Fad, trist, schoss es mir durch den Kopf. Okay vielleicht ein bisschen, aber ich mochte es nunmal lieber etwas bequemer und Schminke mochte ich auch nicht besonders. Das Schönste an mir waren definitiv meine langen Haaren, aber hier im Büro trug ich für gewöhnlich einen Zopf.

 

Meine Wut war fast verraucht, denn mein Verhalten war absurd. Es ging mich schließlich nichts an was er tat. Aber als er wieder auftauchte und sofort wieder anfing mit mir zu flirten, war sie sofort wieder da. Was bildete dieser Mistkerl sich eigentlich.

»Die Präsentation ist toll geworden. Wir sollten nachher darauf anstoßen.«

»Ich hab schon was vor«, ließ ich ihn abblitzen. Wie dreist war der Kerl eigentlich. Anscheinend hatte ich ihn bis jetzt falsch eingeschätzt. Die gespielte Enttäuschung konnte er sich ebenfalls sparen.

Pünktlich um vier Uhr fuhr ich meinen Computer runter und griff nach meiner Tasche.

»Gehst du schon?«

Es war ungewöhnlich, dass ich so früh ging, aber ich ertrug seine Nähe nicht eine Sekunde länger.

Die zufälligen Berührungen, sein Atem auf meiner Haut, wenn er sich zu mir beugte und als Krönung das Bild seines nackten Hinterns, dass ich einfach nicht mehr loswurde.

 

Am nächsten Morgen saß er bereits im Büro, als ich ankam. Zu meiner Verwunderung allerdings nicht an seinem Schreibtisch, sondern auf meinem Stuhl.

»Ich glaube, wir sollten reden.«

„Ist etwas mit der Präsentation?«, erkundigte ich mich fast panisch. Ich hatte die letzten Tage in die Vorbereitung gesteckt und immerhin war es meine Chance mich hier zu beweisen.

»Nein, es hat nichts mit der Arbeit zu tun.«

Oh.

»Da gibt es nichts zu bereden«, erwidere ich unfreundlicher als beabsichtigt. Er wusste schließlich nicht, was ich gesehen hatte und war mir außerdem keine Rechenschaft schuldig.

»Glaube ich dir nicht. Du warst gestern morgen schon so komisch, aber nachdem Melissa mich gestern mittag abgeholt hat, warst du praktisch ein Eisblock. Du hast keine zehn Wörter mit mir geredet, die nicht die Arbeit betreffen.«

»Vielleicht, wollte ich einfach die Fronten klären. Es geht mich nichts an was du tust, aber ich bin mir zu schade, um als netter Zeitvertreib im Büro zu dienen. Deine Freundin hat da anscheinend ganz andere Qualitäten, aber das weißt du ja besser als ich.«

Er stöhnte – genervt, dachte ich im ersten Moment, aber dann sah ich wie sich sein Mund zu einem Lächeln verzog. Er glaubte doch nicht wirklich, ich würde wegen seinem treuen Hundeblick und dem Zahnpastalächeln schwach werden. Er kam einen Schritt auf mich zu und ich wich zurück.

Noch einen.

Und noch einen, bis ich plötzlich einen Schreibtisch hinter mir spürte. Er legte seine Hände rechts und links von mir auf dem Schreibtisch und keilte mich so ein. Jeden Moment würden die ersten Kollegen eintreffen und das ich bereits halb auf eben besagten Schreibtisch saß, dass ich nicht wollte.

»Meine Freundin?«, fragte er amüsiert. Ein kehliges Glucksen entfuhr ihm und am liebsten würde ich ihn erwürgen, nur damit er aufhörte sich auch noch über mich lustig zu machen. Was zum Teufel sollte das?

»Ja du weißt schon Miss Perfect aus der Vogue, die Frau die du vorgestern auf deinem Schreibtisch gevöge …«

»Stör ich euch Turteltauben«, ertönte eine mir unbekannte, anscheinend ziemlich belustigte Stimme. Am liebsten wäre ich im Erdboden versunken, trotzdem versuchte ich mich umzudrehen, aber Mason hatte mein Kinn ergriffen und hielt mich so, dass ich nur ihn sehen konnte. Seine dunkeln Augen, die mir in die Seele zu blicken schienen, funkelten und sorgten dafür, dass mein Atem schneller wurde.

»Verschwinde von hier«, rief er dem Unbekannten zu, ohne mich aus den Augen zu lassen oder den Druck zu verringern.

Ich hörte ein lautes Lachen und Schritte, die sich entfernten.

 

»Was soll das denn«, fuhr ich ihn ungehalten an und wollte mich losmachen, aber sein Mund verschloss plötzlich meinen und erstickte jedes Wort im Keim.

»Du bist eifersüchtig«, stellte er flüsternd fest. Seine raue Stimme fuhr mir direkt zwischen die Beine und ich verfluchte meine Libido.

»Ich …« Erneut pressten sich seine Lippen auf meine.

»Sag nichts. Lass uns das einfach auf morgen verschieben.«

Morgen? Morgen war der vierzehnte Februar, Valentinstag. Kein guter Tag um sich das Herz brechen zu lassen. Ich schüttelte den Kopf, den ich wusste, ich würde ihm nicht Wiederstehen können, dass zeigte allein schon mein verräterischer Körper, der gerade ein Eigenleben entwickelte und sich ihm entgegenschob.

»Die Kollegen kommen gleich und wenn du nicht willst, dass sie uns genauso vorfinden und ihre eigenen Schlüsse ziehen, sagst du ja.«

Im nächsten Moment spürte ich seine Zunge an meinem Hals und mein ja war mehr Stöhnen, als eine Antwort. Verdammt.

 

Irgendwie überstand ich den Rest des Tages und den nächsten Vormittag ohne irgendwelche Katastrophen oder Herzinfarkte. ich war total neben der Spur und konnte keinen klaren Gedanken fassen. Ich wollte nicht zu diesem dummen Rendezvous, aber meine Neugier siegte mal wieder. Wenigstens gucken was er mir zu sagen hatte, konnte ich schließlich. Ich war zu nichts weiter verpflichtet.

Wir trafen uns in der Lounge Bar und ich ging mit zitternden Knien, den langen Gang entlang. Romantische Musik klang aus den Boxen und für meine Stimmung gab es deutlich zu viele Herzen und Rosen, aber es war Valentinstag, also was hatte ich erwartet.

Ich sah Noah bereits von weitem und ging auf ihn zu. Was ich leider nicht sah, war SIE.

War er verrückt geworden? Ich wollte mich wieder umdrehen, aber er war schon bei mir, packte meinen Arm und wirbelte mich rum, sodass ich direkt vor ihm stand.

»Lass mich los«, keifte ich ihn an, während ich versuchte mich zu befreien, aber ich hatte keine Chance gehen ihn.

Er packte mich, platzierte mich auf einem Barhocker und legte seine Hände rechts und links von mir auf die Theke, sodass ich ihm nicht entkommen kann. Schien irgendwie zur Gewohnheit zu werden.

Gerade wollte ich ihn zum Teufel schicken, als ich hinter ihm jemanden sah, der auf diese Melissa zuging und sie an sich zog. Sie schmiegt sich an ihn und küsste ihn. Leidenschaftlich.

Mir stockte der Atem und ich konnte nicht glauben, was hier gerade passierte. Noah und sie, der Schreibtisch. Ich spulte die Bilder in meinem Kopf erneut ab, aber es war eindeutig Noah gewesen, ich hatte mich nicht getäuscht.

Noahs Blick folgte meinem. »Mark komm doch mal her. Ich möchte dir jemand vorstellen.«

Dieser Mark drehte sich um und ich erstarrte. Oh mein Gott.

Das war unmöglich. Ich wünschte ich würde im Erdboden verschwinden. Er lachte, genauso wie Noah und Melissa, die sich eng an Mark schmiegte.

»Mara, das ist Mark, mein Zwillingsbruder. Mark, das ist Mara, meine eifersüchtige Freundin.«

Moment, hatte er gerade wirklich Freundin gesagt? «Du musst den Mund zumachen und seine Hand ergreifen«, flüsterte mir Noah belustigt zu und ich tat es automatisch.

Einen Augenblick später waren wir bereits wieder allein und ich war mehr als froh darüber. Wie peinlich war das den bitte gewesen? Aber als ich in Noahs grinsendes Gesicht blickte, musste ich selber lachen. »Sag einfach nichts.«

»Warum? Ich mag es, dass du eifersüchtig bist.«

»Bin ich gar nicht.«

Sein Gesicht kam meinem noch näher. Ich spürte seinen Atem auf meiner erhitzten Haut. Natürlich war ich es.

»Du meinst also, dass du ihr am liebsten die Augen ausgekratzt und mich kastriert hättest, war keine Eifersucht?« Ich lehnte mich an ihn und versuchte mich zu verstecken. Anscheinend konnte ich meine Gefühle nicht wirklich gut verstecken.

»Ich für meinen Teil, wäre zumindest sehr eifersüchtig wenn ich denken würde du hättest jemand anderen. Wenn ich zusehen müsste, wie er dich berührt oder das hier tut.«

Vorsichtig fuhr er mit seinen Fingern über meine Lippen, über meinen Hals, legte seine Hand in meinen Nacken und zog mich an sich. Als unsere Lippen sich berührten, hatte ich das Gefühl zu versinken. Meine Hände schlangen sich um seinen Hals und ich wünschte dieser Kuss würde niemals enden.

»Happy Valentinstag«, hauchte er leise in mein Ohr. Sein Atem kitzelte auf meiner Haut und verursachte mir eine wohlige Gänsehaut. Mein Puls raste, als ich ihn zu mir zog.

»Ich glaube ich hab was im Büro vergessen«, flüsterte ich heiser. »Auf deinem Schreibtisch. Wir sollten es suchen gehen.«

 

 

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