Bloggeschichte: Naschkatze

Naschkatze – Episode 21

 

Isa

Mittwoch, 27. August 2014

Nachdem ich Tom weggeschickt hatte, weil mir seine Vorschläge noch mehr Kopfzerbrechen bereiteten, anstatt mich nach dieser Botschaft aufzufangen, rief ich nach Feierabend Pia an und verabredete mich mit ihr auf einen Drink.
Sie hatte mich zuhause abgeholt und wir schlenderten zu unserer Lieblingsbar. Mit Mister Bean war ich vorher noch eine Runde im Park spazieren gegangen, damit ich ihn jetzt daheim lassen konnte. Während dieses Spazierganges hatte ich mich alle fünf Minuten umgedreht, weil ich hoffte, Max zu sehen, aber leider wurde ich enttäuscht.
Zwar stand seine Nummer auf der Visitenkarte, die er mir am zweiten Tag gegeben hatte, aber irgendwie traute ich mich nicht, ihn anzurufen. Wer weiß, vielleicht wollte er überhaupt nicht mit mir sprechen.
»Jetzt erzähl doch mal, was liegt dir auf dem Herzen«, fragte meine beste Freundin mich.
»Ich habe jemanden kennengelernt«, fing ich an und sie schubste mich sanft mit ihrer Schulter an: »Das ist doch großartig! Und wo liegt jetzt genau das Problem?«
»Ich hab dir doch von diesem Makler erzählt, der mir den Laden abkaufen will.«
»Oh ja, den heißen Makler meinst du wohl. Er ist es?« Sie sah mich fragend an und ich nickte. »War mir klar, dass du ihm früher oder später verfällst! Selbst Miss Ich-brauch-keinen-Mann kommt irgendwann mal zur Besinnung.«
»Es ist ja überhaupt noch nichts passiert«, sagte ich und hörte selbst den enttäuschten Unterton in meiner Stimme heraus. »Heute war sein Chef im Laden und hat mir einen Brief von der Stadt überreicht, in dem stand, dass mein Haus abgerissen werden muss. Komischerweise hat sich Max auch den ganzen Tag nicht gemeldet. Ich glaube, er steckt da mit drin.«
»Das glaube ich nicht. Glaubst du etwa, er hat dir etwas vorgespielt?«
Ich zuckte mit den Schultern: »Ich weiß es nicht. Eigentlich dachte ich, verstehen wir uns ganz gut. Aber das heute war irgendwie komisch.« Ich hob meinen Kopf und warf einen Blick durch die große Glasscheibe in das Schicki-Micki Restaurant zu meiner Rechten.
»Oh Gott«, sagte ich und blieb stehen.
»Was ist?«, fragte Pia und sah mir fragend in die Augen. Ich presste meine Lippen zusammen und nickte in Richtung der Fenster: »Da sitzt er.« Ihm gegenüber saß sein Chef, daneben eine schwarzhaarige Schönheit, die sich auf eindeutige Weise nah an ihn drückte. Seine Freundin? Er hatte eine Freundin? Wieso sonst ging er mit seinem Chef essen und hatte sie an seiner Seite. Ich war so dumm!
Pias Blick folgte meinem und auch sie erstarrte in ihrer Bewegung.
»Komm!«, sagte ich und zog Pia am Ärmel ihrer Jacke weiter.
»Wer sitzt bei ihm?«, fragte sie mich und ich schnaubte vor Wut. Meine Brust schnürte sich zu und ich hatte das dringende Bedürfnis, irgendetwas kaputt zu machen.
»Sein Chef und anscheinend seine Freundin.«
Wir betraten die Bar, die sich nur einige Häuser weiter entfernt befand, und setzten uns an einen rustikalen kleinen Holztisch in der rechten Ecke.
»Vielleicht gibt es immer noch eine Erklärung dafür?«, wollte Pia die Situation retten, aber ich schüttelte den Kopf. »Was denn für eine? Dieser Lübke knallt mir heute diesen Brief hin, Max meldet sich nicht und jetzt sitzt er mit seinem Chef und einer anderen Frau in diesem Restaurant!« Meine Stimme wurde lauter und zitterte vor Wut. Pia legte ihre Hand warm auf meinen Unterarm.
»Ganz ruhig. Jetzt trinken wir erstmal einen und dann überlegen wir, wie wir dich und den Laden da wieder rauskriegen. Vergiss den Typen einfach, der ist es nicht wert!«
Sie hob die Hand und bestellte bei der Bedienung, die direkt an unseren Tisch kam, zwei Weißwein und zwei Tequila.
Als die Kellnerin uns die Getränke vor die Nase stellte, bestreute ich zuerst meinen Handrücken mit dem Salz, nahm das Glas in die eine, die Zitronenscheibe in die andere Hand und stieß mit Pia an.
»Auf das Singleleben!«, sagte ich, leckte das Salz, trank den Alkohol und biss in die Zitrone. Der Schnaps floß brennend meine Kehle herunter und ich verzog das Gesicht durch die Schärfe des Getränks und die Säure der Frucht.
»Noch einen!«, sagte ich und Pia grinste. »Langsam. Das macht es auch nicht besser. Morgen gehts dir noch beschissener und du hast außerdem noch Kopfweh.«
»Mir egal«, sagte ich trotzig.
»Isa!« Ich hob erschrocken den Kopf und mein Herz hämmerte wild, als ich Max‘ Blick erfasste und seine Stimme vernahm. Sein großer Körper stand vor dem Tisch und er sah mir aus traurigen Augen entgegen.
»Nenn mich nicht so«, brummte ich ihm entgegen und drehte mich wieder zu Pia.
»Bitte, lass es mich erklären. Ich kann mir denken, wie das ausgesehen haben muss, aber es gibt eine logische Erklärung!«
Pia nickte mir aufmunternd zu: »Los, hör es dir an.«
»Erklären, erklären! Bist du es nicht langsam mal leid, alles zu …«
»Isa, ich habe gekündigt!« Ich stockte.
Mein Kopf schnellte wieder in Max‘ Richtung. »Du hast was?«, fragte ich ungläubig.
»Komm.« Er streckte mir seine Hand entgegen und ich ergriff sie wie in Trance. Unsere Hände berührten sich und ich spürte seine warme Haut unter meinen Fingern.
Hand in Hand gingen wir nach draußen, erst dann ließ er sie los und trat vor mich.
»Hör zu, ich wusste davon nichts. Ich wollte heute eigentlich auf meinen Chef warten und ihm vorschlagen, den Bau zu verlegen. Daraufhin hat er mich gefragt, ob wir essen gehen könnten. Gerade hat er alles erzählt, was er heute gemacht hat. Ich war wahrscheinlich genauso geschockt, wie du. Glaub mir, ich hab mir ernsthaft Gedanken darüber gemacht, wie ich uns da rausbekomme!«
»Uns? Es betrifft ja wohl nur mich, es geht um meine gesamte Existenz!«, rief ich schrill.
Er machte einen weiteren Schritt auf mich zu und drückte mit dem Finger mein Kinn nach oben, damit ich ihm meinen Blick nicht entziehen konnte. »Uns, ich stecke da jetzt genauso drin wie du. Wir finden eine Lösung. Ich weiß genau, wie mein Chef tickt und wo seine Schwachstellen sind, okay?« Mein Herz raste. Okay wurde fast zu unserem persönlichen Code. Ich wollte ihm so sehr glauben, mich darauf verlassen, dass er mir half. Aber was blieb mir auch sonst anderes übrig? Er hatte Recht. Ich kannte seinen Chef, bis auf die zwei Male, an denen ich ihm begegnet war, überhaupt nicht. Max arbeitete seit Jahren an seiner Seite.
»Und wer war die Frau? Du hast also doch eine Freundin!«, sagte ich und entzog ihm mein Kinn. Er lachte, sagte daraufhin: »Nein! Sie ist seine Tochter! Er hat sie angeschleppt, aber ich kenne sie kaum.« Erleichtert atmete ich aus.
Wir fuhren auseinander, als wir Pias Stimme neben uns vernahmen.
»Süße, ich fahr jetzt. Ich glaube, ihr habt noch einiges zu besprechen.« Sie beugte sich zu mir hinüber und drückte mich an sich. Leise hörte ich ihr Flüstern an meinem Ohr: »Du hast zwar gesagt, er ist heiß, aber so heiß …! Schnapp ihn dir! Ich habe übrigens schon bezahlt.«
Pia löste sich von mir und lächelte mich an, dann drehte sie sich zu Max um und drückte ihren Zeigefinger gegen seine Brust: »Wehe, du tust ihr weh und hilfst ihr nicht aus dem Schlamassel raus. Ich finde dich.« Danach wechselte ihre Miene von drohend zu fröhlich und sie hob die Hand. »Dann machts mal gut! Ich melde mich morgen, Mopsie!«
Ich schaute meiner Freundin hinterher und musste über ihren Auftritt lächeln.
»Mopsie?«, hörte ich Max‘ Frage und er konnte kaum ein Lachen unterdrücken.
»Erzähl ich dir ein andermal«, brummte ich und fand erneut seinen intensiven Blick, der mir eine Gänsehaut bescherte.

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