Bloggeschichte: Naschkatze

Naschkatze – Episode 19

 

Isa

Mittwoch, 27. August 2014

Ich stützte mich gedankenverloren auf dem Verkaufstresen ab und starrte zur Tür. Es war bereits elf Uhr, eine Stunde vor der Mittagspause, und weit und breit kein Max zu sehen. Vielleicht stimmte das Gefühl, welches nach seinem Abgang in mir gewütet hatte. Er war nicht interessiert. Wieso sonst hätte ein Mann wie er eine so eindeutige Einladung von einer willigen Frau ausgeschlagen?
Ich seufzte und richtete mich auf. Langsam drehte ich mich um, und begann, die Zutaten in meine neue Rührmaschine zu füllen. Heute Morgen hatte ich sie als Erstes ausgepackt und eingeweiht. Zufrieden sah ich, wie der Rührarm seine trägen Kreise durch den Teig zog. Endlich Schluss mit dieser Plackerei!
Das Geräusch der sich öffnenden Tür ließ mich erwartungsvoll umdrehen. War er doch noch gekommen? Als ich erkannte, wer in der Tür stand, entgleisten mir die Gesichtszüge und ich nickte ihm knapp zu. »Hi Tom.«
Tom hob seine Hand zum Gruß und ging auf mich zu. »Hi Isa! Danke, ich freu mich auch, dich zu sehen.«, sagte er mit einem ironischen Unterton und ich lächelte. »Tut mir leid. Wie geht es dir?«
»Sehr gut! Und die Webseite geht auch voran. Deshalb bin ich kurz hier, ich wollte dir zeigen, wie viele Menschen sie bisher gesehen haben. Und wie ich sehe, läuft es hier tatsächlich sehr gut.« Er blickte sich anerkennend im Laden um, der bis auf den letzten Tisch besetzt war.
»Ja, sehr! Die Cupcakes laufen wirklich super!«
Tom legte seine Tasche auf den Tisch, zog den Laptop daraus hervor und startete ihn. Mit den Fingern trommelte er nervös auf der Theke. »Isa? Kann ich dich was fragen?«
»Klar, alles!«, antwortete ich ihm und runzelte die Stirn, weil ich diesen Tonfall bei ihm nicht kannte. Er wirkte etwas nervös und hielt kurz die Luft an, bevor er weitersprach, »Also, das mit diesem Typen. Läuft da was zwischen euch?«
Ich schaute verlegen auf den Boden und dann wieder in sein Gesicht. »Wieso?« Sollte Max Recht gehabt haben mit seiner Annahme, dass Tom mehr von mir wollte? Das konnte ich mir nicht vorstellen!
Er öffnete den Mund und wollte anfangen zu reden, da unterbrach uns der miauende Bewegungsmelder, und wir schauten gleichzeitig zur Tür.
»Guten Tag!«, sagte der dickliche, mir sehr wohl bekannte, Mann und richtete seine Arbeitstasche, die er unter den Arm geklemmt hatte. »Herr Lübke, richtig?«, fragte ich ihn stirnrunzelnd.
Max‘ Chef ging auf mich zu und streckte mir seine Hand entgegen. Sie war feucht und unangenehm warm. Schnell zog ich meine wieder zurück und streifte sie mir unauffällig an meiner Schürze ab.
»Ganz genau! Frau Dietrich, freut mich, Sie noch einmal zu sehen.«
Ich nickte ihm zu. Das konnte nichts Gutes bedeuten, wenn der Chef persönlich hier auftauchte. War Max aus diesem Grund heute nicht gekommen? Gab es etwa Ärger? Wo war er?
»Das kann ich leider nicht zurückgeben«, antwortete ich ihm bissig und sah, wie sich seine Miene verdunkelte.
»Mir wird gerade klar, weshalb der Verkauf so lange dauert«, sagte er leise eher zu sich selbst als zu mir, und fuhr lauter fort, »Ich bin heute persönlich hier, um Ihnen ein neues Angebot zu machen. Wir verdoppeln unseren Kaufbetrag.«
Ich hielt den Atem an und zog eine Augenbraue nach oben. Tom neben mir schnappte ebenfalls nach Luft. Verdoppeln? Wow.
»Sollten Sie sich immer noch nicht im Klaren sein, ob Sie tatsächlich verkaufen wollen, hilft Ihnen dieses hier vielleicht auf die Sprünge.«
Er zog aus seiner Tasche einen Umschlag und schob ihn mir mit einer Visitenkarte über die Theke zu.
»Bei Fragen, oder wenn Sie das Angebot annehmen möchten, können Sie sich gerne an mich wenden. Ich wünsche noch einen schönen Tag.«
Mit einem letzten Kopfnicken, drehte er sich um und verließ den Laden.
Verwirrt sah ich auf den Umschlag herunter. »Los, mach ihn auf!«, spornte mich Tom an, und ich griff danach und riss ihn hastig auf.

Sehr geehrte Frau Dietrich,
Im Hinblick auf den schlechten baulichen Zustand des Gebäudes Schwanstrasse Nummer 5 wurde behördlich festgestellt, dass eine Gefahr für die Allgemeinheit besteht, und das Gebäude aus diesem Grund, innerhalb der nächsten zwölf Wochen geräumt werden muss.
Vielen Dank für Ihre Mitarbeit.

Mit freundlichen Grüßen
Oliver Lübke
Lübke Immobilien GmbH

Auf der Rückseite des Schreibens, war eine offizielle Anordnung der Stadt Frankfurt aufgedruckt und ich schnappte nach Luft.
»Was denkt sich dieser aufgeblasene Esel eigentlich?«, schimpfte ich und Tom nahm mir das Schreiben aus der Hand.
»Oh je«, war sein einziges Kommentar, nachdem auch er es gelesen hatte.
»Und was soll ich jetzt machen?«, fragte ich. Tränen traten mir in die Augen und ich ließ resigniert den Kopf hängen. »Jetzt, wo der Laden langsam anfängt, gut zu laufen.«
Tom legte seine Hand auf meine Schulter, »Wir lassen uns etwas einfallen. Das kann doch nicht einfach über deinen Kopf hinweg entschieden werden, ohne dass mit dir gesprochen wird. Das ist bestimmt nur irgendein Standardschreiben und der Maklerfutzi will dir damit drohen.«
Ich seufzte und hob mutlos meinen Kopf. »Hoffentlich!«
Ich musste unbedingt mit den anderen sprechen, ob sie das gleiche Schreiben erhalten hatten, und Max informieren. Vielleicht bekäme ich von ihm nähere Informationen.
Aber, Moment mal. Wusste er davon? War er aus diesem Grund heute nicht hier aufgetaucht? Wenn ich ihn in die Finger bekommen würde …

Ein Gedanke zu „Naschkatze – Episode 19

  1. Oh je, aber es war ja klar, das so ein Immobilien hai, mit miesen tricks arbeitet… jahrezente ist mit dem Gebäude alles gut und auf einmal ist es marode…. tz das ich nicht lache… aber wer geld hat….
    Bin ja mal gespannt, was mit Max ist, obwohl ich es mir denken kann, was er macht/gemacht hat

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