Bloggeschichte: Naschkatze

Naschkatze – Episode 18

 

Max

Dienstag, 26. August 2014

Ich hastete aus dem Büro, fuhr nach Hause und stellte mein Auto vor meiner Wohnung ab. Mit eiligen Schritten lief ich von dort in den Park und legte mir meine Worte, mit denen ich mich vor Isabell erklären wollte, in Gedanken zurecht.
Ich erkannte sie aus der Ferne und kam erleichtert vor ihr zum Stehen. »Hi. Danke, dass du gekommen bist.«
»Dann schieß mal los! Was sollte der Auftritt?«, fragte sie bissig.  Ich konnte ihr Verhalten eindeutig verstehen.
»Es tut mir leid. Mein Chef hat mich gestern damit total überrumpelt. Ich wusste von nichts und musste das Spiel mitspielen. Es ändert nichts an der ganzen Sache zwischen uns, okay?«, versuchte ich, mich zu erklären. Ich hörte weiterhin die Enttäuschung, die in ihrer Stimme mitschwang, als sie sagte: »Du hättest mich wenigstens vorwarnen können.«
Ich ging einen Schritt auf sie zu, am liebsten hätte ich sie erneut geküsst, aber zum jetzigen Zeitpunkt, hätte sie mir wahrscheinlich eine Ohrfeige verpasst.
»Und die Maschine war nicht zur Bestechung. Einfach nur ein Geschenk. Wirklich. Bitte behalte sie«, sagte ich zu ihr und sah ihr tief in die Augen. Ihre Lider zuckten, aber wenigstens nickte sie erneut. »Okay«
»Wollen wir ein Stück zusammen gehen?«, fragte ich und wir liefen nebeneinander den Weg entlang.
Ich war neugierig darauf, mehr von ihr zu erfahren. »Darf ich fragen, wie lange du dich schon alleine um den Laden kümmerst?« Ihr Körper spannte sich fast unmerklich neben mir an und sie verkrampfte ihre Hände zu Fäusten.
»Sieben Jahre ist es jetzt her. Und kein Tag vergeht, an dem ich nicht daran denke, wie es war, als meine Eltern noch jeden Tag glücklich im Laden standen«, sagte sie ehrlich und ich hörte den Schmerz in ihrer Stimme heraus.
»Es tut mir leid«, sagte ich und meinte es auch so. Gerne hätte ich ihr diesen Schmerz abgenommen, aber das ging leider nicht.
»Braucht es nicht, du kannst ja nichts dafür«, sagte sie sanft.
»Es war sicherlich hart, sich ganz alleine um das alles zu kümmern. Ich kann mir das nicht mal ansatzweise vorstellen. Meine Eltern sind zwar glücklicherweise noch da, aber wir haben kein besonders gutes Verhältnis«, offenbarte ich ihr, weil ich das Gefühl hatte, ihr beweisen zu müssen, dass es auch in anderen Familien Probleme gab. Allerdings wunderte ich mich über mich selbst, außer mit Paula redete ich sonst nicht darüber.
»Wieso nicht?«, fragte sie mich neugierig und ich musste kurz überlegen.
»Sie sind vielleicht nicht das, was man als liebende Eltern bezeichnen würde. Meine Schwester und ich wurden meistens bei Kindermädchen abgegeben, weil meine Eltern sich um irgendwelche Verpflichtungen wie Golfreisen oder Abendessen mit Geschäftspartnern kümmern mussten.«
Wir hatten sie als Kinder kaum gesehen, einen Gute-Nacht-Kuss oder ein gemeinsames Frühstück waren für uns Fremdworte.
»Du hast eine Schwester?«, fragte sie mich und mir wurde augenblicklich warm, als ich an Paula dachte. »Ja! Sie ist einige Jahre jünger als ich. Die häufige Abwesenheit unserer Eltern hat uns ziemlich zusammengeschweißt.«
Sie blieb plötzlich stehen und drehte sich zu mir, sah mir tief in die Augen. »Du bist bestimmt ein guter großer Bruder.« Ich freute mich unwahrscheinlich über ihr Kompliment. Das Gefühl, auch auf sie aufpassen zu wollen, weil ich ihre Verletzlichkeit spürte, überraschte mich und ich antwortete schnell: »Oh ja! Vielleicht manchmal immer noch etwas zu streng. Aber so sind wir großen Brüder eben.« Ich machte eine kurze Pause, bevor ich erneut Luft holte. »Und Tom, ist ein Freund?«, ich musste einfach wissen, wie er zu ihr stand.
»Ja. Mein Bester. Er und meine Freundin Pia waren schon immer für mich da. Seit der Schulzeit sehen wir uns mehrmals wöchentlich. Er ist ein absolutes Computergenie, aber mit Menschen hat er es nicht so. Entschuldige auch seinen Auftritt, letztens in der Bäckerei.«
»Ist ja nicht viel passiert. Er sah nur recht misstrauisch aus, und ich hatte den Eindruck auch ein wenig eifersüchtig.«
»Auf gar keinen Fall!«, antwortete sie überzeugt, »Tom und ich sind nur Freunde! Niemals würde er irgendetwas anderes wollen« Na, wenn sie sich da mal nicht in ihm täuschte. Ich hatte gesehen, wie er sie ansah, sie beobachtete und ich kannte diesen besitzergreifenden Blick nur zu gut.
»Unterschätze nicht, wie Männer manchmal sind. Vor allem bei so einer Frau, wie du es bist«
»Was bin ich denn für eine?«, fragte sie und klang ernsthaft überrascht. Wusste sie denn nicht, was für ein Hauptgewinn sie war?
Ich hatte das Bedürfnis ihr zu sagen, was ich fühlte. Jetzt oder nie. Ich atmete tief ein, blieb stehen und griff nach ihren Fingern, »Eine unglaublich vielseitige, leidenschaftliche und interessante Frau. Jeder Mann würde sich die Finger nach dir lecken. Und dein Aussehen spielt dir auch ziemlich in die Karten.« Ich zwinkerte, um etwas die Ernsthaftigkeit aus meiner Aussage zu nehmen, weil ich sah, wie sie knallrot anlief. Sie war es tatsächlich nicht gewohnt, dass irgendjemand so etwas zu ihr sagte. Manche Männer waren wirklich Idioten.
Ich sah ihren Blick, wie er ungläubig an mir vorbei ins Leere wanderte. Sie wog gerade ab, ob ich es ernst meinte oder etwas anderes erreichen wollte, also raunte ich ihr zu: »Hör auf, darüber nachzudenken und nimm es einfach an.« Auf einmal hatte ich den Drang, ihr meine Worte mit Taten zu beweisen, und zog sie nah an mich heran. Ihr Körper berührte meinen. Wenn ich nur daran dachte, wie sie unter der Jeans und dem Shirt aussah, wurde ich unkontrolliert hart, wie damals zu meinen Teenagerzeiten. Überrascht musste ich feststellen, dass sie sich mir entgegenstreckte und mir mit gesenkten Lidern unter ihren dichten Wimpern entgegenblickte. Ich umgriff ihr Gesicht mit meinen Händen. Wenn sie jetzt wieder einen Rückzieher machte, konnte ich für nichts garantieren und raunte, kurz bevor ich sie küssen wollte: »Keine Rückzieher mehr, das verkrafte ich nicht«
Sie schüttelte den Kopf, dieses Zeichen war sozusagen mein Startschuss. Unsere Lippen trafen aufeinander und Verlangen durchströmte meinen Körper. Wir zogen uns enger aneinander, und ich streichelte zart ihren unteren Rücken. Ich konnte keine Minute mehr warten sie zu spüren, und wollte wissen, wie sie dazu stand. »Wenn wir jetzt nicht aufhören, muss ich dich in das nächste Gebüsch ziehen, das ist dir hoffentlich klar.« Mein Atem ging flach, und ich war froh, überhaupt noch ein Wort herauszubringen.
»Ich hab nichts dagegen«, sagte sie leise und ich konnte mein Glück kaum fassen.
»Sag sowas nicht! Komm!« Ich umschloss ihre Finger mit meinen und zog sie in Richtung ihrer Wohnung. Ich hätte sie auch mit zu mir nehmen können, aber meistens fühlten sich die Frauen bei sich zuhause wohler. Außerdem konnte ich dann gehen, wann ich wollte.
Während wir über den Bürgersteig eilten, kamen mir Zweifel. Wollte ich diese schnelle Nummer? Gerade hatte ich noch versucht, sie näher kennenzulernen, und mir war klar, hätte ich einmal mein Ziel erreicht, würde mein Interesse schneller abflachen, als mir lieb war. So zumindest war es bisher, und tief in mir musste ich mir eingestehen, hatte ich diesmal Angst davor.
Wir blieben vor ihrer Haustür stehen und sie ging über die Schwelle.
»Kommst du?«, fragte sie und ihre Augen sahen mich erwartungsvoll an. Sie glänzten vor Lust, ihre Wangen waren gerötet und ihr Atem ging schnell. Sie war mehr als bereit. Aber war ich es?
»Vielleicht, sollten wir doch etwas langsamer machen. Ich möchte nichts überstürzen.« Ihr enttäuschter Blick gab mir einen Stich in die Brust. »Okay. Dann, sehen wir uns morgen?«, wisperte sie.
»Auf jeden Fall!«
Ich gab ihr noch einen letzten Kuss und ging die Straße zu meiner Wohnung hinunter.
Was war mit mir los? Sonst war ich doch nicht so unsicher? Ich war ein Kerl! Ich nahm mir, worauf ich Lust hatte und machte mir keine Gedanken um das danach.
Und jetzt? Dachte ich an ihre Gefühle. Ich war ein Weichei, mehr nicht.

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