Bloggeschichte: Naschkatze

Naschkatze – Episode 16

 

Max

Montag, 25. August 2014

Ich setzte mich in mein Auto und stieß die Luft aus meinen Lungen. Gerne hätte ich diesen wahnsinnig guten Kuss gerade vertieft. Aber leider hatte sie ohne Vorwarnung die Handbremse gezogen. Wahrscheinlich dachte sie, es wäre mein Plan, sie rumzukriegen, damit ich meinen Willen bekam und ihr den Verkaufsvertrag unter die Nase halten konnte. Vor einigen Tagen hätte ich diesen Plan auch ohne mit der Wimper zu zucken umgesetzt. Aber jetzt? Gab es noch eine Alternative?
Ich startete den Wagen und fuhr zum Büro. Über meine Freisprecheinrichtung rief ich die Auskunft an, die mich mit einem Laden für Gastronomiezubehör in der Nähe verbinden sollte.
»Elektronikshop Beyer, guten Tag!«, hörte ich eine Frauenstimme am anderen Ende der Leitung.
»Hallo, Brandl mein Name. Führen Sie professionelle Rührmaschinen? Für Bäckereien?«
Mit einem gelangweilten Unterton antwortete mir die Stimme, »Ja. Welche hätten ’se denn gerne?«
Ich atmete überfordert aus, »Puh, keine Ahnung. Was ist denn die Beste auf dem Markt?«
»Wir führen das komplette Sortiment von Heaven Bake. Das wäre wohl das Beste«, antwortete sie überzeugt.
»Ja, okay. Dann würde ich gerne eine bestellen, mit Lieferung, so schnell wie möglich.«
Sie lachte. »Express kostet extra. Wir schicken den Boten direkt morgen früh raus, wenn Sie möchten.«
Nachdem ich zugestimmt und mit ihr alle weiteren Details besprochen hatte, parkte ich meinen Wagen vor dem Bürogebäude. Ich hoffte, Isabell würde sich darüber freuen und mir keinen Tritt in den Hintern dafür verpassen.
Durch die Eingangshalle und den Fahrstuhl erreichte ich unser Stockwerk und steuerte das Büro meines Chefs an.
Bestimmt klopfte ich gegen die Tür und trat ein.
»Herr Brandl! Gut das Sie da sind! Ich habe direkt etwas mit Ihnen zu besprechen!«
Ich nickte und trat komplett in den Raum.

Dienstag, 26. August 2014

Nervös ging ich am nächsten Tag den Flur auf und ab. Gleich würde Isabell mit den anderen Inhabern aus der Straße hier auflaufen. Mein Chef hatte gestern, ohne es mit mir abzustimmen, eine Einladung zu einer Informationsveranstaltung rausgeschickt. Laut seinen Aussagen dauerte ihm das Ganze bereits viel zu lange und wir müssten nun Nägel mit Köpfen machen.
Nachdem er mir das erzählte, musste ich ehrlicherweise zugeben, hatte ich ein ungutes Gefühl, Isabell heute Morgen scheinheilig zu besuchen und so zu tun, als wüsste ich von nichts. Lieber hatte ich den Schwanz eingezogen, tigerte nun unruhig hier auf und ab und wartete auf ihre Ankunft. Ich brauchte noch einen Kaffee, vielleicht beruhigte der etwas meine flatternden Nerven.
Als ich in der am Flur angrenzenden kleinen Küche stand, hörte ich die Ankunft des Fahrstuhls und die Stimme von Melanie, der Empfangsdame, durch den Flur hallen. »Die anderen Gäste und Herr Lübke kommen gleich, bitte warten Sie einen Moment.«
Sie war da. Showtime.
Ich traf die Bauunternehmer und meinen Chef ebenfalls auf dem Weg zum Besprechungsraum und trat gemeinsam mit Ihnen durch die Tür. Ich durfte mir auf gar keinen Fall etwas vor Herrn Lübke anmerken lassen! Würde er bemerken, dass sich vielleicht etwas mit Isabell anbahnte, wäre ich schneller draußen, als ich schauen könnte.
Unsere Blicke trafen sich über dem breiten Besprechungstisch und am liebsten wäre ich zu ihr rübergelaufen und hätte da weitergemacht, wo wir gestern aufgehört hatten.
Aber ich musste mich nun konzentrieren, ich durfte sie nicht mehr ansehen, weil sie mich absolut aus dem Konzept brachte.
Herr Lübke begann seine Ansprache und ich übernahm die Präsentation, auf die ich mich den Tag über vorbereitet hatte. Als ich nach einer halben Stunde fast fertig war, stellte ich die Abschlussfrage in die Runde: »Haben Sie noch irgendwelche Fragen?«
»Ja! Gibt es keinen anderen Standort in ganz Frankfurt?«, fragte der, den ich als den Frisör kennengelernt hatte.
»Der Standort, Ihre Straße, ist mit allen Gegebenheiten und der Lage perfekt für das Zentrum. Aus diesem Grund gibt es aktuell keinen anderen Platz, nein«, antwortete ich ihm.
Die Runde der Inhaber schnaubte und Isabell stand auf. »Na dann, müssen Sie sich wohl einen anderen Standort suchen, denn wir werden weiterhin nicht verkaufen. Und wir sind heute nur dafür hier, um Ihnen das mitzuteilen, egal welche Angebote Sie uns unterbreiten werden!«
Die anderen vier standen ebenfalls auf und gingen Richtung Tür. Ich bedeutete meinem Chef, stehen zu bleiben, und raunte ihm leise zu: »Ich mach das schon.«
Mit einem Nicken bedeutete er mir seine Zustimmung und ich folgte ihnen.
»Ich begleite Sie noch bis zur Tür«, sagte ich und schloss neben Isabell auf, die ganz hinten ging.
»Brauchen Sie nicht«, antwortete sie mir und betonte das Sie ganz besonders. »Und Ihre Bestechungsgeschenke können Sie sich sonstwohin schieben«, sagte sie nun etwas leiser zu mir, damit es die anderen nicht hören konnten.
»Das war keine Bestechung, das musst du mir glauben!«, sagte ich zu ihr und hätte sie am Liebsten aufgehalten und gezwungen, mir in die Augen zu sehen.
Ihr abfälliges Schnauben zeigte mir, dass sie mir kein einziges Wort glaubte.
Wir blieben vor dem Aufzug stehen und die anderen stiegen ein. Diesmal hielt ich sie am Arm fest und fragte hoffnungsvoll: »Gehst du heute noch mit Mister Bean spazieren?«
Sie schaute mir eisern entgegen und ich flehte leise: »Bitte. Lass es mich dir erklären.«
Ein kleines Nicken bestätigte mir mein Flehen und sie stieg ein.
Als die Aufzugtür sich schloss, schüttelte ich den Kopf über mich. Seit wann flehte ich darum, einer Frau irgendetwas erklären zu dürfen?
Wie tief hatte ich mich da bereits hineinmanövriert?

2 Gedanken zu „Naschkatze – Episode 16

  1. Guten morgen
    Ich weiß ja nun, dank Merci Paris, wie es mit Isa und Max ausgeht, aber ich bin schon sehr gespannt, was die beiden auf den Weg dahin, noch so erleben werden.

    Lg und einen schönen Sonntag

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