Bloggeschichte: Naschkatze

Naschkatze – Episode 15

 

Isa

Dienstag, 26. August 2014

Am nächsten Morgen musste ich enttäuscht feststellen, dass Max nicht da war. Nach unserem gestrigen unglaublichen Kuss, bei dem ich einen Rückzieher gemacht hatte, war es mir irgendwie klar gewesen. Ich wollte ihn, seinen Mund und seinen Körper, aber ich durfte nicht vergessen, dass es wahrscheinlich nur eine seiner Maschen war und er nicht wirklich mich mochte, sondern nur an meinen Laden ranwollte.
Ein in schwarz-gelb gekleideter Bote betrat den Laden. Seine Arme hielten ein großes quadratisches Päckchen, das er keuchend auf dem Tresen abstellte.
»Bitte hier unterschreiben«, sagte er und streckte mir ein Klemmbrett entgegen, auf dem ich eine Empfangsbestätigung unterschreiben sollte.
Daraufhin verließ er wieder den Laden und ich blickte verwirrt auf das Paket. Neugierig nahm ich mir eine Schere und öffnete das Packband. Ich zog die Klappen beiseite und erstarrte. Von wem kam das denn? Ich zog umständlich den etwas kleineren Karton im Inneren heraus und blickte ungläubig auf die Schrift darauf. Heaven Bake 4000. Noch Besser, als die auf meiner Wunschliste, aber auch noch sehr viel teurer! Mit meinen Händen kramte ich erneut in dem Paket, es musste doch eine Nachricht dabei liegen oder ein Lieferschein? Oder irgendetwas, aus dem ersichtlich wurde, von wem das Ding war und vor allem, an wen ich es wieder zurückschicken musste. Das konnte nur ein Versehen sein, eine andere Erklärung fiel mir nicht ein.
Ganz unten auf dem Boden, entdeckte ich einen blauen Briefumschlag und öffnete ihn hastig. Mir fiel daraus eine kleine Karte entgegen, auf der Vorderseite das Bild eines bunten Cupcakes und darüber stand: Das Leben ist kurz, iss den Nachtisch zuerst
Ich musste lachen und drehte die Karte um. Auf der Rückseite stand in ordentlicher Handschrift:

Isabell,
auch wenn ich Frauen mit breiten Oberarmen irre sexy finde, und Teigrühren eine neue Disziplin beim Bodybuilding einnehmen sollte, möchte ich dir das Leben ein wenig erleichtern.
Ich hoffe, es ist die Richtige, ich kenne mich damit nämlich genauso gut aus wie mit dem Backen.

Max

Max? Er hatte mir also die Rührmaschine geschickt? Auch wenn ich mich insgeheim freute wie ein Kind an Weihnachten, konnte ich sie unmöglich behalten! Sie war viel zu teuer!
Also packte ich sie wieder in den Karton und schob diesen in das Lager. Wenn er das nächste Mal vorbeikommen würde, könnte er sie direkt wieder mitnehmen. Ich hoffte zumindest, er würde nochmal vorbeikommen.

Der Laden wurde von Stunde zu Stunde voller. Ich wirbelte zwischen den Tischen und der Theke hin und her und wurde immer zufriedener. Tom hatte die Webseite noch gestern Abend aktualisiert und stark die Werbetrommel gerührt, um einige Kunden herzulocken. Wir hatten uns überlegt, einen Gutschein für eine Tasse Kaffee zur Verfügung zu stellen, welche die Kunden ausdrucken und mitbringen konnten. Allein der Ausblick auf das Gratisgetränk brachte haufenweise neue Kunden in den Laden.
Die Cupcakes, von denen ich mittlerweile eine große Auswahl an Rezepten hergestellt hatte, kamen super an und fast jeder nahm noch einen weiteren mit, um ihn zuhause zu essen oder jemandem mitzubringen!
Die Tür wurde erneut aufgerissen und ich drehte meinen Kopf in die Richtung.
»Hallo Renate!«, begrüßte ich die Kioskbesitzerin. Diese hob die Hand und streckte mir ein Stück Papier entgegen. »Hallo Schätzchen! Hast du schon deine Post gelesen?«, fragte sie mich und ich nahm ihr das Schreiben aus der Hand.
»Nein, was ist das?«
In großen Buchstaben stand als Überschrift: Informationsveranstaltung zum Neuausbau der Schwanstraße
Ich schaute fragend in Renates Gesicht, die mittlerweile mit in den Hüften gestemmten Fäusten vor mir stand.
»Wir sollen da heute Abend hingehen. Alle in der Straße sind eingeladen. Wahrscheinlich ist das sowas wie ’ne Verkaufsveranstaltung für diese Abzocker, die uns unsere Straße wegnehmen wollen!«
Ich schaute erneut auf die Einladung in meiner Hand. Um 18:00 Uhr ging es los. Jetzt war ich gespannt!

Wir trafen alle gemeinschaftlich an dem in der Einladung genannten Standort ein. Renate, Inhaberin des Kiosks, Tico gehörte das kleine mexikanische Restaurant, Heinz, der Schuhmacher, Harald aus dem Frisörladen am Ende der Straße und ich standen vor dem riesigen Gebäude und streckten die Köpfe Richtung Tür. In großen Buchstaben stand Lübke Immobilien GmbH darüber.
Jetzt befand ich mich auf Max‘ Terrain. Diesmal hatte er einen klaren Heimvorteil und ich war äußerst gespannt, was mich erwartete.
Die Empfangsdame führte uns in den zwanzigsten Stock, in einen kleinen Besprechungsraum, und wir nahmen Platz.
»Die anderen Gäste und Herr Lübke kommen gleich, bitte warten Sie einen Moment«, sagte die wahnsinnig schlanke und wahnsinnig attraktive Blondine und verließ den Raum. Ich malte mir aus, was Max machte, wenn er jeden Tag an ihr vorbeiging und ein unwohles Grummeln gesellte sich in meinem Magen zu dem aufgeregten Kribbeln, welches dort sowieso schon wütete, weil ich nicht wusste, was uns drohte.
Kurz darauf wurde die Tür aufgerissen, drei Männer in schwarzen Anzügen gingen mit unbewegten Gesichtern voraus, danach folgte ein etwas kleinerer, untersetzter Mann mit lichtem Haar und mein Herz machte einen Satz, als ich Max als Schlusslicht erkannte.
Seine Miene war unergründlich hart, aber als er meinen Blick erfasste, zuckte sein Mund ein kleines Stück nach oben.
Die Männer in Anzügen nahmen gegenüber von uns Platz und Max und der andere Typ stellten sich vor eine weiße Leinwand am Ende des Tisches.
»Schön, dass sie gekommen sind«, begann der Untersetzte. »Wir haben Sie heute hierher eingeladen, damit wir Ihnen einmal das Geschäftsmodell zum Bau des Einkaufszentrums vorstellen können.«
Er trat einen Schritt zurück und Max nahm seinen Platz ein. Sein Mund öffnete sich, aber ich konnte nur seine Bewegungen verfolgen, wie er geschmeidig und selbstbewusst vor dem Tisch hin und her lief, und ab und zu auf die Leinwand zeigte, auf der mittlerweile eine Präsentation zu sehen war.
Ich erhaschte etwas von Modernisierung, Wachstumschancen für die Stadt und Vergrößerung der Infrastruktur, aber eigentlich hörte ich ihm nicht aufmerksam zu. Mir war sowieso klar, dass wir alle hier nicht verkaufen würden, sondern den Bauunternehmern am anderen Ende des Tisches eine endgültige Absage erteilen wollten. Max bemühte sich, mich nicht anzusehen, bis auf einmal. Einmal fand sein Blick meinen und er stockte in seinen Erzählungen, fasste sich jedoch schnell wieder und wand sich den anderen Anwesenden zu.
Wieso konnte er seinem Chef nicht einfach einen anderen Standort vorschlagen?

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