Bloggeschichte: Naschkatze

Naschkatze – Episode 14

 

Max

Montag, 25. August 2014

Was war mit mir los? Jeden Morgen sprang ich förmlich aus dem Bett, um endlich in die Bäckerei zu kommen. Ich hatte es fast bedauert, dass gestern Sonntag war und der Laden geschlossen hatte. In der letzten Woche und den Tagen davor hatte es sich eingespielt, dass ich Isabell morgens half und nachmittags ins Büro fuhr. Mein Chef nahm mir glücklicherweise ab, dass ich vormittags zur Verhandlungen unterwegs war. Allerdings stand er mir weiterhin auf den Füßen, und machte enormen Druck, dass es bald weitergehen sollte. Ich vertröstete ihn jeden Tag aufs Neue, obwohl ich wusste, ihm kein kurzfristiges Ergebnis liefern zu können.
Eigentlich hätte ich mich ebenfalls um die anderen Läden kümmern sollen, aber es fiel mir unglaublich schwer, mich von Isabell fernzuhalten, wenn ich einmal in der Straße stand. Also betrat ich erneut freudestrahlend den Laden: »Morgen!« Sie erwiderte es fröhlich: »Guten Morgen!«
Wie die letzten Tage hatte sie bereits mein Frühstück vorbereitet und reichte es mir lächelnd entgegen. Daran könnte ich mich gewöhnen!
Aber neben dem Frühstück hatten wir noch viel vor heute. Isabell testete einige neue Rezepte und ich war in der glücklichen Lage, diese als Vorkoster probieren zu dürfen. Hin und wieder warf ich eine mögliche Zutat ein, und sie machte sich sogleich daran, ein neues Rezept aufzuschreiben. Sie sprühte vor Ideen und Leidenschaft für ihren Beruf und ich konnte kaum den Blick von ihr wenden, wenn sie mehlverstaubt und mit kauender Unterlippe über dem Block lehnte und kaum so schnell schreiben konnte, wie sie dachte.
»Erdbeeren bekommen?«, fragte ich sie und schlang das Vollkornbrötchen mit Käse hinunter.
Sie strahlte. »Oh ja! Ganz Frische vom Markt in der Innenstadt! Wir können das Rezept heute direkt ausprobieren«
»Wenn wir das weiter machen, nehm ich mindestens 10 Kilo zu, oder ich muss meine tägliche Joggingrunde auf einige hundert Kilometer ausweiten!«
Nachdem ich fertig gegessen hatte, konnte ich es kaum erwarten, zu ihr hinter die Theke zu gehen. »Na dann, wollen wir mal starten!«
Wir arbeiteten fast Hand in Hand, als hätten wir nie etwas anderes gemacht. Abgesehen davon füllte es mich mit einem unbekannten Gefühl von Zufriedenheit, wenn ich ihr Arbeit abnehmen konnte, für die sie eindeutig Hilfe brauchte. Das war wohl auch der einzige Grund, weshalb ich bisher noch keine neue Rührmaschine gekauft hatte. Das Geld dafür hatte ich definitiv.
Außerdem hatte ich das Gefühl, dass sie mir gegenüber offener wurde, je öfter ich ihr half und wir uns sahen. Aus diesem Grund versuchte ich auch, jedes Mal, wenn sie sich in meiner Nähe befand, etwas Kontakt aufzubauen. Ich berührte ihren Arm, ihre Schulter oder legte auch mal meine Hand auf ihren unteren Rücken. Das Gefühl ihres Körpers unter meinen Fingern weckte in mir den Drang, sie einfach zu packen, aber ich musste eindeutig behutsamer bei ihr vorgehen. Nicht wie bei den Frauen, mit denen ich mich in der Vergangenheit abgegeben hatte.
Ich unterbrach die Stille, weil ich sie etwas necken wollte, und sagte: »So langsam wäre es mal Zeit für eine neue Rührmaschine! Oder brauchen Sie nur einen Grund, um mich jeden Tag wiederzusehen?«
Auf ihr Schnauben wurde mein Grinsen noch breiter. »Das ist wohl eher andersherum oder? Sie kommen doch jeden Morgen für ihr Frühstück hierher!«
Sie hatte sich immer noch nicht dazu herabgelassen, mir das Du anzubieten, sondern siezte mich weiter, was ich fast jedes Mal mit einem Lachen bedachte. Ich musste sie unbedingt weiter aus ihrer Reserve locken, legte die Backutensilien zur Seite und trat vor sie. Ihre braunen Augen überzog ein lüsterner Blick, unter dem sich unwillkürlich mein bestes Stück in meiner Hose regte. Kaum konnte ich das Zucken meiner Hand unterdrücken, welche ihren Hinterkopf packen und sie zu mir ziehen wollte.
»Das ist auch das köstlichste Frühstück, welches ich jemals gegessen habe und ich denke jeden Morgen nach dem Aufwachen nur daran, wann ich es das nächste Mal wieder genießen kann«, raunte ich ihr zu und sah, wie sie sich wegen der erregenden Gänsehaut, die sie nun überzog, schüttelte. Ich grinste zufrieden, weil ich es geschafft hatte, in ihr die gleichen Gefühle auszulösen, die in mir wüteten.
Das Geräusch des blöden Bewegungsmelders ließ sie sich umdrehen und abwenden und ich trat wieder einen Schritt zurück.
»Tom!«, rief sie fröhlich. Tom? Ihr Freund? Ich hob ebenfalls den Kopf und erkannte einen schlaksigen, dunkelblonden Typ in einem grau-karierten Hemd in der Tür stehen. Mit einem Grummeln musste ich mit ansehen, wie Isabell auf ihn zutrat und ihn umarmte. Aber kein Kuss. Das war ein gutes Zeichen. Ich beobachtete die beiden verstohlen und ging erneut hinüber zur Rührschüssel.
Er flüsterte, schaute immer wieder zu mir und das passte mir überhaupt nicht. Was erzählte er ihr?
Endlich waren sie fertig mit tuscheln und fingen an, einiges vorzubereiten. Auf meine Frage hin erzählte mir Isabell, dass Tom sich um die Webseite kümmerte und Fotos der Cupcakes machte, um diese dort zeigen zu können. Eine gute Idee, die Frage war nur, was passierte mit dem Laden im Hinblick auf den Verkauf an unser Maklerbüro, wenn er besser lief?
Leider musste ich mir jedoch eingestehen, dass ich mich für sie freuen würde, wenn mehr Gäste kommen würden. Sie hätte es sicherlich verdient!
Nach einer viel zu langen Zeit verabschiedete sich endlich dieser Tom und Isabell drehte das Open-Schild über der Glastür für die Mittagspause auf Close. Das war auch gleichzeitig für mich das Zeichen, gehen zu müssen, was ich tatsächlich mittlerweile bedauerte. Ich hatte keine Lust darauf, in mein kaltes Büro zu fahren, meinen oberflächlichen Kollegen zu begegnen oder meinem Chef irgendwelche Lügen aufzutischen. Komisch, war das doch bis vor etwas über einer Woche meine einzige Welt gewesen und ich konnte mir nichts Besseres vorstellen, als in meinem Beruf erfolgreich zu sein.
Isabell trat wieder hinter den Tresen und ich hatte das plötzliche Bedürfnis, sie unbedingt berühren zu müssen. »Sie müssen sicherlich wieder ins Büro! Danke für die erneute Hilfe!« Sie lehnte sich gegen die Arbeitsfläche und ich trat einen Schritt vor sie, um sie am weglaufen zu hindern. »War mir ein Vergnügen!« Mein Herz pochte ungewohnt aufgeregt, in meinen Handinnenflächen sammelte sich Feuchtigkeit. Ich wollte sie auf einmal so sehr, wie ich bisher nichts anderes wollte, und bückte mich zu ihr hinunter.
Meine Lippen berührten ihre Wange sanft und mit Genugtuung genoss ich, dass sie nicht wegzuckte. Im Gegenteil! Langsam drehte sie ihr Gesicht in meine Richtung, meine Hände strichen an ihren nackten Armen auf und ab, und ich spürte unter meinen Fingerkuppen, dass sie eine Gänsehaut bekam. Unsere Lippen schwebten knapp voreinander und ich konnte den Augenkontakt kaum lösen. Sollte ich es wagen? Sie bot sich mir so eindeutig an, dass ich sie nur noch nehmen musste. Aber: Was interpretierte sie in einen Kuss?
Es war mir egal! Ich drückte meinen Mund auf ihren, schloss die Augen, und spürte ihre weichen Lippen. Meine Hände umschlangen ihren Oberkörper, ihre umgriffen meinen Nacken und wir zogen uns noch enger aneinander. Unser Kuss wurde leidenschaftlicher und sie öffnete willig den Mund. Ich ergriff die Chance und berührte zart mit meiner Zungenspitze ihre Lippen, bevor ich damit in ihren Mund eintauchte. Sie stöhnte leise und meine Hose wurde eindeutig enger. Machte mich diese Frau scharf! Unglaublich!
Auf einmal legte sie ihre Hände auf meine Brust und drückte mich bestimmt weg. Ich ließ von ihr ab und sah ihr stirnrunzelnd in die Augen: »Was ist?«, fragte ich leise und sie wendete ihren Kopf ab. »Ich kann das nicht. Sorry.«
Mit meinem Finger hob ich ihr Kinn an. »Ist doch gar nichts passiert. Alles gut, okay?«
Ich lächelte ihr leicht entgegen und sie erwiderte es mit einem traurigen Ausdruck. Ich ging einen Schritt zurück und ließ ihr den Raum, den sie anscheinend brauchte.
»Ich sollte dann mal wieder ins Büro fahren«, sagte ich und wollte eigentlich nichts mehr, als bei ihr zu bleiben. Sie nickte wortlos und mit einem letzten tiefen Atemzug und einen Blick auf ihr Gesicht, wand ich mich ab und ging.

Ein Gedanke zu „Naschkatze – Episode 14

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.