Bloggeschichte: Naschkatze

Naschkatze – Episode 13

 

Isa

Montag, 25. August 2014

Genervt drehte ich den Kopf und schaute auf die Digitalanzeige meines Weckers, der auf meinem Nachtisch neben dem Bett stand. Viertel nach eins. Klasse. Seit über zwei Stunden wälzte ich mich schon hin und her, und konnte einfach nicht einschlafen.
Sobald ich die Augen zumachte, zogen meine Gedanken wie verhext immer wieder zu Max zurück. Wie die Muskeln und Sehnen seiner Unterarme heraustraten, während er fest den Rührbesen umgriffen hielt und in der Schüssel rührte. Sein Geruch, der an mir vorbeizog, während er sich bewegte. Die Wärme seines starken Körpers, die mich förmlich verbrannte. Seine weichen Finger, die zart über meinen Handrücken strichen, als er sich heute Mittag mit einem Händedruck von mir verabschiedet hatte.
Jetzt musste ich mir eindeutig eingestehen, dass ich scharf auf diesen Mann war. Meine Mitte zog sich allein bei dem Gedanken an seinen Körper zusammen und ich seufzte frustriert auf. Konnte ich es wagen? Nur ein einziges Mal?

Mein Herz machte einen Satz, als ich meinen Bewegungsmelder hörte und ich drehte mich unvermittelt um. Ich biss mir auf die Innenseite der Wange, damit ich mein dümmliches Grinsen unterdrücken konnte, als Max lässig auf den Tresen zukam.
In der letzten Woche war er jeden Morgen kurz nach Ladenöffnung gekommen und hatte sein Frühstück bei mir gegessen.
Danach half er mir, die tägliche Teigration vorzubereiten, und ich musste zugeben, dass ich seine Anwesenheit von Tag zu Tag mehr genoss.
»Morgen!«, strahlte er mir entgegen und ich erwiderte es: »Guten Morgen!«
Ohne Umschweife reichte ich ihm sein bereits vorbereitetes Frühstück. Er nahm es und stellte es vor sich hin. Seit dem zweiten Tag seiner Besuche, aß er nicht mehr an einem weit entfernten Tisch, sondern blieb direkt bei mir stehen.
»Erdbeeren bekommen?«, nuschelte er mit vollem Mund und ich strahlte, »Oh ja! Ganz Frische, vom Markt in der Innenstadt! Wir können das Rezept heute direkt ausprobieren«
»Wenn wir das weiter machen, nehm ich mindestens 10 Kilo zu, oder ich muss meine tägliche Joggingrunde auf einige hundert Kilometer ausweiten!«
Ich lachte. Vor einigen Tagen hatte ich begonnen, nach Pias erneuter Aufforderung, neue Cupcakes auszuprobieren. Max bestätigte mir den unglaublich guten Geschmack und wir hatten uns einen Spaß daraus gemacht, uns für den nächsten Tag immer wildere Rezepte auszudenken.
Heute gab es einen Vanille-Cupcake mit einer Erdbeer-Sahne-Creme.
Interessanterweise bemerkte ich, dass von Tag zu Tag mehr Menschen in meinen Laden kamen, um die Cupcakes zu probieren, was mich natürlich unwahrscheinlich freute. Heute Mittag kam Tom vorbei, um einige Bilder für meine Webseite zu machen, weil ich darauf hoffte, damit noch mehr Menschen anlocken zu können.
»Na, dann wollen wir mal starten!«, sagte Max motiviert, stellte den leeren Teller beiseite und krempelte die Ärmel seines Hemdes hoch.
Ich hatte aufgehört, mir Gedanken darüber zu machen, was ich durfte und was nicht, sondern nahm mir fest vor, einfach in den Tag hineinzuleben. Wie ich in der Vergangenheit selbst schmerzlich feststellen musste, konnte es von dem einen auf den anderen Tag viel zu schnell vorbei sein.
Trotzdem ermahnte mich meine innere Stimme immer wieder, nicht zu weit zu gehen! Max war immer noch der Makler, der er am Anfang war und sein Ziel war weiterhin, den Laden zu kaufen. Wahrscheinlich versuchte er sich so nur, mein Vertrauen zu erschleichen. Dennoch verdrängte ich diesen fiesen Gedanken und hatte den Eindruck, dass er ebenso viel Spaß mit mir hatte, wie ich mit ihm.
Mister Bean hatte sich mittlerweile an den Fremden im Laden gewöhnt, denn er hob noch nicht einmal mehr den Kopf, als Max hinter der Theke verschwand.
Er lief an mir vorbei und griff zur vorbereiteten Schüssel, streifte dabei wie zufällig meinen Arm mit seinem und meine Haut kribbelte an der Stelle, an der ich seine Berührung gespürt hatte.
Schweigend bereiteten wir alles vor und nebenbei bediente ich zufrieden einige Gäste, die sich mittlerweile an den Tischen eingefunden hatten.
Daran hätte ich mich tatsächlich gewöhnen können. Ein Kollege, der mit mir gemeinsam arbeitete und ich mich nicht mehr um alles alleine kümmern musste. Aber er war kein Kollege. Das dufte ich nicht vergessen!
»So langsam wäre es mal Zeit für eine neue Rührmaschine! Oder brauchen Sie nur einen Grund, um mich jeden Tag wiederzusehen?«, grinste er mir entgegen und ich schnaubte. Ich wollte keine zwei Geräte kaufen, denn aktuell reichten die Einnahmen höchstens für eine billige Maschine. Eigentlich sparte ich auf eine Heaven Bake 2000, die jedoch weit im vierstelligen Bereich und damit außerhalb meiner derzeitigen Möglichkeiten lag. Und vielleicht hatte er ein klitzekleines bisschen Recht mit dem, was er vermutete. Aber das würde ich ihm sicherlich nicht auf die Nase binden.
»Das ist wohl eher andersherum, oder? Sie kommen doch jeden Morgen für ihr Frühstück hier her!«, antwortete ich ihm und grinste schelmisch.
Er trat nahe vor mich und mein Mund wurde trocken. In meinem Bauch begann es zu kribbeln, als er sich langsam zu mir herunterbeugte und flüsterte: »Das ist auch das köstlichste Frühstück, welches ich jemals gegessen habe, und ich denke jeden Morgen nach dem Aufwachen nur daran, wann ich es das nächste Mal wieder genießen kann.« Seine raue Stimme verursachte eine Gänsehaut, die meinen gesamten Körper bis in die Haarspitzen, überzog. Ich musste einen Schauer unterdrücken und konnte ihn nur noch ansehen, weil mir schlicht die Worte fehlten.
Er lehnte sich zurück und widmete sich wieder dem Teig in seinen Händen. Nach dem spitzbübischen Grinsen auf seinem Gesicht zu urteilen wusste er genau, welche Wirkung er mit dem eben Gesagten auf mich hatte und ich ärgerte mich über mich selbst, dass ich so offen auf ihn reagierte.
Das Miauen des Bewegungsmelders riss mich aus meiner Trance und ich drehte den Kopf zur Tür.
»Tom!«, rief ich fröhlich meinem besten Freund zu, und trat vor den Tresen, um ihn mit einer Umarmung zu begrüßen.
»Hallo Isa. Hast du einen neuen Mitarbeiter?« Tom schaute fragend Richtung Max, welcher ihm knapp und nicht sehr freundlich zunickte, wie ich verwirrt feststellen musste. Verlegen stotterte ich und senkte meine Stimme: »Ähm, nein. Er hilft mir nur etwas aus.«
»Aha«, antwortete Tom und beobachtete den fremden Mann hinter der Theke immer noch skeptisch.
»Hast du die Kamera dabei?«, fragte ich ihn, um schnell das Thema zu wechseln. Er drehte seinen Kopf in meine Richtung. »Ja, hab ich! Wenn du alles vorbereitet hast, können wir starten!«
Nach einer Stunde hatte Tom genug Bilder gemacht, um meine Webseite mit Massen an Informationen zu füttern. Er packte gerade wieder seine Tasche und zog mich an meinem Arm ein Stück zur Seite. »Bist du dir sicher, dass ich gehen soll? Der Typ ist mir irgendwie nicht geheuer«, fragte er mich und ich lachte. »Ja klar. Was soll er denn machen? Er hilft mir nur, keine große Sache«
»Sicher?«, Tom zog eine Augenbraue hoch, »Ich habe den Eindruck er erwartet irgendetwas dafür. Ein Typ wie er, der dir einfach so hilft? Das glaub ich nicht! Außerdem mag ich nicht, wie er dich anschaut.«
»Selbst wenn er etwas vorhat, denkst du, ich lasse mich darauf ein?«, fragte ich ihn stirnrunzelnd und er schüttelte langsam, aber nicht sehr überzeugt, den Kopf.
Ich drückte ihn an mich. »Mach dir keine Sorgen. Wenn was ist, melde ich mich!«
Tom, mein Beschützer in der Not! Mein großer Bruder im Geiste und langjähriger bester Freund! Bisher hatte ihm keiner meiner Freunde gepasst, wieso war mir nicht klar, und in diesem Fall war Max noch nicht mal annähernd so etwas wie mein Freund.
Nachdem Tom sich verabschiedet hatte und ich hinter ihm zur Mittagspause abgeschlossen hatte, trat ich wieder hinter den Tresen.
»Sie müssen sicherlich wieder ins Büro! Danke für die erneute Hilfe!«, sagte ich und lehnte mich an die Arbeitsplatte.
»War mir ein Vergnügen«, raunte er und trat noch einen Schritt auf mich zu. Selbst wenn ich wollte, ich hätte mit dem Hindernis in meinem Rücken nicht flüchten können. Mein Herz sprang aus dem Takt und ich sah wie in Zeitlupe, dass Max sich mir immer weiter näherte. Was hatte er vor? Würde ich mitmachen? Er bückte sich langsam, ich roch sein Aftershave, und sein Gesicht kam meinem sehr viel näher, als ich zulassen sollte.

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