Bloggeschichte: Naschkatze

Naschkatze – Episode 12

 

Max

Mittwoch, 13. August 2014

Ich musste unwillkürlich lächeln, als ich durch die Scheiben der Backstube sah, wie Isabell sich mit einer riesigen Schüssel und einem viel zu kleinen Rührbesen abmühte. Verbissen und grimmig starrte sie auf ihre Hand, die sich mühevoll durch den zähen Teig kämpfte.
»Guten Morgen! Heute schlechte Laune?«, fragte ich betont herausfordernd, während ich auf sie zuging, und grinste ihr entgegen.
In ihrem Gesicht konnte ich lesen, dass sie nicht gerade erfreut war, mich heute schon wieder hier zu sehen, und hörte ein leises: »Morgen. Gut ist wohl etwas anderes und jetzt wird er gerade nicht besser.« Sie war wirklich irgendwie witzig, und das noch ganz unfreiwillig. Die meisten Frauen versuchten, sich interessanter darzustellen, als sie eigentlich waren, und das wirkte meistens gekünstelt und geschauspielert. Aber die kleine Bäckerin sagte, nachdem sie ihre Schüchternheit einmal überwunden hatte, einfach frei Schnauze, was ihr auf der Zunge lag und das gefiel mir. Sehr sogar.
Ich trat zu ihr vor die Theke und bestellte mein Frühstück, auf das ich mich schon seit heute Morgen nach meinem Aufstehen gefreut hatte. »Ich hätte gerne einen Kaffee und ein belegtes Brötchen, bitte«
Sie streckte mir den Teller und die Tasse entgegen und ich sah, dass sie durch die Rührerei total geschafft war, denn ihre Hände zitterten leicht. Vielleicht sollte ich ihr helfen? Nein, das war zu aufdringlich und sie würde sich sicher sträuben.
Ich holte bewusst weit mit meiner Hand aus und strich sanft über ihre Finger, die den Teller hielten. Unsere Blicke vertieften sich und ihre braunen Augen glimmten kurz dunkel auf. Allein dieser Blick genügte, dass ich mich unmöglich direkt von ihr lösen konnte und spürte, dass ich sie auf einmal nicht nur an ihren Fingern berühren wollte.
Ich räusperte mich aufgrund meiner unangebrachten Gedanken und zog schnell das Geschirr zu mir, drehte mich um, und rannte förmlich Richtung Tisch.
Ich ließ, nachdem ich Platz genommen hatte, bewusst meinen Blick gesenkt und fixierte das Brötchen vor mir. Natürlich war mein Plan gewesen, sie rumzukriegen, aber das dies an mir nicht spurlos vorbeiging, war mir neu. Im Augenwinkel erkannte ich, dass sie sich wieder ihrem Teig widmete, und hörte ihr Fluchen und angestrengtes Keuchen.
Oh man, ich konnte sie sich doch nicht so abrackern lassen. Also verschlang ich schnell das Frühstück samt Getränk und ging hinüber hinter die Theke.
»Lassen Sie mich mal«, brummte ich ihr zu und nahm ihr langsam den Rührbesen aus der Hand, damit sie nicht erschrocken zurückzuckte.
»Das kann man ja nicht mit ansehen«, sagte ich, schüttelte den Kopf und fing an, den Teig zu bearbeiten.
»Ich hätte das auch ohne Sie geschafft«, sagte sie bockig wie ein kleines Kind und ich musste erneut grinsen. Natürlich hätte sie das, die Frage war nur, ob sie mit dem Muskelkater in den Armen morgen dann überhaupt noch etwas zustande bringen konnte.
»Davon gehe ich aus, aber so geht es doch deutlich einfacher, oder?«
»Danke«, sagte sie leise und ich war überrascht, dass sie meine Hilfe überhaupt annahm. Sie drehte sich um und verließ den Raum durch eine Tür am Ende der Theke. Dies brachte mir die Gelegenheit, ihren knackigen Hintern in der engen Jeans unter ihrer Schürze, unverhohlen betrachten zu können.
Ich widmete mich wieder dem Inhalt der Schüssel und soweit ich das beurteilen konnte, sah der Teig ganz gut aus. Zumindest waren diese kleinen hellen Mehlklümpchen verschwunden, und das sollte doch so sein, oder?
Sie kam zurück in den Raum und ich hielt ihr die Schüssel unter die Nase, »Gut so?«, fragte ich. Isabell nahm sie mir ab und nickte zufrieden, »Ja«
Unter ihre harte Miene stahl sich ein kleines Lächeln und ich war überrascht, wie sehr ich mochte, wie sie lächelte. Ihre Augen strahlten ein klein wenig und ihr hübscher Mund kräuselte sich an den Ecken leicht nach oben, was ihr Gesicht noch attraktiver machte. Vielleicht konnte ich sie noch weiter zum Lächeln bringen, wenn ich ihr bei etwas half. Arbeit stand doch in so einem Laden immer an.
»Werden meine Dienste noch für irgendetwas anderes benötigt?«, fragte ich deshalb und kurz sah sie mich eindringlich an. Sie dachte nach, ganz eindeutig, aber winkte dann ab: »Nein danke. Ich komm jetzt alleine klar«
Sie traute sich nicht, das war sicher, aber sie hätte mein Angebot ruhig annehmen können. Vielleicht überlegte sie es sich anders, wenn ich ihr noch etwas Zeit gab. Ich beschloss, einfach noch etwas hier stehen zu bleiben.
»Darf ich mal?« Sie schob sich nah an mir vorbei und ich musste den Drang ausblenden, mich noch enger an sie zu drücken. Mein Körper reagierte unmittelbar auf ihre unfreiwillige Berührung und mir wurde bewusst, dass ich sie unbedingt wollte. Ihren nackten, schlanken Körper in meinem Bett. Und wenn es nur ein einziges Mal wäre, ich musste es zumindest versuchen. Sie war doch auch nur eine Frau, eine verdammt heiße, aber eben nur eine Frau. Irgendwann würde sie einknicken, da war ich mir sicher und fast gleich darauf, bestätigte sie meine Theorie, indem sie fragte: »Darf es noch ein Kaffee sein? Der geht auch aufs Haus, für die Hilfe.« Also wollte sie ebenfalls nicht, dass ich sofort ging.
»Da sag ich nicht nein«, antwortete ich ihr verschmitzt und sie ging zur Kaffeemaschine. Auffällig verfolgte ich ihre Art, sich zu bewegen, und sah, wie ihre Wangen anfingen, zart rosa zu leuchten, als sie meine Blicke bemerkte. Sie war diese Aufmerksamkeit wohl nicht gewohnt, obwohl sie sie auf jeden Fall verdient hatte.
Ich beschloss, sie nicht mehr länger zu irritieren, und fragte wirklich aus Interesse: »Wie sind Sie eigentlich an den Laden gekommen?«
»Milch?«, fragte sie und ich musste erneut schmunzeln, wie offensichtlich sie mir damit aus dem Weg ging.
»Und?«, forderte ich mit Nachdruck eine Antwort ein, nahm den Kaffee entgegen und sah sie entschieden an. Sie verschränkte die Arme vor der Brust. Noch ein Zeichen, dass sie etwas vor mir verstecken wollte. Zu meiner Überraschung antwortete sie trotzdem, »Der Laden gehörte meinen Eltern. Sie haben ihn mir vererbt.«
Oh. Man konnte nur etwas vererben, wenn man … Damit hatte ich nicht gerechnet.
»Vererbt. Heißt das …?«, fragte ich knapp, um mir die Bestätigung meiner Gedanken bei ihr zu holen. Sie nickte und auf einmal hatte ich Mitleid mir ihr. »Das tut mir leid«.
Vielleicht besaß sie den Laden nicht freiwillig und konnte ihn nicht verkaufen, weil er sie zu sehr an ihre Eltern erinnerte. Ich fragte mich, ob man manchmal solche Erinnerungen nicht einfach abstreifen sollte, damit es weiterging und man nicht der Vergangenheit hinterherrannte, die man sowieso nicht wieder zurückholen konnte.
Weit entfernt im Hintergrund hörte ich ein Piepsen, welches ihren Körper aus der Bewegungslosigkeit zog. Sie wandte sich von mir ab. Mit dicken roten Topfhandschuhen zog sie ein Blech aus dem Backofen und der köstliche Duft zog mir in die Nase.
»Hm, das riecht aber gut«, sagte ich, jedoch nicht nur, weil das tatsächlich der Fall war, sondern auch, weil ich sie aus ihrer Traurigkeit herausziehen wollte. Sie lächelte und ich freute mich, dass ich es anscheinend geschafft hatte.
»Ich weiß«, antwortete sie stolz.
»Also, backen ist Ihr Ding oder wie?«
Sie lächelte und ihre Augen bekamen erneut diesen strahlenden Glanz. »Ja, so kann man es ausdrücken. Ich liebe es einfach, mir eigene Rezepte einfallen zu lassen und wie glücklich die Leute aussehen, wenn ihnen der Kuchen schmeckt.«
»Eigentlich müssten Sie doch kugelrund sein! Ich könnte mich sicherlich nicht zurückhalten und müsste alles probieren!«, sagte ich und lachte.
»Am Anfang vielleicht, mittlerweile muss ich kaum noch etwas selbst testen, weil ich weiß, wie die Zutaten miteinander reagieren. Manchmal lasse ich ein neues Rezept von meinen Freunden Pia und Tom probieren.«
Tom? Ein Freund, soso. Ich hatte mir noch gar keine Gedanken darüber gemacht, ob sie einen Freund hatte, war mir aber sicher, nach einer Nacht mit mir dachte sie über diesen sowieso nicht mehr nach.

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