Bloggeschichte: Naschkatze

Naschkatze – Episode 11

 

Isa

Mittwoch, 13. August 2014

»Verdammt!«, fluchte ich und strich mir mit dem Handrücken meiner rechten Hand den Schweiß von der Stirn, während die Finger der Linken fest den Rührbesen umgriffen, der tief in der Teigschüssel steckte.
Mir war immer noch keine Lösung für mein Rührproblem eingefallen und so rackerte ich mich jeden Morgen ab, um den Teig annähernd klümpchenfrei hinzubekommen.
»Guten Morgen! Heute schlechte Laune?«
Erschrocken drehte ich mich um und erkannte Mister Superlaune-Makler in der Tür. Anscheinend hatte ich vor lauter Flucherei meinen Bewegungsalarm überhört.
»Morgen. Gut ist wohl etwas anderes und jetzt wird er gerade nicht besser«, grummelte ich und drehte mich ganz zu ihm um. Er trat vor die Theke, grinste mich an und bückte sich, um Mister Bean, der vor dem Tresen lag, zur Begrüßung über den Kopf zu streicheln. Ich hörte, wie sein Schwanz leicht gegen die Holzdielen des Bodens klopfte. Toller Wachhund! Verbündete sich mit dem Feind!
Was wollte der schon wieder hier? Erneut versuchen, mich zu überreden, ihm den Laden zu verkaufen? Das konnte er vergessen! Auch wenn er mal wieder verdammt heiß aussah in seinem Hemd und der dunkelblauen Jeans, und wie er sich lässig auf dem Tresen abstützte. Seine Haare sahen gewollt durcheinander aus, sein Grinsen, welches ein Grübchen auf der rechten Wange zeigte, brachte mein Herz zum Aussetzen. Wieso konnte er nicht einfach ein normaler Mann sein, der hier einfach nur sein Frühstück aß? Und vor allem, wieso musste er so gut aussehen, wenn er doch so ein Ekel war?
»Ich hätte gerne einen Kaffee und ein belegtes Brötchen, bitte«, bestellte er fröhlich und ich ließ resigniert die Schultern sinken.
Nachdem ich ihm seine Bestellung vorbereitet hatte und entgegenstreckte, nahm er den Teller entgegen und berührte meine Finger mit seinen. Die Berührung schoß durch meine Hand weiter in meinen Arm und fand sich zu einem Kribbeln in meinem Bauch wieder. Er schien es ebenfalls nicht ignorieren zu können, verharrte kurz mit den Fingerspitzen auf meiner Hand, und fixierte meinen Blick. Viel zu schnell zog er seine Finger mitsamt dem Teller zu sich, räusperte sich kurz, drehte sich ohne ein weiteres Wort um und nahm an einem der Tische Platz.
Verdattert stand ich da und versuchte, das Gefühl zu unterdrücken, welches er eben in mir ausgelöst hatte. Wahrscheinlich lag es nur daran, dass ich eine lange Zeit niemanden mehr an mich rangelassen hatte. Wortwörtlich. Ich hatte viel zu viel um die Ohren und konnte einen Klotz am Bein, der mich Zeit kostete, nicht gebrauchen. Ganz zu schweigen davon, dass mir niemand mehr über den Weg gelaufen wäre, der mich ansatzweise interessierte.
Pia faselte immer etwas von chronisch untervögelt, aber ich hatte diesen Trieb normalerweise ganz gut im Griff. Bis jetzt. Jetzt spürte ich, wie meine Mitte sich kribbelig zusammenzog und mein Atem automatisch schneller ging, wenn er in der Nähe war.
Ich schüttelte den Kopf und drehte mich wieder zur Backstube um, damit ich den Teig weiter bearbeiten und mich ablenken konnte.
Seine Blicke brannten sich fast spürbar in meinen Rücken, während ich weiter rührte und in regelmäßigen Abständen meine schmerzende Hand ausschüttelte.
»Lassen Sie mich mal«, hörte ich ein Raunen hinter mir und drehte mich hastig um. Ich sah gegen eine breite Brust und musste meinen Kopf heben, um ihm in die Augen zu sehen, weil er mindestens einen Kopf größer war, als ich. Die Wärme, die sein Körper ausstrahlte, brachte mich zum Schwitzen und ich trat automatisch einen Schritt zurück. Mit bedachten Bewegungen, als wollte er ein scheues Tier nicht erschrecken, nahm er mir den Rührbesen aus der Hand und löste seinen Blick von meinen Augen.
»Das kann man ja nicht mit ansehen«, murmelte er und ich stand ungläubig vor ihm. Was sollte das denn jetzt? Mister Bean, der auf dem Boden vor dem Tresen lag, gab ein verächtliches Schnauben von sich, legte seinen Kopf dann aber wieder unbeeindruckt ab.
Max fing bereits an, den Teig zu bearbeiten. Ich trat von einem Bein auf das andere, verschränkte die Arme vor meiner Brust, weil ich nicht wusste, was ich von dieser Situation halten sollte.
»Ich hätte das auch ohne Sie geschafft«, sagte ich trotzig und erkannte ein Schmunzeln auf seinen Lippen.
»Davon gehe ich aus, aber so geht es doch deutlich einfacher, oder?« Er schielte zu mir rüber und ich nickte leicht. »Danke«, sagte ich leise und drehte mich um, damit ich die Zutaten zur Verzierung der Muffins aus dem Lager holen konnte.
Nachdem ich wieder zurück in der Backstube war, sah ich, wie Max stolz lächelnd an der Theke gelehnt stand und mir die Schüssel hinstreckte.
»Gut so?«, fragte er mich und ich nahm sie ihm ab. »Ja«, antwortete ich ihm überrascht und konnte ein Grinsen ebenfalls nicht vermeiden.
»Werden meine Dienste noch für irgendetwas anderes benötigt?«
Ich biss mir auf die Unterlippe. Mir würden hundert Sachen einfallen, bei dem die Dienste eines Mannes sehr von Vorteil wären, aber erstens wollte ich ihn nicht länger hierbehalten als nötig, und zweitens hatte ich Angst davor, dass er mir diese Gefälligkeiten nachhielt und ich mich revanchieren musste.
»Nein danke. Ich komm jetzt alleine klar«, sagte ich, und sah, dass er, trotz meiner Aussage keinerlei Anstalten machte, wieder zu gehen.
Er stand immer noch angelehnt vor mir und grinste in sich hinein. Ich war verwirrt. Sollte das eine Taktik sein, konnte ich mir nicht vorstellen, was er damit bezwecken wollte.
»Darf ich mal?«, fragte ich und drückte mich auf dem Weg zur Arbeitsfläche eng an ihm vorbei. Meine Schulter streifte seine harte Brust und ich roch sein frisches Aftershave.
Ich hatte das Gefühl, mein Herz vollführte den Marathon seines Lebens, während ich langsam die Zutaten auf der Ablage abstellte und betont beiläufig fragte: »Darf es noch ein Kaffee sein? Der geht auch aufs Haus, für die Hilfe.«
»Da sag ich nicht nein«, antwortete er mir. Ich ging zur Kaffeemaschine und streifte nur ein einziges Mal seinen Blick auf dem Weg dorthin.
Er genoss sichtlich, wie er mich mit seiner Art durcheinanderbrachte. Wollte er sich jetzt unterhalten oder mich nur bei jeder meiner Bewegungen anglotzen?
Max räusperte sich. »Wie sind Sie eigentlich an den Laden gekommen?«
Ich atmete tief ein und goss den Kaffee in die Tasse. »Milch?«, fragte ich, damit ich um dieses Thema einen Bogen machen konnte. Ich hatte keine Lust, einem Wildfremden meine Lebensgeschichte zu erzählen, davon einmal abgesehen, dass er es wahrscheinlich nur darauf anlegte, etwas zu erfahren, mit dem ich angreifbar gewesen wäre.
Langsam steckte ich ihm die gefüllte Tasse entgegen und er ergriff sie, zog eine Augenbraue in die Höhe und schaute mich fragend an, »Und?«
Mit verschränkten Armen lehnte ich mich ihm gegenüber an die Arbeitsplatte hinter mir, »Der Laden gehörte meinen Eltern«, ich holte Luft, »Sie haben ihn mir vererbt.«
»Vererbt. Heißt das …?«, er stockte und ich nickte knapp.
»Das tut mir leid«, seine Augen bekamen einen warmen Ausdruck und ich konnte darin ernsthaftes Bedauern aufflackern sehen. Merkwürdigerweise wirkte dieser Blick mehr als tröstlich und ich fühlte mich augenblicklich von ihm verstanden.
Das Piepsen des Weckers holte uns aus unserer Eintracht und ich drehte mich um, öffnete den Backofen und zog die fertig gebackenen Muffins aus dem Ofen, welche ich eine halbe Stunde zuvor hineingeschoben hatte.
»Hm, das riecht aber gut«, hörte ich seine Stimme und musste stolz lächeln.
»Ich weiß«, sagte ich und stellte das Blech auf der Ablage ab.
»Also, backen ist Ihr Ding, oder wie?«
Ich schmunzelte, »Ja, so kann man es ausdrücken. Ich liebe es einfach, mir eigene Rezepte einfallen zu lassen und wie die Augen der Leute strahlen, wenn ihnen der Kuchen schmeckt.«
»Eigentlich müssten Sie doch kugelrund sein! Ich könnte mich sicherlich nicht zurückhalten und müsste alles probieren!«, lachte er und ich stimmte ein.
»Am Anfang vielleicht, mittlerweile muss ich kaum noch etwas selbst testen, weil ich weiß wie die Zutaten miteinander funktionieren. Manchmal lasse ich ein neues Rezept von meinen Freunden Pia und Tom probieren.«
Innerlich schüttelte ich den Kopf. Wieso erzählte ich ihm das alles? Viel zu persönlich, schrillte meine innere Stimme und ich beschloss, sie heute vielleicht zu ignorieren.

11 Gedanken zu „Naschkatze – Episode 11

  1. Boah, ich kann gar nicht aufhören die Teile zu verschlingen. Danke das du mich per Postkarte darauf aufmerksam gemacht hast.

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