Bloggeschichte: Naschkatze

Naschkatze – Episode 10

 

Max

Dienstag, 12. August 2014

Kochen war wirklich noch nie meine Stärke, das musste ich mir ohne Zweifel eingestehen. Nachdem ich das Steak verbrannt, die Kartoffeln verkocht und das Dressing des Salates ebenfalls verkackt hatte, wählte ich die einzig richtige Telefonnummer.
»Mario? Ich würde gerne etwas bestellen! Bitte dreimal die Nummer 22. Ja, genau, Adresse kennst du ja. Danke! Du bist meine Rettung!«
Ich legte auf und ärgerte mich über das Chaos in meiner Küche. Ich wusste, weshalb ich niemals kochte, obwohl ich eigentlich die perfekte Küche dafür hatte.
Die große Kochinsel mit dem modernen Induktionsfeld und dem brusthohen, nagelneuen Ofen, hatte ich für mehr als Rührei und Aufbackbrötchen kaum benutzt.
Na ja, was solls. Solange ich die Nummer meines Lieblingsitalieners auswendig kannte, würde ich schon nicht verhungern.
Ich beseitigte das dreckige Kochgeschirr und öffnete eine Flasche Rotwein für meine Gäste.
Paula müsste gleich hier sein, aber leider kam sie nicht alleine. Ich hasste den Freund meiner Schwester, Dennis, und konnte nicht verstehen, was sie an ihm fand.
Entweder war er, wenn sie alleine waren, netter, als er bei mir den Anschein machte oder er musste etwas anderes haben, was Paula anziehend fand.
Ich stellte die geöffnete Flasche auf den Esstisch vor der offenen Küche und ging hinüber zur breiten Fensterfront.
Eigentlich hatte ich meine Wohnung nur wegen des Ausblicks gekauft. Ich hatte sie vor einem Jahr einem Pärchen vorgestellt und mich auf den ersten Blick in sie verliebt. Daraufhin gönnte ich sie mir selbst, und zog ein. Sie war frisch renoviert gewesen, mit Blick auf die Skyline von Frankfurt, welche jetzt bei Dunkelheit wunderschön vor mir lag.
Das Klingeln an der Haustür riss mich aus meinem Bann und ich ging zur Tür und drückte auf den Summer, um die beiden reinzulassen.
Ich breitete meine Arme aus, umschloss meine kleine Schwester damit und küsste sie auf ihren Scheitel. »Hallo Schwesterchen!«
Sie lachte dumpf an meiner Brust. »Hallo Max!«
Ich ließ sie los und gab Dennis die Hand. »Hallo Dennis«
Er nickte mir knapp zu. »Hi Max«
Ich wusste, dass er mich genauso wenig leiden konnte, wie ich ihn. Dabei war ich anfänglich wirklich nett zu ihm gewesen. Als ich jedoch merkte, wie er Paula ständig rumkommandierte oder verbesserte, wenn sie etwas erzählte, schlug ich einen anderen Ton an, der ihm wohl nicht wirklich Recht war. Mir war seine Meinung allerdings mehr als egal. Er sollte ruhig merken, was für ein Penner er war. Aber vielleicht lag es auch nur daran, dass Paula meine kleine Schwester war. Schon in der Schulzeit machte ich meinen Job als großer Bruder, verdammt gut.
»Das Essen kommt gleich. Ich habe es wirklich versucht …«, zuckte ich entschuldigend mit den Schultern und Paula lachte, während wir ins Wohnzimmer gingen.
»Ist schon in Ordnung. Der Gedanke zählt!«, antwortete sie mir und wir nahmen an meinem Esstisch Platz.
Paula und Dennis saßen mir gegenüber und ich schenkte beiden Rotwein ein.
»Und was gibt es neues bei unseren Eltern?«, fragte ich sie und nippte an meinem Wein. Eigentlich interessierte es mich nicht besonders, wie es ihnen ging. Ob sie sich mal wieder ein neues Auto geleistet, oder einen neuen Gärtner eingestellt hatten, weil der alte angeblich nicht mit den teuren Rosen meiner Mutter zurechtkam, war mir so egal, als wenn meine Nachbarin mal wieder vergaß, das Treppenhaus zu kehren. Eigentlich könnte sich meine Mutter einfach selbst um ihre dämlichen Blumen kümmerte. Zeit genug hatte sie schließlich …
»Sie haben nach dir gefragt. Ruf sie doch mal wieder an, Max«, sagte Paula vorwurfsvoll. Ich schüttelte mit dem Kopf, das hätten sie wohl gerne. Damit sie mir weiter vorhalten konnten, dass ich kein Medizinstudium angefangen hatte und Makler wurde. Natürlich wurde es in den Kreisen meiner Eltern lieber gesehen, hatte man einen Arzt in der Familie. Oder einen Anwalt. Oder einen anderen ehrbaren Beruf. Aber Makler, was war das schon? Ich hatte damals mit Ach und Krach mein Abi geschafft. Wie jeder Achtzehnjährige hatte ich eher Frauen und Party im Kopf, als mich jeden Tag hinter einen Schreibtisch zu klemmen und zu lernen. Damals konnte ich mir nicht vorstellen, auch nur einen weiteren Tag an die Uni zu verschwenden. Ich wollte das ganz große Geld machen, sah die schicken Anzüge und luxuriösen Autos.
»Nee, keine Chance. Eher friert die Hölle zu, oder mir wachsen Flügel!«
»Und was macht die Arbeit?«, ich hörte die Enttäuschung in ihrer Stimme, trotzdem war ich dankbar darüber, dass sie das Thema wechselte.
»Das Übliche. Ich habe derzeit ein wirklich hartnäckiges Projekt an der Backe. Wenn ich das gewinnen kann, macht mich Herr Lübke zum Partner!
»Das hört sich ja wunderbar an! Und? Wie stehen die Chancen?«
Ich schnaubte. »Derzeit gar nicht mal so gut. Die Inhaber sträuben sich. Ich glaube, wenn ich mindestens einen soweit habe, dass er verkauft, ziehen die anderen mit. Aber das ist nicht so einfach, wie ich gedacht hätte!«
Paula zog die Augenbraue in die Höhe und schaute mich eindringlich an. »Und wieso hast du gedacht, ist es einfach?«
»Weil ich dachte, ich könnte eine Inhaberin besonders leicht um den Finger wickeln«, grinste ich meine Schwester an und hörte Dennis verächtliches Schnauben. Mit einem genervten Blick brachte ich ihn zum Schweigen.
»Nur eine Inhaberin? Und sie lässt sich nicht wickeln? Interessant«, sagte Paula schmunzelnd und drehte den Stiel des Weinglases zwischen ihren Fingern.
»Noch nicht«, nickte ich überzeugt und hörte die Klingel, die die Ankunft unseres Essens bedeutete.
Noch nicht. Wiederholte ich im Geiste und erhob mich von meinem Stuhl.

Nachdem wir gegessen hatten, unterhielten wir uns noch eine Weile. Glücklicherweise hielt sich Dennis nach meiner letzten Standpauke vor einigen Wochen dezent zurück. Eigentlich hätte Paula ihn auch ganz zuhause lassen können. Ob er dabei war oder nicht, fiel mir sowieso überhaupt nicht auf.
Nachdem sie gegangen waren, räumte ich das Geschirr in die Spülmaschine und beseitigte die restlichen Spuren unseres Abendessens von dem großen Echtholztisch.
Anschließend ging ich in mein Bad, putzte mir die Zähne und zog auf dem Weg in mein Schlafzimmer mein Hemd aus. Der Jeans entledigte ich mich, als ich vor dem Bett stand.
In Boxershorts stieg ich unter den kalten Bezug meiner Bettwäsche und starrte, auf dem Rücken liegend, an die Decke.
Isabell Dietrich. Vielleicht sollte ich doch etwas mehr Zeit investieren, um sie überzeugen zu können. Ich konnte mir vorstellen, dass Drohungen bei ihr nicht viel nützten, aber vielleicht Nettigkeiten? Es war ja nicht so, dass es mir bei ihrem Aussehen schwerfallen würde, ein wenig nett zu ihr zu sein.
Ich könnte sogar noch sehr viel freundlicher sein, wenn sie es nur zuließ und ich war mir sicher, wir hätten beide unsere Vorteile davon.
Fest nahm ich mir vor, mir mein morgiges Frühstück bei ihr zu genehmigen, drehte mich auf die Seite und fiel mit einem letzten Gedanken an kastanienbraune Augen in einen erholsamen Schlaf.

22 Gedanken zu „Naschkatze – Episode 10

  1. Huhu liebe Rose,
    ich bin grad dabei deine Naschkatzen Episoden zu lesen. Gut das ich bis morgen noch Urlaub habe. Die Wäsche kann dann noch etwas warten *hihi*
    Max könnt glatt meiner sein. Der würde es sogarschaffem Nudeln anbrennen zu lassen. Aber Pst.. sowas habe ich nie gesagt 😛
    LG Vanessa 🙂

  2. Huhu Rose 🙂
    Hab mir grad deine Cover angeschaut und mich verliebt 🙂 alle richtig süß gemacht! Jetzt wollen die Naschkatzenepisoden gelesen werden ;0)
    LG
    Olga

  3. Hallo liebe Rose,

    ich stöbere gerade durch die Naschkatzen-Episoden und habe viel Spaß. „Leider“ kommen gleich die Kinder nach Hause, doch ich schaue auf jeden Fall später noch einmal in Ruhe vorbei. 🙂

    LG Anja

  4. Juhu Rose,

    da hast Du ja jetzt was tolles angestellt. Ich bin bis jetzt nur auf Deiner FB Seite gewesen und dank deiner Karte hier. Und dann finde ich hier so eine tolle Story.
    Dann bleib ich jetzt einfach hier und freu mich die anderen Teile von Naschkatze zu lesen.

  5. Huhu liebe Rose 🙂

    Ich hab deine Naschkatzen entdeckt und werde jetzt einen tollen Nachmittag haben.
    Dankeschön <3
    LG Kathrin

  6. Guten morgen,
    Habe mich so langsam durch die Episoden geschlängelt. Hoffe es werden noch einige folgen. Ein hoch auf die Naschkatze
    Lg Stefanie

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