Leseprobe

Merci Paris – Kapitel 1

Hallo meine Lieben,

 

hier nun, ganz exklusiv zur Veröffentlichung meines neuen Buches am 03.09.2016 das komplette erste Kapitel!

Viel Spaß!

 

1

23. Dezember 2014

Ich rieb mir die Finger, die trotz der gefütterten Handschuhe eine gefühlte Temperatur jenseits der Null-Grad-Grenze angenommen hatten. Diesmal war der Dezember wirklich kalt. Nicht wie die Jahre zuvor, in dem es im letzten aller Monate noch nicht einmal geschneit hatte. Nein, nun lag eine dicke Schneeschicht auf dem Bürgersteig und zog sich wie eine weiße Haut über den Asphalt. Unter meinen Schuhen knirschte es, während ich mich stetig über die rutschige Eisfläche vorwärts kämpfte.
Auch wenn es draußen eiskalt war, glühte ich innerlich vor Aufregung. Lange hatte ich mir Gedanken darüber gemacht, was ich meinem Freund Dennis zu Weihnachten schenken könnte, bis mir das perfekte Geschenk eingefallen war.
Vor einigen Monaten saßen wir beim Frühstück in seiner Wohnung. Vor ihm lag eine aufgeschlagene Zeitung und er tippte mit seinem Finger auf eine Werbung darin. »Da will ich unbedingt mal hin, Afrika!«, nuschelte er mit vollem Mund und biss erneut von dem Marmeladenbrötchen in seiner Hand ab.
Afrika. Wieso nicht, dachte ich mir. Ich war bisher noch nicht sehr weit gekommen. Auch wenn meine Eltern das genaue Gegenteil von arm waren, hatten sie doch viel zu viele Verpflichtungen, als dass mein Bruder Max und ich mit ihnen jährliche Familienurlaube verbrachten.
Neben den Besuchen bei meiner Oma in Paris, die für mich das absolute Highlight darstellten, hatte ich reisetechnisch nicht wirklich etwas zu bieten.
Dennis und ich waren in unseren drei Jahren Beziehung einmal in Österreich gewesen. Natürlich redeten wir darüber, auch andere Teile der Welt zu entdecken, aber mein Freund war in seinem Job als Unternehmensberater mehr als eingespannt. Die Geschäfte gingen gut und Urlaub konnte man sich als Selbstständiger nur selten leisten.
Ich war als Fotografin in einem Fotostudio etwas flexibler und hätte einige freie Tage sehr gut gebrauchen können. Allein schon, um meinem nervigen Chef und dem Alltagstrott zu entkommen. Aber was soll’s. Dafür hatte ich die vergangenen Wochen und Monate gespart, denn meine Eltern um Geld zu bitten, kam überhaupt nicht in Frage.
Normalerweise verbrachten Dennis und ich die Weihnachtsfeiertage bei unseren eigenen Familien und somit getrennt. Dennis fuhr nach Hamburg zu seinem Vater und ich blieb hier in Frankfurt und traf mich dort mit Max bei unseren Eltern. Das war für uns beide in Ordnung, denn mein Bruder und er waren wie Feuer und Eis, und sie hätten nur wieder einen Streit provoziert, den man an Heiligabend nicht unbedingt gebrauchen konnte. Außerdem hatten wir uns in den letzten Jahren dafür an Silvester gesehen und auch dort die Geschenke übergeben.
Auch wenn seine Geschenkeauswahl nicht unbedingt meinen Geschmack traf, machte es mir nichts aus, denn ich legte nicht wirklich Wert darauf. Teure Geschenke bekamen wir von unseren Eltern zur Genüge und diese füllten nur eine materielle Lücke, da sie keinerlei persönliche Bedeutung trugen.
Ich jedoch liebte es, passende Geschenke zu machen. Und dieses Jahr war ich mir sicher, einen Volltreffer gelandet zu haben.
Aus diesem Grund hielt ich es keinen Tag mehr länger aus und musste ihn damit heute schon überraschen. Heimlich hatte ich mir vorgestern Morgen den Ersatzschlüssel seiner Wohnung, der in der Kommode im Flur lag, ausgeliehen, und wollte ihm die Flugtickets nun in meiner Mittagspause auf seinen Esstisch im Wohnzimmer legen. Er war um diese Uhrzeit meistens in seinem Büro in der Stadtmitte und so hatte ich genug Zeit, alles herzurichten. Auch wenn ich seine strahlenden Augen beim Auspacken nicht sehen konnte, war ich mir doch sicher, wir könnten morgen Abend, wenn wir ohnehin verabredet waren, bei einem Schluck Sekt darauf anstoßen.
Aufgeregt öffnete ich die Haustür und ging die zwei Stockwerke in dem Altbau nach oben. Die schiefen, dunkelbraunen Treppen knarzten, bis ich endlich vor seiner Wohnung ankam und die Wohnungstür aufschloss.
Ich betrat den Flur und drückte die Tür hinter mir zu, verharrte in der Bewegung, als ich leise Musik im Hintergrund hörte. War Dennis doch schon zuhause oder arbeitete er heute von daheim aus?
Ich lief den langen Gang Richtung Wohnzimmer entlang, und blieb überrascht in der Mitte des Flurs stehen, als ich Stimmen und etwas Anderes vernahm. Mein Herz pochte aufgeregt und mein Hals schnürte sich zu, denn was ich hörte, war unmöglich wahr! Je näher ich der Schlafzimmertür kam, desto lauter wurden die Geräusche. Eindeutig konnte ich nun etwas innerhalb der Wohnung vernehmen und mir keinen Reim darauf machen. Mit zittrigen Fingern griff ich zur Türklinke des Zimmers, aus dem die Laute hervordrangen.
Ich stockte. Wollte ich das wirklich sehen? Vielleicht war dies ein Missverständnis, denn es konnte nicht so sein, wie es sich anhörte. Es durfte nicht so sein!
Fest drückte ich die Tür auf und hielt geschockt die Luft an.
Dennis nackte Rückseite war zu mir gewandt und bewegte sich im Bett auf und ab, während unter seinen Seiten zwei lange, schlanke Frauenbeine hervorlugten, die sich um seine Hüften geschlungen hatten. Ekstatisches weibliches Stöhnen drang gedämpft unter ihm hervor, während Dennis schwitzend und keuchend immer wieder in sie stieß.
Übelkeit stieg in mir hoch. Ich musste schlucken, um mich nicht an Ort und Stelle auf das dunkle Echtholzparkett der Wohnung übergeben zu müssen.
Meine Tasche knallte lautstark auf den Boden, und ich sah diese unwirkliche Szenerie vor mir wie in Trance. Dennis drehte sich ruckartig nach hinten um, sprang von der Blondine unter ihm und fluchte laut: »Scheiße!«
Am liebsten wäre ich hinübergegangen und hätte beiden ins Gesicht geschlagen. Ihm zumindest irgendeinen Spruch an den Kopf geknallt, was für ein mieses Schwein er doch war. Hätte ihn verflucht für die letzten drei Jahre, in denen er mich des Öfteren versetzt hatte. Und das vielleicht sogar aus diesem Grund?
Aber in Wirklichkeit stand ich nur da. Mir langsam die Tränen wegblinzelnd und still. Ich konnte nichts dergleichen tun, noch nicht einmal gehen, so sehr hielt mich der Schock gefangen.
»Paula! Was machst du hier? Ich dachte …. scheiße!«
Dennis war aufgesprungen, zog sich eine Boxershorts, die neben dem Bett lag, über, und eilte zu mir. Noch bevor er mich berührte, konnte ich mich endlich aus meiner Starre befreien und zuckte zurück.
»Fass mich nicht an, du widerlicher Mistkerl!«, fauchte ich ihm entgegen und bückte mich nach meiner Tasche.
Ein letzter Blick auf ihn, wie er sich mit den Fingern beschämt durch die Haare fuhr. Seine blauen Augen, bei denen ich bisher gedacht hatte, ich kannte sie in- und auswendig, schauten mir mitleidig entgegen.
Ich wollte ihm so viele Fragen stellen.
Weshalb war er noch mit mir zusammen, wenn er schon längst eine andere vögelte?
Wie lange ging das mit den beiden?
War es ein One-Night-Stand?
Hatte er noch andere Frauen in den letzten Jahren?
Wieso?
Aber ich fragte nichts dergleichen. Ich wusste, es würde nichts an meinem Entschluss ändern.
Nämlich ihn zu verlassen.

 

Und, hat es euch gefallen?

Eure

Unterschrift3

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