Blogroman: Poison

Blogroman – Poison – Kapitel 8

 

Jaden

»Honey, es tut mir leid, aber …« Ich löste Allies Krallen von meinem Nacken, die sie zuvor in mein Fleisch gebohrt hatte und sie sah mich schmollend an. » … ich bin heute anderweitig verpflichtet.«
»An wen den? Du hast doch sonst kein Problem damit, mich dazuzunehmen«, sagte sie und ich unterdrückte mir ein Seufzen. Normalerweise hatte ich auch keine Frau wie Vivienne bei mir und sie wollte ich mir unter keinen Umständen vergraulen. Außerdem war Allie mittlerweile viel zu anhänglich und betrachtete mich fast als ihr Eigentum. Deshalb auch die forsche Begrüßung, in der sie mir ihre Lippen auf den Mund drücken wollte, und ich gerade noch so abblocken konnte. Vielleicht sollte ich bald den Club wechseln, es wurde hier generell etwas langweilig …
»Was starrst du denn so?«, keifte Allie und sah jemanden hinter meinem Rücken an. Langsam, und mit einem unguten Bauchgefühl, drehte ich mich um und stoppte in meiner Bewegung. Mist.
»Telefon also? Und wegen so einer lässt du mich alleine sitzen?«, sagte Vivienne mit hochgezogener Augenbraue und verschränkte die Arme vor der Brust. Allie schnappte neben mir laut nach Luft. »Was bildest du dir ein?«
»Mach lieber den Mund zu, Süße, ich habe garantiert nicht mir dir gesprochen«, antwortete Vivienne und ich musste mir schwer ein Grinsen unterdrücken, sah aber in ihren Augen alles andere als ein amüsiertes Funkeln. Sie war eher so richtig angepisst.
Plötzlich spürte ich, wie sich dürre Finger um meinen Arm schlangen und mich zurückzogen. »Jaden, willst du nicht irgendetwas dazu sagen?«, sagte Allie schrill und ich schüttelte den Kopf. »Nö.« Ich entzog mich ihrer Hand und ging einen Schritt auf Vivienne zu, die aber nur tiefer ihre Stirn runzelte.
»Es ist nicht so, wie es aussieht«, versuchte ich mich, zu erklären, aber sie lachte nur bitter auf.
»Komisch, dass ihr Typen alle den gleichen Spruch draufhabt. Ich hab dir schon mal gesagt, dass ich auf solche bescheuerten Spielchen keine Lust habe. Eigentlich hatte ich gedacht, du bist ein Mann, der weiß, was er will.« Sie setzte zum Gehen an, aber ich griff nach ihrem Handgelenk. Ich wollte nicht, dass sie ging! Ich hatte diesen verdammten Abend eindeutig anders geplant. Eher gesagt, hatte ich mir seit unserem ersten Aufgenkontakt nichts anderes vorgestellt, als Vivienne endlich zu spüren. Doch ungläubig sah sie auf meine Finger, und mir danach ins Gesicht.
»Lass los«, knurrte sie, aber ich dachte gar nicht daran. Trotzdem war ich fast sprachlos, über das todbringende Glitzern in ihren Augen. Sie war so heiß!
»Ich meinte das ernst. Ich wollte dich garantiert nicht wegen ihr sitzen lassen, aber nachdem ich aufgelegt hatte, hat sie mich überrumpelt.«
»Überrumpelt? So nennst du das also, wenn du mich fast auf dem Parkplatz verschlingst?«, lachte Allie und ich drehte mich zu ihr. Mit zu Schlitzen verengten Augen sah ich sie an. »Was erzählst du für einen Mist?« Mein Mund war nicht mal in die Nähe ihrer Lippen gekommen! Zumindest nicht heute …
»Jaden, lass sie gehen. Wir können genug Spaß alleine zusammen haben«, säuselte sie und kotze mich nur noch an.
»Allie, hör mir genau zu, du warst ein Zeitvertreib, mehr nicht! Du kannst dich nicht mal annähernd mit ihr vergleichen! Vivienne, es tut mir leid, ich hätte dich nicht hier her bringen sollen …«, sagte ich und wandte mich zu ihr, um sie anzusehen. Im gleichen Moment, in dem mein Kopf sich vollständig gedreht hatte, kam in rasender Geschwindigkeit eine Faust auf mein Gesicht zu. Blitzschnell wich ich aus und Viviennes Hand verfehlte knapp meine Nase. Dafür traf sie mich direkt an meinem Wangenknochen und dafür, dass sie so zierlich war, tat es echt schweineweh!
Ich ließ sie los und sie ging erhobenen Hauptes über den Parkplatz in Richtung Straße. »Vivienne!«, rief ich und rieb über die Stelle, die sie tatsächlich getroffen hatte. Sie hatte mich geschlagen! Ich wusste nicht, ob ich wütend und amüsiert darüber sein sollte …
»Jetzt warte doch mal! Ich habe wirklich nur telefoniert und sie hat mich überrascht. Ich habe keinerlei Interesse mehr an ihr … nur an dir …«, flehte ich und wunderte mich über mich selbst. Eigentlich hätte es mir egal sein sollen, wenn sie ging. Sie war nur eine Frau, eine von vielen. Ich würde innerhalb des Clubs haufenweise neue finden. Aber eigentlich wusste ich, dass diese ihr nicht das Wasser reichen konnten.
Endlich blieb sie stehen und drehte sich zu mir um.
»Hör mir gut zu, denn ich sage das nur einmal. Ich weiß, wieso ich keine Lust auf eine Beziehung habe. Es ist mir eigentlich scheiß egal, mit wem du was machst. Aber mich drinnen sitzen lassen, und so tun, als ob du ein wichtiges Gespräch führen musst, geht gar nicht! Der Barkeeper hätte sich sicherlich gefreut mich auf der Theke zu ficken. Hätte ich das mal gemacht, dann wäre ich jetzt nicht so frustriert! Und jetzt, mach einfach dein Ding weiter, es war ein netter Ausflug, aber lass mich in Ruhe.« Mit dieser Ansage drehte sie sich wieder um und ging zur Straße, während sie aus ihrer Tasche ein Handy zog und sicherlich ein Taxi anrief. Und ich stand da. Völlig baff. Ich war zur Hälfte unfassbar angepisst, was sie sich rausnahm, denn sie hatte in der Tat keinerlei Ansprüche zu stellen! Ich hätte mit Allie auf dem Schotter vögeln können und es hätte sie nichts anzugehen!
Aber andererseits konnte ich sie auch verstehen, denn sie hatte recht. Sie war es wert, dass ich meine gesamte Aufmerksamkeit ihr widmen sollte. Nichts anderem sonst.
Und genau das war mein zukünftiger Plan.

***

»Danke, Kumpel, wegen dir hab ich gestern meine Chance bei Vivienne verspielt!«, brummte ich in den Hörer, nachdem ich abgenommen hatte. Ich hörte Nicos raues Lachen in der Leitung. »Bitte gerngeschehen! Ich hatte wenigstens meinen Spaß!«
»Ich dachte, es wäre wirklich etwas Wichtiges gewesen, aber dann gehst du Pisser nicht mehr dran, als ich zurückgerufen habe! Was sollte der Mist?«
Genervt lief ich weiter über den belebten Bürgersteig, schlängelte mich an Menschen vorbei und mein Blick wanderte über die Auslagen in den Schaufenstern.
»Ich dachte, du wärst schon fertig, und könntest mich mitnehmen! Dass du Loser noch nicht mal zum Stich kamst, konnte ich ja nicht ahnen. Auch nicht, dass meine Kleine noch eine zweite Runde wollte und ich wieder auflegen musste.«
»Deine Kleine?« Ich zog die Augenbraue hoch. »So weit seid ihr schon?«
Nico lachte. »Wenn ich eine Frau viermal in einer Nacht vögeln darf, dann ist sie in der Tat ziemlich nah an dem Status perfekt.«
»Na sowas! Solche Töne aus deinem Mund? Habt ihr euch schon Strickpullover im Partnerlook gekauft und schlendert händchenhaltend über den Boulevard?«
»Mistkerl! Du bist nur neidisch, weil du nicht zum Schuss kamst!«
Ich hielt bei einem Kaffeewagen und bestellte mir mit Handzeichen einen schwarzen Kaffee. Mit dem Handy zwischen Ohr und Schulter geklemmt, bezahlte ich den Verkäufer und ging danach weiter. Kaffee, das schwarze Glück. Ich konnte nicht ohne, vor allem nicht, wenn er so dunkel wie meine Seele war. Wenn ich überhaupt noch eine besaß …
»Aber wenn ihr so dicke seid, kannst du mir doch bestimmt die Nummer von Vivienne besorgen? Sie hat mich gestern unbekannt angerufen.«
»Klar, wenn du gestern nicht bei ihr landen kannst, dann findet sie es garantiert klasse, wenn du sie weiter nervst.«
»Tu es einfach!«, brummte ich.
Ein Auto hupte im Hintergrund und ich hob den Kopf. Der Blick auf die Straße zeigte mir, dass mein Informant auf der gegenüberliegenden Seite stand. Die Scheiben des Chevrolet waren verdunkelt, aber ich wusste auch so, wer dahinter saß.
»Nico, ich muss Schluss machen. Schick mir die Nummer!«
»Ja ja!«, stöhnte er und ich legte auf. Mit einem Blick links und rechts auf die Straße überquerte ich diese und klopfte gegen die Scheibe. Mit einem Summen fuhr diese bis zur Hälfte herunter, ich nahm den braunen Umschlag entgegen und nickte Mason zu. Ohne ein weiteres Wort ging ich zurück auf den Bürgersteig und schon brummte mein Telefon. Vivienne Nummer prangte auf dem Display und ich grinste in mich hinein.
Sollte ich mir zuerst meinen nächsten Job im Umschlag ansehen?
Oder Vivienne anrufen und sie auf ein Date bitten?

 

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