Blogroman: Poison

Blogroman – Poison – Kapitel 4

 

Jaden

Ich räusperte mich.
»Okay, ich nehme an.« Ich war eben doch ein geldgeiler Mistkerl. Selbst bei einer Frau machte dieses Gefühl keinen Halt.
Mattia nickte zufrieden, als hätte er schon vorher gewusst, dass ich zustimmen würde. »Gut. Ich lasse Ihnen die Unterlagen und das Geld für den letzten Auftrag auf dem üblichen Weg zukommen. Genießen Sie den Abend. Lassen Sie es sich gut gehen, sprechen eine Frau an, was weiß ich. Hauptsache Sie sind ab morgen absolut auf Ihren Auftrag fokussiert.«
Nickend stand ich auf. »Natürlich, Mister Venti.« Ich verließ sein Büro und bevor ich die Eingangstür über den Flur erreichen konnte, spürte ich das Vibrieren in meiner dunkelgrauen Anzugshose. Rico. Einer meiner besten Freunde, also blieb mir nichts anderes übrig, als dranzugehen.
»Hey, Kumpel! Was gibt’s?«, fragte ich und konnte mir ein Grinsen nicht unterdrücken.
»Hi, Jaden! Fertig mit Schuften für heute?« Ich musste noch breiter Grinsen. Wenn Rico wüsste, wie sehr ich mir meinen Feierabend verdient hatte … Offiziell arbeitete ich als Broker an der Börse. Das konnte immerhin meinen dicken Gehaltscheck, mein teures Auto und meine Penthousewohnung erklären. Und sauber war diese Berufsgruppe schließlich auch nicht. Die meisten zumindest.
»Ja, gleich und auf dem Weg nach Hause«, antwortete ich.
»Ach, was willst du denn da? Komm lieber ins Hyde! Ian und ich sind gerade angekommen, und es sieht hier wirklich vielversprechend aus. Und ich meine nicht nur die Einrichtung. Außerdem kannst du zu einem Feierabendbierchen doch nicht nein sagen, oder?«
»Du kennst mich zu gut«, lachte ich und hörte Ricos zufriedenes Schnauben. »Ich schick dir die Adresse aufs Handy. Dann bis gleich!«
»Bis gleich!«
Ich steckte mein Telefon zurück in meine Hosentasche und ging hinüber in das angrenzende Wohnzimmer. Nico saß dort auf einer dunkelgrünen Samtcouch und sah sich irgendein Footballspiel im zwei Meter großen Plasmafernseher an.
»Hey, Nico. Bock auf ein Bier?«, fragte ich und er drehte langsam den Kopf.
»Klar. Yuma müsste sowieso jede Minute hier ankommen und mich ablösen. Ich komm dann nach!« Nico war heute für Mattias Schutz und zur Bewachung des Hauses eingeteilt. Er, Yuma und noch einige andere teilten sich diese Aufgabe, wenn sie nicht gerade einen Job für Mattia erledigten. Sie gehörten zur festen Truppe, wohingegen ich erst vor einem Jahr dazugestoßen und eher auf freiberuflicher Basis angestellt war. Denn ich nahm weiterhin auch noch andere Jobs an und das war okay, solange ich Mattias Aufträge vorzog.
»Ich fahr schon mal los. Wir sind heute im Hyde
Nico nickte grinsend. »Die Bar kenne ich! Harte Drinks und geile Weiber.«
Ich schüttelte lachend den Kopf und verdrehte die Augen. »Bis gleich.«
In meinem Auto angekommen fuhr ich anhand meines Navis zu der angegebenen Adresse und parkte vor der Bar. Diese war ringsrum von hohen Glasfronten umgeben und von hier aus sah man bereits einige rustikale Holztische mit breiten Kerzen hinter den Fenstern. Ich betrat den Raum und sah mich darin um. An der gegenüberliegenden Seite befand sich die Theke, hinter der zwei Barkeeper Drinks mixten. Die Tische waren gut besetzt und die gesamte Bar strahlte mit ihrem Holzboden, den braunen Lederstühlen und einigen modernen Elementen wirklich Gemütlichkeit aus. Wie ein alter Herrenclub, nur dass in diesem glücklicherweise auch Frauen erlaubt waren. Und diese waren tatsächlich nicht zu verachten. Ich mochte es auf Anhieb.
Mein Blick schweifte weiter durch den Raum, bis ich meine Kumpels entdeckte und hinüber ging.
»Hi, Jaden!«, begrüßte mich Rico und auch Ian nickte mir freundlich zu. Ich gab beiden die Hand und setzte mich in einen der gemütlichen Ledersessel.
»Hey. Ihr habt nicht zuviel versprochen. Nette Location«, sagte ich anerkennend und Rico grinste breit.
»Wie war die Arbeit?«, fragte Ian mich und ich winkte der Bedienung.
»Wie immer. Apropos, Nico kommt gleich auch noch.« Zum Glück kannte Nico meine beiden Kumpels und würde sich garantiert nicht verplappern, was meinen Job anging. Außerdem dachten sie, er arbeitete ebenfalls als Broker. Es war besser für sie, dass sie es nicht wussten, auch wenn ich beide schon seit der Schulzeit kannte und sonst keine Geheimnisse vor ihnen hatte.
Die Bedienung trat an unseren Tisch, eine blonde, junge Frau, die, wie die anderen, eine weiße Bluse und eine schwarze Fliege trug. Ich bestellte ein Bier und lehnte mich wieder entspannt zurück. Nun konnte der gemütliche Teil des Abends beginnen.
Meine beiden Freunde begannen Erlebnisse von ihrer Woche zu erzählen und ich sah in Richtung Eingang, damit ich Nico nicht verpassen würde, wenn er hier einträfe. Plötzlich erregte etwas hinter der Glastür meine Aufmerksamkeit. Als sie aufgedrückt wurde, bekam ich einen freien Blick auf eine unheimlich heiße Frau. Ihre Haare waren schwarz, glatt und glänzten im Licht hier drinnen seidig. Ihr sinnlicher Mund wurde von einem knallroten Lippenstift betont, dessen Farbton ich mir schlagartig als Mal auf meinem Schwanz vorstellte. Ihre heißen Kurven steckten in einem verdammt engen, schwarzen Kleid, was mich unruhig auf meinem Stuhl rumrutschen ließ.
Aber es gab etwas anderes, das wirklich meine Aufmerksamkeit auf sich zog und dessen ich mich kaum entziehen konnte. Ihre Augen strahlten unglaublich türkis, selbst aus dieser Entfernung. Solch eine leuchtende Augenfarbe hatte ich noch nie irgendwo gesehen und sie zogen mich umgehend in ihren Bann. Ihr Blick glitt suchend durch den Raum und ich drückte mein Kreuz ein Stück durch, nur damit ich sie auf mich aufmerksam machen konnte. Als ihre Augen meine kreuzten, zuckten meine Finger, denn am liebsten hätte ich diese um ihre schmale Taille gelegt.
Wie nach einem Sturz aus dem zehnten Stock prallte mein Unterbewusstsein auf dem Boden auf, als plötzlich der riesige Körper von Nico hinter ihr auftauchte.
Kannten sie sich? Sie drehte sich ein Stück zur Seite und lächelte ihn freundlich an, während er eine grobe Pranke auf ihren unteren Rücken legte. Langsam zog er sie an sich und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. Wieso machte mich allein diese Geste mehr als unruhig? Sie nickte Nico zu, löste sich geschickt aus seinem Griff und durchquerte den Raum, bis sie an einem Tisch ankam, an dem eine einzelne Brünette saß.
»Hi!«, holte mich Nico zurück in die Realität und setzte sich neben mich, als er auch die anderen begrüßt hatte.
»Kennst du sie?«, fragte ich ihn und alle sahen mich fragend an. Nicht sehr typisch für mich, dass mich eine einzelne Frau so dermaßen aus dem Konzept brachte, dass ich meine guten Manieren vergaß.
»Wen?«, fragte Nico und sah sich um. »Das heiße Teil, das mit mir reinkam?«, grinste er breit. »Noch nicht, aber das wird sich im Laufe des Abends garantiert ändern.«
Irgendetwas an seiner Aussage störte mich, aber ich hatte keinen Grund Besitzansprüche an etwas zu stellen, das ich noch nicht mal kannte. Wahrscheinlich hatte jeder Typ im Raum eine enge Hose bei ihrem Anblick bekommen. Trotzdem hatte sie ein ganz bestimmtes Gefühl in mir ausgelöst. Ich wollte sie heute Nacht besitzen! Um jeden Preis!
»Jaden?« Mein Blick wanderte zu Rico, der mich fragend ansah. »Du bist ja total durch den Wind.«
»Ich?«
Nico klatschte mir mit seiner Hand auf den Rücken. »Wer sie zuerst knackt, darf sie heute Nacht behalten. Wette angenommen?« Meine Augen wurden zu Schlitzen. Nico und seine dämlichen Wetten … Er musste einfach um alles wetten, was fand er nur daran? Vielleicht tat ich es nur nicht, weil ich es nicht leiden konnte, zu verlieren. Aber eigentlich verlor ich sowieso niemals.
»Du hast keine Chance!«, sagte ich und lächelte ihm überlegen zu.
»Geht es immer noch um die Tussi von eben?«, fragte Ian und Nico nickte stumm. Seine Augen funkelten und ich sah ihm an, dass sein Jagdfieber gepackt war.
»Also, ziehst du deinen kleinen Schwanz ein oder was?«, fragte Nico und hielt mir seine Hand zum Einschlagen hin.
Mein Blick huschte kurz zu dem Tisch, an dem sie saß und sich angeregt mit ihrer Freundin unterhielt. Sie bekam überhaupt nicht mit, dass sie Gegenstand unserer Unterhaltung war. Und meiner feuchten Träume, wenn sie noch einmal wie eben ihren bloßen Nacken von ihren dicken Strähnen freigelegte …
»Was muss der Verlierer machen?«, fragte ich und sah Nico erneut an.
Er überlegte kurz und grinste breit. »Der Verlierer muss den anderen einen Monat lang bedienen. Du weißt schon, Füße massieren, Trinken bringen, Essen ausgeben, das volle Programm!«
Verdammt! Was sollte ich tun? Ich würde sie doch auch so rumkriegen, oder? Aber Nico würde ganz sicher nicht lockerlassen und mir dazwischenfunken. Und selbst wenn ich die Wette verlieren sollte, würde Nico das ausnutzen, bis zum letzten Tag. Und das würde garantiert nicht angenehm werden …
Was sollte ich tun?
Wette annehmen oder ablehnen?

 

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