Blogroman: Poison

Blogroman – Poison – Kapitel 14

Jaden

Vivienne hob das Handy an ihr Ohr und ich zögerte. Ich hatte in ihren Augen gesehen, dass sie irgendetwas vor mir geheim hielt. Doch egal was es war, wir hatten dafür wirklich keine Zeit. Später würde ich es auch hier herauskriegen. Egal auf welche Weise.
Ich legte meine Hand an ihr Telefon und nahm es ihr vom Ohr. »Wir müssen ihn ablenken, damit einer von uns ihn beseitigen kann. Keine Zeit, jemanden anzurufen.« Schade um Nico. Ich hatte viel mit ihm erlebt, vielleicht waren wir sogar so etwas wie Freunde geworden. Aber es war mir klar, dass es in meinem Job so was überhaupt nicht gab. Geld war unser bester Freund. Menschen waren vergänglich.
»Wenn du zurück ins Treppenhaus gehst und aus der Vordertür hinaustrittst, können wir ihn einkesseln. Ich pass auf, dass er hier abgelenkt ist. Er ist alleine, wir zu zweit. Aber wenn wir uns nicht beeilen, bekommt er garantiert Verstärkung.« Wobei Nico sich die Kohle ganz bestimmt alleine unter den Nagel reißen wollte, aber das sprach ich nicht mehr aus. Vivienne nickte. »Okay.«
»Hey Nico! Was hältst du davon, wenn wir beide herauskommen und das unter uns klären? Du stehst doch auf den Scheiß mit den Fäusten. Alte Schule und so.«
Nico begann zu lachen. »Als ob du jemals eine Chance gegen mich hättest!«
»Weißt du noch der Auftrag mit diesem alten, schottischen Sack. Wie hieß er noch gleich?«
Ich nickte Vivienne zu, leise schlich sie zur Tür und verschwand dahinter. Sehr gut!
»McFinnigan! Der alte Lüstling! Ja, das war wirklich gut. Wie entspannend ein guter Faustkampf sein kann!«
»Aber seine Bodyguards waren auch Waschlappen, oder?«
Es herrschte kurze Stille und ich hielt den Atem an.
»Ich weiß, was du vorhast, Hit. Auch wenn es schön ist, mit dir in nostalgischen Erinnerungen zu schwelgen …« Vorsichtig spähte ich über meine linke Schulter hinter der Säule hervor, aber ich konnte ihn nicht erkennen. »… aber du weißt, ich bin kein sentimentaler Typ!«, hörte ich seine Stimme direkt hinter mir und legte grinsend den Kopf in den Nacken. Langsam drehte ich mich um und sah genau in den Lauf von Nicos Waffe.
»Der von uns, der hier zuerst abdrückte, hatte einen klaren Vorteil. Ich zielte ebenfalls auf ihn. »Ich weiß, eine Mille ist viel wert …« Bevor ich zu Ende gesprochen hatte, drückte ich auf den Abzug. Im fast gleichen Moment tat er es mir gleich. In meinen Ohren klingelte der ohrenbetäubende Knall unserer beider Knarren. Die Kugeln sausten durch die Luft und wie in Zeitlupe spürte ich den brennenden Schmerz, der meinen Körper fast zerriss. Fuck. Ich wurde bisher zweimal angeschossen und jedes Mal hatte es sich schlimmer angefühlt. Zischend presste ich die Zähne aufeinander und sah, wie Nico zu Boden ging. Mir wurde schwummerig und bevor ich neben meinem ehemaligen Freund aufkam, sah ich noch Viviennes Gesicht hinter ihm auftauchen. Eine verdammte Minute schneller, und sie hätte es vielleicht verhindern können. Aber es war nicht ihre Schuld gewesen. Ich hätte uns niemals hier her bringen dürfen.
»Jaden!« Sie rannte zu mir und legte meinen Kopf auf ihre Beine. So konnte man seine ewige Ruhe finden. Liegend im Schoß einer Frau.
Mühsam hob ich meinen Kopf noch einmal an und sah zu Nico, der schwer schnaufend auf dem Rücken lag und seinen Mittelfinger in die Luft hob.
»Fick dich, Hit! Ich dachte nicht, dass du es wirklich machst! Respekt!«
»Dito!«, keuchte ich und drückte weiterhin auf die blutende Wunde in meiner Schulter. Sie tat weh, ohne Frage, aber war garantiert nicht lebensbedrohlich. Genauso wenig wie Nicos Schuss durch seinen Oberarm.
»Was?«, fragte Vivienne und sah mich ungläubig an. »Wieso seid ihr Männer nur solche Vollidioten? Hättet ihr das nicht bei einem Bier besiegeln können? Nein, die beiden Schwachmaten müssen sich anschießen!«, schrie sie nun und ich lachte, hielt aber direkt inne, als der Schmerz wieder meine Schulter durchzog.
»Wir müssen hier weg!«, sagte ich und sie nickte seufzend.
»Kannst du aufstehen?«
»Klar, ich wollte nicht im Handstand zu meinem Wagen laufen!« Vivienne stand wutentbrannt so schnell auf, dass mein Kopf auf dem Asphalt aufkam. Autsch.
»Dann komm endlich«, sagte sie und bewegte ihren Prachthintern bereits über die Straße und zum Auto, den ich mir liegend nochmal ganz genau ansah.
Nico und ich standen gleichzeitig auf und sahen uns grinsend an.
»Du Weichei«, sagte ich und er schüttelte den Kopf. »Kommst du mit uns? Mattia wird dich sowieso erledigen, wenn er erfährt, dass einer seiner angeblich besten Männer ein Waschlappen ist.«
Nico grinste bösartig und schubste mich mit einer seinen Pranken leicht gegen die verletzte Schulter. Es reichte, dass der Schmerz fast meine gesamte linke Seite lähmte. Natürlich ließ ich mir nichts anmerken.
»Wieso nicht. Ich wollte sowieso langsam mal meinen Arbeitgeber wechseln.« Er zuckte mit den Schultern und wir gingen gemeinsam zu Vivienne, die vor meinem Jaguar stand. Ich warf ihr den Schlüssel zu und sie fing ihn perfekt auf.
»Ausnahmsweise lass ich mal eine Frau ans Steuer. Du kannst froh sein, dass ich heute einen guten Tag habe.«
»Ich kann dich auch hier verbluten lassen. Alleine bin ich sowieso schneller als mit zwei verletzten Hornochsen«, konterte sie. Ich sah auf meine Schulter. So langsam bekam ich doch ein unwohles Bauchgefühl, weil die Menge des Blutes, dass mein Hemd durchtränkte, durchaus besorgniserregend hätte sein können.
»Du musst ins Krankenhaus«, stellte Vivienne nüchtern fest und ich schüttelte den Kopf. Viel zu viele Fragen dort.
»Unter keinen Umständen.«
»Und Nico sieht auch etwas blass um sein Näschen aus«, sagte sie und nickte in seine Richtung. Er machte eine wegwerfende Handbewegung.
»Außerdem blutet ihr die ganzen Sitze voll!« Shit, daran hatte ich noch gar nicht gedacht …
»Das oder wir fahren zu jemandem, der euch ganz sicher helfen kann.« Sie verschränkte die Arme vor ihrer Brust und ich sah ihr an, dass es in dieser Aussage keine Diskussion gab.
Okay, da mir langsam schwummerig wurde, mussten wir vielleicht wirklich etwas unternehmen.
Krankenhaus oder Viviennes Bekannter?
Wo sollten wir hin?

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