Blogroman: Poison

Blogroman – Poison – Kapitel 10

 

Jaden

Der Aufzug fuhr auf direktem Weg von der Tiefgarage in meine Penthousewohnung im zehnten Stock. In der linken Hand hielt ich immer noch den braunen Papierumschlag umgriffen. Nachdem ich gefühlt Hundert Mal bei Vivienne angerufen hatte, hatte mich ihre sture Art so sehr genervt, dass ich nicht in Stimmung war, den Umschlag zu öffnen. Außerdem wäre es auch nicht ratsam gewesen, die Unterlagen auf offener Straße zu studieren. Ich wollte mir diesen Part für meine eigenen vier Wände aufheben, und mich direkt daran machen den Plan für mein nächstes Opfer zu schmieden. Denn nichts anderes brachte mich wieder so herunter, wie ein schöner, glatter Auftrag. Und mit nichts anderem rechnete ich, wenn ich diesen annahm.
Ich trat aus dem Lift und ging zu meiner Eingangstür. Nachdem ich diese aufgeschlossen hatte und endlich meine Wohnung betrat, atmete ich fühlbar aus.
Es war nett, sich mit meinen Kumpels wie gestern Abend auf ein Bier zu treffen, aber eigentlich fühlte ich mich auch bei ihnen nie wie der, der ich wirklich war. Ich musste mich schon viel zu lange verstellen und jeden in meinem Umfeld anlügen. Wahrscheinlich würde jeder andere sich darüber totlachen, wenn ein Mörder ihm erzählen würde, dass sein schlechtes Gewissen sich hauptsächlich darin begründete, dass er seine Freunde anlog. Aber so war es nun mal.
Ich erreichte meine offene Wohnküche und schmetterte den Haustürschlüssel und den Umschlag auf die Arbeitsfläche. Auf einem der Barhocker davor nahm ich Platz und zog zuerst mein Handy aus meiner Jackentasche.
Und stockte in meiner Bewegung. Ein breites Grinsen trat auf mein Gesicht und ich konnte nicht fassen, was ich da vor mir sah.

Okay, zweiter Versuch, aber das sollte dein letzter sein!
Heute Abend, acht Uhr im Cucina
Vivienne

Ihre herrische Art würde ich ihr noch austreiben, aber hauptsächlich war ich froh, dass sie sich tatsächlich gemeldet hatte.
Nachdem ich ihr geantwortet hatte, dass Zeitpunkt und Ort klar gingen, legte ich mein Handy zur Seite und zog den Umschlag heran.
Vielleicht könnte ich den Job vor unserem Essen noch schnell erledigen, damit nicht eine offene Aufgabe in meinem Kopf herumschwirrte und ich mich voll und ganz auf Vivienne konzentrieren konnte.
Ich öffnete ihn und zog zuerst die Beschreibung hinaus.

Zielperson: Black Mamba
Alter: 27
Geschlecht: weiblich
Motiv: Verdacht des geplanten Mordes an Mattia Venti
Aussehen: Bilder beiliegend

Jetzt war ich wirklich gespannt, wie diese Frau aussehen sollte, wenn mein Boss sie sogar aus dem Weg schaffen wollte.
Ich legte die Beschreibung zur Seite und zog die Bilder aus dem Umschlag.
»Oh Shit …«, murmelte ich zu mir selbst und strich mir durch meine Haare. Fuck!
Ein Bild war verschwommen und zeigte die Zielperson nur von hinten. Lange schwarze Haare, schmale Statur und sie betrat gerade einen Coffeeshop.
Auf dem zweiten Bild sah man sie jedoch recht deutlich. Sie stand vor der Verkaufstheke und bestellte sich einen Kaffee, während sie dem Verkäufer nett zulächelte.
Ihre türkisfarbenen Augen stachen selbst darüber heraus, wie sonst nichts in der Umgebung.
Vivienne.
Einige stumme Sekunden betrachtete ich ihr Foto. Wieso musste es ausgerechnet sie sein? Gab es in der verdammten Stadt nicht tausende von Menschen?
Ich schmiss das Bild auf die Arbeitsfläche, stand auf und ging zu der Whiskyflasche, die etwas entfernt auf meiner Minibar stand. Nachdem sich die bernsteinfarbene Flüssigkeit im Glas befand, wartete ich nicht lange und kippte diese mit einem Male hinunter.
Gewissen … warum hatte ich auf einmal so etwas wie ein Gewissen? Sie war eine Mörderin! Und sie hatte geplant, meinen Chef umzulegen! Wieso, war erstmal zweitrangig. Bisher interessierte es mich nicht, also sollte es das auch nicht in dieser Situation.
Sie war nur eine Frau und es könnte gar nicht besser laufen, als dass ich sie heute Abend sehen würde.
Ich trank noch einen zweiten Whisky auf ex und brachte das Glas in meine Spüle. Der Blick auf meine Armbanduhr sagte mir, dass ich noch einige Stunden hätte, aber vielleicht sollte ich mit der Planung bereits jetzt anfangen.
Wenn sie wirklich so gefährlich war, wie es den Anschein hatte, sollte ich auf keinen Fall unvorbereitet zu ihr gehen.
Vielleicht wusste sie sogar, wer ich war und hatte sich nur aus diesem Grund mit mir getroffen?
Schlechte Option, denn ich war meinen Opfern gerne immer einen Schritt voraus.

***

Um genau zehn vor acht stieg ich aus meinem dunkelgrünen Jaguar und gab dem Page vom Parkservice den Schlüssel. Ich richtete das Sakko meines Anzuges und sah zur Sicherheit nochmal auf meine Rolex. Showtime.
Ich hatte alles vorbereitet. Es würde ablaufen wie immer.
Weshalb war ich dann so nervös?
Nach einem letzten Räuspern setzte ich mich in Bewegung und sah sie durch die hohen Glasfronten des italienischen Restaurants bereits sitzen. Etwas leichtsinnig solch einen Platz direkt vor den Fenstern zu wählen, aber anscheinend hatte sie tatsächlich nicht viel zu befürchten. Oder war es ein Versehen? War sie es überhaupt nicht und sie hatte so etwas wie eine böse Zwillingsschwester?
Ich schüttelte den Kopf über meine dämlichen Gedanken. Das hier war doch kein schlechter Film. Sie war es, ich musste da durch, es würde schnell gehen, fertig.
Aber verdammt, sie sah schon wieder unfassbar heiß aus. Ihre Haare waren diesmal zu einem hohen Pferdeschwanz zusammengefasst, der ihren schlanken Hals und den Ansatz ihrer Brüste perfekt freilegte. Das schwarze Kleid bedeckte ihre Schultern nur zur Hälfte und was ich von hier sah, ließ meine Hose schon wieder enger werden.
Es wäre so viel einfacher, wenn sie nicht so aussehen würde …
Ich betrat das Restaurant und teilte dem Oberkellner mit, dass meine Begleitung bereits auf mich wartete. Mein Herz pochte ungewohnt vor Aufregung, in dem Moment als sie mich sah. Lässig lief ich auf sie zu und konnte nicht verhindern, dass sich mein Mund zu einem Lächeln verzog.
»Hallo, Vivienne«, sagte ich, beugte mich zu ihr und drückte ihr einen Kuss auf ihre Wange.
»Jaden«, erwiderte sie, als ich gegenüber von ihr Platz nahm. Der Ausdruck in ihrem Gesicht war netter, als ich angenommen hatte. Ich dachte, das erste was ich bekommen würde, wäre eine Standpauke. Aber anscheinend schien sie das hier ebenso zu amüsieren.
»Danke, dass du zugesagt hast«, sagte ich und sie nickte. Sie sah so zart und fast schon zerbrechlich aus. Sie sollte eine eiskalte Killerin sein?
Vielleicht spielte mir diesmal Mattia etwas vor und sie bewahrte ein anderes Geheimnis … Aber egal was es war, es ging mich nichts an.
Ich senkte die Lider und sah auf die Karte.
»Ich habe schon eine Flasche Wein für uns bestellt«, sagte sie und ich erwiderte doch wieder ihren Blick.
»Eigentlich war das meine Aufgabe«, sagte ich amüsiert.
»Wieso? Weil du der Mann bist? Ich denke, wir haben ein Zeitalter erreicht, in dem auch wir Frauen Wein bestellen können.« Sie verzog ihre vollen, rotgeschminkten Lippen zu einem Lächeln.
Ich konnte nicht anders. Ich legte die Speisekarte zur Seite und griff nach ihrer Hand. Kurz zuckte sie, dann ließ sie die Berührung zu.
»Okay, ich lasse dir den Gedanken, dass du alles unter Kontrolle hast, weil du den Wein bestellst. Aber glaube mir, spätestens in einer Stunde wirst du freiwillig die Kontrolle an mich abgeben.«
Ich wusste selbst nicht, weshalb ich das zu ihr gesagt hatte, den eigentlich sollte mein Plan ein anderer sein. Vor allem konnte ich sie nicht zuerst ficken und danach umbringen. So abgebrüht war selbst ich nicht. Aber das Verlangen nach ihr wuchs stetig an und fand keine Grenze.
Sie schluckte, entzog mir dann ihre Hand und griff zu ihrer Tasche.
»Du entschuldigst mich kurz«, sagte sie, erhob sich und lief an mir vorbei Richtung Waschräume. Ihr Duft traf mich fast unvorbereitet und ich schloss kurz die Augen. Ich war ein verdammter Vollidiot.
Ich hätte nicht herkommen sollen, sondern es einfach von draußen durch die Scheibe erledigen. Ein sauberer Schuss, kurze Panik und ich wäre wieder weggewesen.
Was sollte ich tun? Ich könnte ihr hinterhergehen und es direkt erledigen, denn ich hatte andere Menschen schon an weitaus öffentlicheren Orten umgelegt.
Oder sollte ich mich ein einziges Mal doch von ihr verführen lassen?

 

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4 Gedanken zu „Blogroman – Poison – Kapitel 10

  1. OMG
    Er wird sie doch wohl nicht erledigen?
    Erst die Verführung! Oder plant Vivienne auch was ?
    Es bleibt spannend !
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende. ❤

  2. Oh Gott nein Jayden soll Vivienne natürlich nicht umbringen!!!
    Es muss nun heiß hergehen zwischen den beiden!! Also unbedingt Verführung ❤

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