Blogroman: Poison

Blogroman – Poison – Kapitel 1

 

Vivienne

So lasziv wie ich konnte, überschlug ich meine Beine. Natürlich bedacht darauf, dass mein Höschen nicht hervorblitzte, denn dieses Kleid war verdammt kurz. Mist, wieso hatte ich mich nicht für den knielangen Rock entschieden.
Doch so wie der Typ, auf den ich schon seit zwei Stunden ein Auge geworfen hatte, gerade meine nackten Beine ansah, war es wohl doch die richtige Wahl gewesen. Ich nahm den Stil des Martiniglases in die Hand und setzte meine Lippen an den Glasrand. Immer kleine Schlucke nehmen, denn einen vernebelten Kopf, konnte ich heute Abend nicht gebrauchen.
»Ist hier noch frei?«, hörte ich eine tiefe Stimme hinter mir und seufzte fast erleichtert aus. Endlich! Meine Güte! Eigentlich wollte ich mich heute noch mit meiner Freundin Natascha treffen. Dass dieser Kerl so lange auf sich warten ließ, brachte mich fast an den Rand meiner Geduld. Nun gut. Showtime.
Langsam drehte ich meinen Kopf in seine Richtung, stellte mein Glas ab und leckte mir über die rotgeschminkten Lippen.
»Natürlich«, säuselte ich und er schenkte mir ein gekonntes Lächeln. Während er sich setzte, sah ich ihn mir verstohlen von der Seite an, um wirklich sicherzugehen, dass er der war, den ich suchte. Sein dunkles Haar wurde von grauen Strähnen durchzogen, gerade Nase, kantiges, glattrasiertes Kinn und er roch extrem gut. Ich sah auf die Uhr über der Bar. Vielleicht hatte ich noch ein bisschen Zeit, bis ich meinen Job zu Ende bringen musste …
»Haben Sie hier im Hotel ebenfalls ein Zimmer?«, fragte er und ich musste fast breit grinsen. Wieso fragte er nicht gleich, ob wir vögeln wollten? Das lag ihm doch schließlich auf seiner Zunge. Verklemmte Männer!
»Nein. Aber ich nehme an, Sie haben eines und bitten mich zu sich hinauf, damit wir es endlich miteinander treiben können.«
Er verschluckte sich und hustete einige Male. Blinzelnd sah er mich an, zog ein Geldbündel aus seiner Hosentasche und schmiss dem Barkeeper einen Fünfziger hin. Spendabel. Aber ich wusste schließlich, wie er sein Geld verdiente, und das war nicht gerade legal. Mal davon abgesehen, dass dieser Schein ganz sicher eine Blüte war.
»Die Rechnung der Lady geht auf mich!«, rief er dem Mann hinter der Bar zu und erhob sich. Ich tat es ihm gleich und ohne ein weiteres Wort gingen wir zu den Aufzügen. Meine Pumps klackerten auf dem Marmorboden und ich hielt meine Tasche fest im Griff. Anspannung zog sich durch meinen Körper und vermischte sich mit Aufregung, die mein Herz zum Rasen brachte. So ging es mir jedes Mal kurz davor. Und ich liebte es.
Als die Lifttüren hinter uns zuglitten, stürzte ich mich auf ihn. Ich schubste ihn an seiner Brust gegen die Wand. Unsere Münder krachten aufeinander. Zähne. Zungen. Stöhnen. Seufzen. Verdammt, er war gut.
Seine Hand wanderte runter zu meinem Po, zog den Saum meines Kleides ein Stück nach oben und strich über den Ansatz meiner nackten Oberschenkel.
Die Tür ging auf, küssend liefen wir den Flur hinunter. Als er in seiner Hose nach der Türkarte kramte, trat ich unruhig von einem Bein auf das andere. Ich hatte eine halbe Stunde. Nicht mehr.
Er zog mich in sein Zimmer, drückte mich gegen die Tür und rieb sein Becken an meinem Unterleib. Ich dachte an rosa Elefanten, meine Oma, Schweinchen, meinen letzten Pediküretermin … Ich brauchte einen kühlen Kopf! Mist!
»Ich muss nochmal kurz ins Bad, schenk uns doch schon mal zwei Gläser Wein ein.« Atemlos löste er sich von meinem Hals, als hätte ich ihn wieder ins Hier und Jetzt befördert.
»Okay«, stammelte er, während ich im Badezimmer die Tür hinter mir zuzog.
Ich stellte meine Tasche auf den Waschtisch und kramte in dem Geheimfach nach dem kleinen, schwarzen Fläschen. Behutsam drehte ich es zwischen meinen Fingern. Ein Tropfen würde genügen. Ich mochte Gift. Es war so unscheinbar, hinterließ, wenn man das richtige nutzte, keine Spuren und war definitiv tödlich. Immer.
Natürlich konnte ich auf mindestens dreiundfünzig Arten einen Menschen umbringen, aber Blut bekam ich niemals mehr aus meiner Kleidung raus. Ich konnte es nicht leiden, wenn ich gezwungen wurde, ein Gemetzel zu veranstalten. Außerdem war Gift so viel würdevoller, als eine Messerstecherei. Man starb, einfach so.
Ich steckte das Fläschen zurück in meine Tasche und atmete dreimal tief durch. Egal, weshalb dieser Typ den Tod verdient hatte, und das hatte er ohne Zweifel, ich war das letzte Gesicht, welches er in seinem Leben sehen würde. Das brachte mir eine gewisse Genugtuung. Ich hatte wirklich eine Schraube locker … Gleichgültig zuckte ich mit den Schultern und fuhr mir durch die glatten, schwarzen Haare.
Als ich wieder hinausging, stand er mit zwei Gläsern in dem Wohnzimmer der Suite. Ich lächelte ihm zu, nahm ihm ein Weinglas ab und trank einen Schluck.
»Geh schon mal vor ins Schlafzimmer, überrasch mich«, wisperte ich und seine Augen wurden dunkel. Ohne ein weiteres Wort ging er in den angrenzenden Raum und ich sah auf sein Glas, welches er auf den kleinen Couchtisch abgestellt hatte.
Ich musste es jetzt schnell hinter mich bringen. Als ich meine Tasche auf den Tisch neben die Gläser stellte, hörte ich in dieser das Vibrieren meines Handys.
Eigentlich hatte ich keine Zeit, wenn ich nicht riskieren wollte, dass der Typ mich erwischte, aber vielleicht wäre der Anruf wichtig …

Job durchführen oder an das Handy gehen?

 

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