Blogroman - Beautiful Sin

Blogroman – Beautiful Sin – Kapitel 19

Okay, ihr wolltet es ja nicht anders, wenn ihr immer noch dabei seid! Weiter geht’s …

Kapitel 19

Adrijana

Während meines Tanzes hatte ich mir tatsächlich vorgestellt, nur für Brant zu tanzen. Er musste irgendwo im Raum gewesen sein, denn meine Haut hatte geprickelt, als würde er sie berühren. Außerdem hatte er mir versprochen, auf mich aufzupassen und mich nicht alleine zu lassen und ich hatte ihm geglaubt. Ich hatte mich sogar einigermaßen sicher bei meiner Show gefühlt. Wieso überkam mich dieses Gefühl immer wieder, obwohl ich genau das Gegenteil spüren sollte? Er sollte mir weiterhin Angst machen. Seine Geheimnisse, seine undurchsichtigen Pläne und vor allem das Unwissen, wie tief er wirklich in der ganzen Sache mit meinen Eltern drinsteckte. Und trotz aller Vernunft wollte ich bei ihm sein. Vor allem jetzt, in dem Moment, in dem Callum mich in einem Flur gegen eine Wand presste und ich so tun musste, als würde mir das gefallen. Seine schwitzigen Finger waren fast überall und ich schluckte meine Galle hinunter, um ihm nicht mitten in sein Gesicht zu spucken. Genau genommen auf die dunkelgrüne Maske, die sein Antlitz verdeckte. Sein Körper war viel schlaksiger als Brants, was aber nicht sehr schwer war, und er roch bei Weitem nicht so gut. Alles in mir schrie, wegzulaufen, aber es war laut Brant die einzige Chance, Callum alleine befragen zu können. Was auch immer befragen in Brants Welt bedeutete.
»Wollen wir nicht an einen Ort gehen, an dem wir ungestörter sind?«, säuselte ich und Callum löste seinen feuchten Mund von meinem Hals.
»Brauchen wir nicht, hier sind wir ungestört«, antwortete er und begann, den Rock meines Kleides nach oben zu schieben. Mir wurde immer mulmiger, denn wenn er wirklich versuchte, mich hier in diesem Flur zu vögeln, konnte ich trotz seiner nicht ganz so kräftigen Statur nicht viel ausrichten. Wo war Brant, verdammt! Wieso holte er mich nicht aus dieser Situation heraus?
Ich spürte Callums Hände bereits an der nackten Haut meines Oberschenkels, während sein feuchter Mund sich an meinem Hals festsaugte. »Du bist so unfassbar heiß!«
Ich schlug seine Finger weg und er sah mich ungläubig an. Vielleicht musste ich das Blatt nur wenden und bestimmter werden. Ein Versuch es es wert.
»Ich habe gesagt, wir sollten an einen anderen Ort gehen. Du willst eine Lady doch nicht hier an einer Wand vögeln!«
»Ich würde dich überall vögeln«, erwiderte er und grinste lüstern.
»Wir können viel mehr Dinge miteinander machen, wenn wir ein wenig Platz haben. Ihr habt doch sicherlich haufenweise Betten hier in diesem Haus.« Um ihm das Wort abzuschneiden, drückte ich meinen Mund auf seinen. Der Kuss war nicht annähernd gut oder entfachte ein ausreichendes Feuer in meinem Inneren, dass ich Brant vergessen konnte. Im Gegenteil. Ich hatte fast das Gefühl, ihn in diesem Moment zu betrügen.
Callum fasste grob in meine Haare und drückte seine Zunge gierig immer tiefer in meinen Mund, während er den Unterleib an meinen presste. Um seinen schalen Geschmack nach Zigaretten und Alkohol loszuwerden, musste ich mir später sicherlich mindestens dreimal die Zähne putzen. Er löste sich endlich von mir und ich nutzte meine Chance.
»Los, lass uns gehen, ich halte es nicht mehr aus!«, wisperte ich und Callum nickte nur mit verschleiertem Blick. Na endlich!
Er zog mich den Flur entlang und an haufenweise Türen vorbei. Ich versuchte, mich unauffällig einige Male umzudrehen, um zu sehen, ob Brant uns folgte, aber ich konnte ihn immer noch nicht entdecken. Shit. Was, wenn er gar nicht auftauchte? Was, wenn das alles eine Falle war und ich gerade in mein Verderben rannte? Oder Callum sogar wusste, wer ich war und das Spiel mitspielte?
Callum stieß eine Tür auf und schob mich in ein Schlafzimmer. Mit einem lauten Knall flog das Türblatt ins Schloss. Ich drehte mich hastig um und sah, wie Callum geradewegs auf mich zustürmte.
»Runter mit dir.« Seine Stimme klang weitaus herrischer als gerade eben und seine Mimik veränderte sich augenblicklich, denn ich erkannte den harten Ausdruck um seine Augen. Auch er musste in seiner Position weit mehr gemacht haben, das ich mir nicht mal ansatzweise vorstellen konnte. Auch wenn er harmloser als Brant wirkte, war er das ganz sicher nicht. Konnten solche Männer, wie sie es waren, überhaupt ein Gewissen oder aufrichtige Gefühle jemandem gegenüber entwickeln?
»Ich sagte: Runter. Mit. Dir, Miststück«, knurrte er. Während ich noch nach einer Ausrede suchte, öffnete Callum bereits seinen Gürtel. »Das sind mir die Liebsten. Erst heißmachen und dann die Schüchterne spielen. Aber nicht mit mir! Du hast mir etwas versprochen, also lös es ein!« Mein Herz sprang fast aus meiner Brust. Scheiße, wie konnte ich nur immer in solche Situationen geraten?
Callum hob die Hand und ich zuckte zurück. Ich schloss die Augen, um den Schmerz, der gleich meine Wange treffen würde, zu ertragen, wenn ich ihm schon nicht schnell genug entgehen konnte. Innerlich zählte ich bis drei. Eins. Zwei. Drei. Aber er blieb aus.
»Das würde ich mir noch mal überlegen.« Die bekannte Stimme ließ mich ausatmen, und als ich die Augen wieder öffnete, stand Brant vor der geschlossenen Tür. Wie war er so leise hier hereingekommen? Und wieso, verdammt noch mal, hatte er mich so lange warten lassen!
»Scheiße, wo warst du?«, spie ich ihm entgegen und sah, wie Callum die Augen zusammenkniff.
»Ich bin so schnell gekommen, wie ich konnte.« Brant sah äußerlich beherrscht aus, aber ich hörte das unterdrückte Zittern in seiner Stimme. Auch ihn schien dieser Anblick nicht kalt zu lassen. Das zumindest wollte ich mir mal wieder einreden.
»Slater? Ist das dein verdammter Ernst? Du hetzt mir deine Nutte auf den Hals?« Callum trat einen Schritt zurück und lachte verächtlich, während er seine Hose schloss.
»Pass auf, was du sagst.« Brants Fäuste ballten sich und seine Kiefer mahlten.
»Ach, ist sie nicht dein kleines Flittchen? Wenn ich gewusst hätte, dass ein räudiger, hinterhältiger Köter sie fickt, hätte ich überhaupt kein Interesse mehr an ihr gehabt.«
Brant kam auf uns zu, aber erwiderte nichts. Stattdessen packte er blitzschnell Callums Kehle und drückte zu. Ich riss die Augen auf, als ich sein Röcheln vernahm, und wollte mich zuerst abwenden. Aber eigentlich hatte er es verdient. Für alles was er getan hatte, und wahrscheinlich auch für das noch Kommende.
»Stell den Stuhl in die Mitte des Raumes und schließ ab«, sagte Brant an mich gewandt und ich zögerte eine Sekunde. »Los.« Das war unmissverständlich. Ich setzte mich in Bewegung und drehte den Schlüssel im Schloss.
»Du bist tot, Slater! Tot!«, ächzte Callum hinter meinem Rücken. Ich schob den Stuhl hinterm Schreibtisch vor und Richtung Brant und sah, wie Callum versuchte, sich aus Brants starkem Griff zu befreien. Doch Brant nutzte mittlerweile beide Hände, und Callum hatte keine wirkliche Chance, denn er war nicht annähernd körperlich gewachsen.
»Setz dich«, sagte Brant und drückte Callum auf den Stuhl. Mit drei Handgriffen hatte er zwei Paar Handschellen aus seiner Hosentasche gezogen und fixierte Callum an den Stuhllehnen. Hatte er deswegen so lange gebraucht, weil er die Dinger noch besorgt hatte? Denn ich war mir sicher, dass er sie beim Hereinkommen noch nicht in der Tasche versteckt hatte.
Brant zog sein Jackett aus und hielt es mir hin. Ich legte es über meinen Arm und ging einen Schritt zurück. Wollte ich wirklich dabei sein, bei dem, was jetzt kam? Aber hatte ich eine große Wahl?
Brant krempelte seine Hemdsärmel nach oben und knackte mit dem Nacken.
»Ich wusste, dass dein Schwanz dich noch irgendwann in Schwierigkeiten bringen würde«, sagte Brant und grinste Callum an. »Du bist dir zu sicher.«
Callum lachte verächtlich. »Ach ja, und du dir nicht? Du fesselst mich in meinem eigenen Haus, das bis unters Dach mit Security vollgestopft ist. Auch wenn ich mich wiederhole, du bist tot, Slater.«
»Sicher, irgendwann sind wir alle dran. Aber auf dem Weg in die Hölle nehme ich noch so viele Schweinehunde mit, wie ich kann.«
Brant holte aus und seine Faust krachte gegen Callums Kiefer. Ich unterdrückte einen Schrei, als direkt Blut aus Callums Lippe quoll. »Das war übrigens dafür, dass du meine Kleine schlagen wolltest.« Kurz schloss ich die Augen, als Brant die Faust erneut hob und ich Callums Schmerzenslaute vernahm. »Und das dafür, dass du deinen widerlichen Mund nicht unter Kontrolle hast.«
»War’s das?«, fragte Callum betont lässig und spuckte Brant Blut vor die Füße. »Ich dachte, du hättest mehr drauf.«
»Später. Jetzt zum Geschäft. Was willst du mit den Anteilen?«
»Den Anteilen?«
»Du weißt genau, wovon ich spreche.«
Callum verzog amüsiert das Gesicht. »Ich will überhaupt nichts damit.«
»Genau, deswegen hast du mir und den Barreras die Verträge unter die Nase gehalten, du mieser Lügner.«
»Meine Güte, Brant, ich hab dich ehrlicherweise immer für ziemlich clever gehalten, aber jetzt stehst du wirklich auf dem Schlauch.«
Brant vergrub die Finger in Callums Haaren und zog sein Gesicht zu sich heran. »Was quatscht du da?«
»Fick dich ins Knie, Brant.«
Brant knurrte und legte seine Finger um Callums Hand, die fest an die Armlehne gefesselt war. Als Callum die Augen schloss und einen Schmerzenslaut unterdrückte, versuchte ich, mich abzulenken. Ich dachte in der Vergangenheit immer, dass ich hart im Nehmen war, aber als Callum doch laut aufschrie und ich das Knacken seiner Fingerknöchel hörte, war das eindeutig zuviel für mich. Übelkeit stieg in mir hoch und ich presste die Lippen fest aufeinander. Bald war es vorbei. Hoffentlich.
»Die Anteile sind nicht für mich. Ja, okay, mein Name steht unter dem Vertrag, aber ich bin nur der Mittelsmann«, keuchte Callum.
»Wer will die Anteile? Wo sind Adrijanas Eltern?«
»Adrijana?« Callum runzelte die Stirn und sein Blick flackerte ungläubig zu mir. Schnell wich ich ihm aus. »Ist sie das etwa? Nicht dein Ernst! Slater, du fickst die Barrera Tochter? Jetzt versteh ich das ganze Getue! Du willst den harten Macker markieren!« Callum begann, laut zu lachen und Brant ließ ihn los.
»Halt’s Maul!«, donnerte Brant, doch Callum kriegte sich überhaupt nicht mehr ein. Selbst als Brant ihm noch einen Kinnhaken verpasste, hörte er nicht auf zu glucksen, während er abwechselnd Blut ausspuckte.
»Du bescheuerter Wichser! Du bringst eine Barrera in dieses Haus und denkst, ihr beiden kommt lebend wieder hier raus?«
Fast hätte ich den bekannten Satz: »Ich hab es dir doch gesagt«, laut gerufen, aber ich verkniff ihn mir. Das war übel. So richtig übel.
»Zieh doch mal deine Maske aus, Schätzchen«, säuselte Callum und Brant packte ihn wieder bei der Kehle.
»Nichts wird sie tun. Aber du wirst mir jetzt verraten, wer dahintersteckt, sonst finde ich es selbst heraus und du bist Geschichte.«
»Eins muss ich euch Slater Brüdern ja lassen, ihr seid beide gleich aufbrausend. Es macht nicht unbedingt Spaß mit euch Geschäfte zu machen.«
»Prinzessin, schau weg«, grollte Brant, ohne mich anzusehen. Jetzt war es wohl so weit. Wollte ich Brants wirkliches Gesicht sehen? Und war es tatsächlich sein wahres Gesicht, oder hatte er diese Rolle nur aufgezwungen bekommen? Egal, was war, ich folgte und drehte mich um.
Ich versuchte, durch schöne Erinnerungen die Geräusche hinter meinem Rücken auszublenden, aber es gelang mir nicht wirklich. Immer wieder sagte ich mir, dass es um meine Eltern ginge. Brant musste so handeln, anders würden wir kein Stück vorankommen. Ich hätte Angst vor ihm haben sollen, aber merkwürdigerweise verblasste sie stattdessen. Es ging hier nicht nur um sein Leben, sonst hätte er nie so viel riskiert, sondern er wollte tatsächlich mir und meiner Familie helfen. Oder?
»Okay, okay«, röchelte Callum nach wenigen Minuten und ich wagte einen Blick zurück. Brant rieb sich die aufgeplatzten Knöchel und Callums Kopf hing kraftlos herunter. »Dein …« Ich verstand Callums Keuchen kaum und auch Brant fragte erneut nach. »Was dein?«
»Dein Bruder …«
»Was ist mit ihm, er ist tot! Wegen dir, du Schweinehund!«
Callum machte ein Geräusch, was wohl wie ein Lachen klingen sollte. »Ja, das wollte er dich glauben lassen.«
»Wie bitte?«
»Keine Ahnung wieso, aber mich interessiert eure verkorkste Familiengeschichte nicht … Er ist nicht tot, du Hornochse.«
»Das macht keinen Sinn«, murmelte Brant und sah mich zum ersten Mal an. Ich erkannte Verzweiflung in seinem Blick und wäre am liebsten zu ihm gelaufen und hätte ihn tröstend an mich gezogen.
Wir sahen Callum erneut an, als er weitersprach: »Er wollte die Anteile. Er wollte die Stadt. Ich hab nur sein Wort bekommen, von ihm in Ruhe gelassen zu werden und regelmäßige Geldbeträge zu erhalten, wenn ich ihm meinen Teil der Stadt gebe. Dachtest du, ich wäre so lebensmüde, euren Vater alleine anzugreifen?«
»Aber wieso?«
»Was weiß ich. Ich würde ja sagen, frag ihn, aber auch er ist seit vier Wochen verschwunden.«
Wir mussten es nicht aussprechen, um zu wissen, dass er gleichzeitig mit meinen Eltern untergetaucht war.
»Also hast du die Barreras nicht?«, fragte Brant.
»Ganz bestimmt nicht. Mir geht diese ganze Scheiße tierisch auf den Wecker! Schlagt euch doch gegenseitig die Köpfe wegen dieser beschissenen Stadt ein! Mir hat sie nie irgendetwas geschenkt!«
Brant kratzte sich ratlos über den Bart, drehte sich ohne ein weiteres Wort zu mir um und packte meine Hand.
»Wir müssen hier raus«, wisperte er und lief mit mir zur Tür.
»Das hier werdet ihr trotzdem noch bereuen!«, hörten wir Callums Stimme hinter uns, als wir den Raum verließen.
Jetzt konnte ich verstehen, weswegen Brant nicht gerne über seine Familie sprach. Weil sie augenscheinlich zerrütteter war, als es den Anschein gehabt hatte.
Zumindest hatten wir einen neuen Anhaltspunkt und es galt jetzt, herauszufinden, wo sein noch lebender Bruder war. Um bei ihm hoffentlich meine Eltern zu finden.
Klasse! Die Stadt hatte auch nur gefühlt eine Million Verstecke zu bieten! Wenn er sich überhaupt noch hier in Chicago befand.

 

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