Blogroman - Beautiful Sin

Blogroman – Beautiful Sin – Kapitel 18

Kapitel 18

Brant

Auch wenn es ein wenig Überzeugungsarbeit gekostet hatte, bewunderte ich Adrijanas Stärke. Sie wirkte äußerlich mittlerweile gefasst und vor allem bereit. Mein Plan beinhaltete nicht, dass dieser miese Penner Callum sie anfasste. Schon allein beim Gedanken daran, zog sich bei mir alles zusammen. Außerdem würde ich unter keinen Umständen ihr Leben heute Abend unnötig riskieren, das hatte ich mir selbst geschworen! Aber, auch wenn es sehr wahrscheinlich egoistisch war, ich wollte sie an meiner Seite wissen. Vielleicht war das sogar der einzige Grund, weshalb ich sie mitgenommen hatte.
Deshalb schlang ich den Arm enger um ihre Mitte, denn ich spürte, dass ihr zarter Körper begann, zu zittern, als wir auf die Villa zuliefen. Es war trotz August recht frisch heute Abend und ich ärgerte mich, ihr keinen passenden Mantel besorgt zu haben. Ich hielt in meinen Gedankengängen inne und schon wieder musste ich den Kopf über mein neues Weicheigetue schütteln.
Wir erklommen die Stufen zum Eingang und blieben vor dem Türsteher stehen. Er wirkte breit, aber nicht breiter als ich. In seinem Ohr steckte ein kleines Headset, was wohl zur Kommunikation zwischen der Security heute Abend diente. Ich sah ihn mir ganz genau an. Nur für den Fall, dass ich ihn später vielleicht k. o. schlagen musste.
»Dürfte ich Ihre Namen erfahren?«, fragte er fast zu höflich und ich knirschte mit den Zähnen, als ich sah, wie er Adrijana völlig offensichtlich in den tiefen Ausschnitt starrte. Fast war ich in Stimmung, ihm meinen richtigen Namen zu nennen, nur damit er wusste, mit welchem Feuer er gerade spielte. Aber mein Informant Doug hatte wie immer vorsorglich meinen aktuellen Decknamen eingetragen, den ich bei solchen Veranstaltungen immer nutzte. Ich würde noch früh genug auffliegen.
Adrijana lehnte sich ein Stück vor und klimperte dem Typen mit ihren langen Wimpern zu. Was lief hier für ein Spiel? Wollte sie mich verarschen? Sie flirtete mit dem Türsteher vor meinen Augen? Ich platzte gleich vor Wut! Dass sie gerne mit Männern spielte, hatte ich schon mitbekommen, denn wieso war sie sonst als Tänzerin in dem verdammten Stripschuppen aufgetreten. Aber ihr musste doch klar sein, dass sie diese Angewohnheit nun abwerfen sollte!
»Connor O’Brien«, unterbrach ich die beiden und merkte, dass Adrijana genau spürte, dass sie mich besser nicht jetzt auf die Palme brachte. »Und Chloe Stokes, meine Verlobte!«
Adrijana hustete neben mir, aber ich fixierte weiter den Typen, der gerade mit seinem Leben spielte. Versuch es nur, sie einmal anzufassen und ich erledige dich mit meinen bloßen Händen, dachte ich und anscheinend verstand er. Er suchte auf dem Klemmbrett in seiner Hand nach unseren Namen.
»Ah ja, da haben wir Sie. Dürften wir Sie noch nach Waffen untersuchen?«
Netter Versuch. »Mich gerne, meine Verlobte wird nicht angefasst.« Er zögerte zuerst, aber dann nickte er und tastete mich ab. Gute Entscheidung! Als er nichts gefunden hatte, deutete er Richtung Eingang.
»Viel Spaß!«
Ohne etwas zu erwidern, schob ich Adrijana in den Vorraum und drückte sie in eine Ecke. Ihr stockte der Atem und ihre Augen glänzten voller Vorfreude. Stand sie auf den herrischen Brant, der ihr zeigte, wer der Boss war? Das konnte sie haben! Sie würde schon merken, wie weit sie mit ihrer herausfordernden Art kam.
»Was soll der Scheiß«, zischte ich. Sie leckte sich über die Lippen und lächelte mich zuckersüß an.
»Welcher Scheiß?«
»Du weißt genau, was ich meine! Du flirtest mit dem Wichser direkt neben mir? Spielst du gerne mit seinem Leben? Denn wenn er dich anfasst, muss ich ihn erledigen«, knurrte ich, aber sie verdrehte nur die Augen und schüttelte den Kopf.
»Denkst du nicht, ein kleines Ablenkungsmanöver macht Sinn, damit er nicht misstrauisch wird und dich erkennt? Er hat mir nur auf die Brüste gestarrt, kein Grund, ausfallend zu werden, Babe.«
Für eine winzige Sekunde schmeichelte mir ihr Kosewort, aber dann fand ich glücklicherweise zurück und umfasste ihr Kinn. Ihre grauen Augen strahlten durch das Rot der Maske und ich hob ihren Kopf ein Stück an.
»Keine Ablenkungsmanöver oder Alleingänge und vor allem kein Geflirte außer mit mir. Wenn dich jemand heute hier anmacht, dann wirst du ihm zu verstehen geben, dass du zu mir gehörst, verstanden, Prinzessin?«
»Und was ist mit Callum? Dafür bin ich dann gut genug?« Den Triumph in ihrer Stimme konnte man kaum überhören.
»Das ist was anderes«, sagte ich, aber eigentlich hatte sie recht. Es war nichts anderes, ich benutzte sie tatsächlich. Aber nicht nur, um mein eigenes Leben zu retten, sondern vor allem ihres und das ihrer Eltern! An der Hand zog ich sie von der Wand weg und durchquerte mit ihr das Foyer. Ich kannte diese Art von Partys. Früher, als Callum noch nicht größenwahnsinnig gewesen war und unsere Eltern noch lebten, veranstaltete er öfter solche Orgien und lud mich ein. Und ich konnte nicht abstreiten, dass ich keinen Spaß dabei gehabt hatte. Aber dann kam es, wie es kommen musste. Callum rastete aus, weil alles danach aussah, dass ich in einer Schießerei seinen Vater erledigt hatte. Danach wollte er Rache und diese hatte er sich prompt geholt, in dem er mir meine letzten beiden Familienmitglieder genommen hatte.
Ja, kurz spielte ich ebenfalls mit dem Gedanken, ihn dafür umzulegen und mir seinen Anteil der Stadt unter den Nagel zu reißen. Einfach, weil ich es gekonnt hätte. Aber es hätte meinen Vater und Bruder nicht zurückgebracht. Es hätte mich verbittert und seine Leute auf meine gehetzt. Das Blutbad wäre verheerend gewesen. Nur aus diesem Grund hatte ich meine Rachepläne hinuntergeschluckt und versucht, Callum aus dem Weg zu gehen. Denn falls ich ihn irgendwo in meinem Gebiet gesehen hätte, hätte ich wenigstens einen guten Grund gehabt, ihm zu zeigen, wer die Fäden in der Hand hatte. Ich hoffte, dass ich jetzt, ein Jahr, nachdem ich ihn zuletzt getroffen hatte, wirklich an mir halten konnte und ihn nicht doch einfach umlegte.
Wir betraten den ersten Hauptraum und Erinnerungen fluteten meinen Kopf. Hier mit Adrijana, in solch einer aufgeladenen Atmosphäre, konnte ich mich kaum auf das Wesentliche konzentrieren, aber es musste sein. Ich musste bei vollem Verstand bleiben. Doch ich spürte an Adrijanas Körperspannung, dass sie dieser Anblick ebenfalls alles andere als kaltließ.
»Gefällt dir, was du siehst?«, flüsterte ich in ihr Ohr, um die laute Musik zu übertönen, und legte meine Hand auf ihren Rücken. Mit der anderen strich ich zart über ihren Bauch und beobachtete die Reaktionen in ihrem Gesicht.
»Ich bin mir nicht sicher«, antwortete sie leise. Ihre Augen tanzten weiterhin durch den gigantischen Raum, in dem sich Hunderte von Menschen auf jede erdenkliche Art vergnügten. Der Abend war noch jung, nicht alle Hüllen waren gefallen, aber die erotische Spannung in der Luft war bereits jetzt zu spüren.
»Siehst du den Mann auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes in der Sitznische? Er trägt eine dunkelgrüne Maske und sitzt mit einer Blonden und einer Schwarzhaarigen auf der Couch.« Adrijana nickte. »Die beiden Kerle links und rechts von ihm sind seine Bodyguards. Ignorier sie. Wir wollen nur den Typen in der Mitte. Callum. Er hat deine Eltern.«
»Was soll ich tun?«, wisperte sie und fixierte Callum, ohne mich anzusehen.
»Lock ihn aus dem Raum, aber bleib trotzdem auf Abstand. Ich bleibe im Hintergrund. Merk dir, du bist nicht alleine, ich lasse dich nicht aus den Augen!«
Mit diesen Worten löste ich mich von ihr und verschwand in der Menge. Sie sah sich plötzlich suchend nach mir um, aber ich wusste, wie ich mich bewegen musste, ohne aufzufallen. Geschickt manövrierte ich mich durch die Menschen auf die Treppe zu, die zu einer Empore führte, von wo aus ich den gesamten Saal im Blick behalten konnte. Zur Not wäre ich schnell genug an Adrijanas Seite, um ihr beizustehen.
Sie drehte sich weiter im Kreis, als ich den oberen Bereich erreicht hatte und mich neben eine Säule in den Schatten drückte. Selbst von hier oben stach Adrijana zwischen allen anwesenden Frauen heraus. Allein durch ihre Körperhaltung, die mir bereits bei meinem ersten Blick auf sie bei ihrer Tanzeinlage im Black Pearl aufgefallen war, wirkte sie graziler als irgendjemand sonst. Ihre Kolleginnen konnten ihr damals nicht mal ansatzweise das Wasser reichen.
Sie prüfte den Sitz ihrer Maske, dann glitt sie selbstsicher durch die Menge. Ich war mir sicher, wenn jemand Callums Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte, dann Adrijana.
»Hallo starker Mann, so ganz alleine hier oben? Ist das nicht langweilig?« Ich spürte die Berührung zarter Finger an meiner Seite, die zielgerichtet in Richtung meines Schwanzes wanderten und drehte meinen Kopf ein Stück nach rechts. Eine Schwarzhaarige, in einem extrem engen goldenen Kleid, drückte sich an mich und rieb immer wieder über den Stoff meiner Hose. Auch wenn ich in der Vergangenheit zu solch einer Möglichkeit kaum nein sagen konnte, ging es hier gerade um so viel mehr als einen schnellen Fick. Es ging um Adrijanas Sicherheit, während sie sich immer weiter Callum näherte.
Grob packte ich das Handgelenk der Schwarzhaarigen und zog ihren Arm zurück. »Nein, danke.«
»Oh wow, ich steh drauf, wenn Männer etwas härter zupacken können.«
Ich seufzte. Wieso musste ausgerechnet jetzt eine von den Hartnäckigen auf mich treffen? Ich zog sie eng an mich, sodass sich mein Gesicht knapp vor ihrem befand.
»Hör mir gut zu, denn ich sage es nur einmal. Ich kann verstehen, dass du mich willst, denn ich würde es dir sicherlich so besorgen, wie es niemals wieder jemand anderes könnte, aber ich habe meinen Bedarf an billigen Flittchen in meinem Leben reichlich gedeckt.« Damit ließ ich sie ruckartig los und stützte mich auf dem Geländer ab, um Adrijana in der Menge zu suchen.
»Arroganter Wichser!«, zischte sie und ich hoffte, sie würde einfach verschwinden und mir jetzt keine Szene machen oder mir sogar einen Security auf den Hals hetzen. »Du weißt gar nicht, was dir entgeht!« Ja sicher …
Ich entdeckte Adrijanas blonden Schopf in der Menge. Kurz vor der Sitzecke blieb sie stehen und schloss die Augen. Sie bewegte ihre Hüften erst zaghaft im Takt der Musik, dann wurde sie immer lockerer. Das Tanzen lag ihr eindeutig im Blut und kurz gönnte ich mir den Traum darüber, dass sie an einer Stange in meiner Wohnung nur für mich tanzte. Sie strich sich durch die Haare, schwang die Arme in die Luft und legte den Kopf zur Seite, sodass ihre makellose, blasse Haut am Nacken verführerisch hervorstach. Fuck. Hätte ich gewusst, dass das Gefühl, sie direkt in Callums Arme zu treiben, derart beschissen war, hätte ich meinen Plan doch noch überdacht. Doch es war zu spät. Callum wurde gerade auf sie aufmerksam und beobachtete sie. Sie bewegte sich immer entspannter zu den Klängen, die den Raum erfüllten. Langsam stand Callum auf. Dabei ignorierte er seine beiden Begleitungen völlig und ging einen Schritt auf Adrijana zu. Mein Herz pochte und meine Hände ballten sich zu Fäusten, wenn ich daran dachte, dass er sie berührte. Mein.
Doch das heftige Gefühl übermannte mich nur noch extremer, als Callum hinter sie trat und mit den Fingern über ihre Arme strich. Sie stockte kurz in der Bewegung und verspannte sich, daraufhin lehnte sie sich an seine Brust und ich wäre am liebsten auf der Stelle nach unten gestürmt.
Sie wirkte wirklich von ihm angetan, als er ihr einen Kuss auf den Hals drückte und sie genüsslich die Augen schloss. Spielte sie das alles bei mir ebenfalls? Oder genoss sie tatsächlich Callums Berührungen?
Langsam drehte sie sich in seiner Umarmung um und lächelte ihn an. Das Lächeln, das mir gehörte. Genauso wie alles an dieser atemberaubenden Frau! Oder? Konnte man sie überhaupt besitzen, ohne sich die Finger an ihr zu verbrennen? Ich hatte von Anfang an den Eindruck gehabt, sie wäre ein Freigeist. Unzähmbar. Doch dieser Eindruck verflog in den letzten Stunden, die ich mit ihr verbracht hatte, immer weiter, bis ich die Illusion hatte, sie könnte tatsächlich irgendwann nur mir gehören. Bis zu diesem Punkt. An dem ich alles anzweifelte. Doch war jetzt der richtige Zeitpunkt, in dem ich mir über unsere Beziehung Gedanken machen sollte? Nein!
Sie hatte Callum am Haken, das war der Plan gewesen und sie absolvierte ihn vorzüglich. Ich hatte sie unterschätzt, aber das würde mir nicht noch ein zweites Mal passieren. Aus diesem Grund wollte ich sie nun umso mehr!
Und ich würde sie mir in wenigen Minuten zurückholen. Denn ich sah, wie sie Callum etwas ins Ohr flüsterte und er nickte. Er ergriff ihre Hand, bedeutete seinen beiden Securitymännern, dass sie hierbleiben sollten, und durchquerte mit ihr den Raum in Richtung einer Seitentür.
Nun galt es, schnell zu machen, bevor Callum noch mehr von Adrijana berührte als ihre Finger und ich ihm seine dafür abhacken musste.

 

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+++ ACHTUNG ACHTUNG ++

Für jeden, der das eBook oder Taschenbuch ab Dezember komplett lesen möchte (überarbeitet und länger mit neuen Kapiteln) und das Ende NICHT erfahren möchte, der sollte vielleicht jetzt hier stoppen 😉

Es könnten Dinge ans Licht kommen … Furchtbare Dinge!

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