Blogroman - Beautiful Sin

Blogroman – Beautiful Sin – Kapitel 17

Kapitel 17

Adrijana

Verdammt, wozu habe ich mich da nur breitschlagen lassen?, dachte ich, während ich an dem Ausschnitt des weinroten Chiffonkleides herumzupfte. Es war wirklich ein Traum. Der seidige Stoff umschmeichelte meine Kurven und durch meine hochgesteckten Haare und das tiefe Dekolleté, das erst knapp über meinem Bauchnabel stoppte, kam meine, unter dem Kleid nackte, Brust ziemlich gut zur Geltung. Woher Brant so genau meine Größe wusste, war mir schleierhaft.
Und trotzdem konnte ich nicht genießen, dass er mich beschenkte und ausführte, denn anscheinend ging es hier nicht um einen normalen Dateabend. Wie kam ich auch auf den Gedanken, ein stinknormales Date mit Brant zu haben? Ich unterdrückte mir ein hysterisches Kichern. Normal und Brant in einem Satz passten schon mal gar nicht zusammen. Ich konnte mir noch nicht mal vorstellen, wie er in Jogginghose und mit einem Bier am Wochenende auf der Couch lümmelte und fernsah. Tat er so etwas Vergleichbares überhaupt? Ganz bestimmt nicht!
Die Tür des Badezimmers, das an Brants Schlafzimmer grenzte, ging auf und er steckte den Kopf durch den Spalt. Ich erkannte eine schwarze Fliege über einem weißen Hemd und sein unfassbar gut aussehendes Gesicht sah mich an. Der gepflegte Bart, die dunklen Augen, die mich fast jedes Mal mit Blicken verschlangen. Eine Gänsehaut breitete sich auf meinen nackten Armen aus.
»Bist du fertig?«, fragte er und trat hinter mich. Er trug einen schwarzen Smoking, der ihm ausgezeichnet stand. Ich unterdrückte den Drang, mich an ihn zu lehnen, denn ich durfte weiterhin nicht zu viel geistige Nähe zulassen. Nicht nach dem Gespräch mit Reed gestern Abend, das ich immer noch nicht vergessen konnte. Es musste einfach eine logische Erklärung dafür geben. Oder vielleicht wollte ich das auch nur denken und redete es mir deswegen ständig ein …
Ich nickte auf seine Frage hin und seine Augen ließen meinen Blick im Spiegel vor uns nicht los, während ich mich dichter gegen das Waschbecken drückte, um seiner Anziehung wenigstens ein wenig zu entgehen.
Er zauberte ein flaches, quadratisches Kästchen hinter seinem Rücken hervor und hielt es vor mich.
»Was ist das? Handschellen?«, fragte ich misstrauisch und er lachte.
»Du denkst immer das Schlechteste von mir, oder?«
»Sollte ich nicht?« Ich zog eine Augenbraue hoch.
»Doch, eigentlich schon«, antwortete er grinsend und zuckte mit den Schultern. »Seh es nicht als Geschenk, sondern als Arbeitskleidung.«
»Arbeitskleidung? Du faselst mal wieder wirres Zeug.«
Er drückte mir die Schachtel in die Hand und legte seine warmen Finger auf meine Schultern. Seufzend öffnete ich den Deckel und stockte. »Ich versteh nicht …«
»Ich hatte doch von einem Ball gesprochen. Es ist ein Maskenball.« Er nahm die weinrote Spitzenmaske aus der Verpackung und legte sie mir um die Augen. Ich blinzelte meinem nun verschleierten Spiegelbild entgegen, denn die Maske bedeckte mein halbes Gesicht. Nur mein Mund war frei, den ich passenderweise in der gleichen Farbe wie das Kleid geschminkt hatte. »Leg sie den gesamten Abend nicht ab. Hörst du?« In seiner Stimme schwang noch etwas anderes mit als seine übliche Dominanz. War es Angst? Besorgnis?
»Weshalb?«
»Weil es sicherer für dich ist.« Er nahm mir das Kästchen aus der Hand und legte es auf den Waschtisch. Dann drehte er mich zu sich um und küsste mich. Meine unwohle Vorahnung, wie der Abend verlaufen würde, wurde nur noch schlimmer. Er verhielt sich merkwürdig. Noch mehr als sonst.
»Wo gehen wir hin? Brant, ich will es jetzt wissen!«, sagte ich fest, als er sich von mir gelöst hatte. Denn er hatte mir noch nicht erzählt, was er überhaupt geplant hatte.
Er atmete tief durch. »Okay, das solltest du auch. Callum veranstaltet regelmäßig Partys. Besondere Partys.«
»Wie dieser Maskenball?«
»Ja, allerdings noch etwas spezieller, aber das wirst du erfahren, wenn wir da sind.«
»Ist es schlau, sich direkt vor Callums Füße zu werfen, wenn er uns haben will?« Kam daher seine Angst?
»Callum ist kein Problem. Er hat sich die ganzen letzten Wochen versteckt wie ein Angsthase, aber ich wusste, diesen Ball, den er nur einmal im Jahr so veranstaltet, wird er sich nicht entgehen lassen. Er wird dir nichts antun, solange du bei mir bleibst.«
»Und was ist mit dir?«, fragte ich leise und schluckte. Ich wollte trotz allem nicht, dass ihm etwas passierte.
»Wir gehen rein, treffen Callum, pressen alles aus ihm heraus, was er weiß und verschwinden wieder. Es wird nichts schiefgehen.«
»Und wieso auf der Party? Ich meine, er hat sie doch sicherlich mit haufenweise Security gesichert!«
»Weil Callum auf dieser Party viel zu sehr damit beschäftigt sein wird, nach deinem hübschen Röckchen Ausschau zu halten und sich so ohne Weiteres von dir in einen Hinterhalt locken lassen wird.«
»Ich bin der Köder?«, rief ich aufgebracht und drückte mich an ihm vorbei. Unruhig lief ich im Badezimmer auf und ab. Daher kam also mein merkwürdiges Gefühl. Brant benutzte mich nur. »Was soll der Scheiß? Kannst du dazu nicht irgendjemand anderen nehmen? Du lieferst uns beide ans Messer!«
Er lehnte sich gegen den Waschtisch und verschränkte die Arme. »Ja, kann sein.«
»Na toll!« Am liebsten hätte ich ihm eine Ohrfeige gegeben, um damit die Unvernunft aus ihm herauszukriegen! Doch das hätte er mir sicherlich nicht durchgehen lassen …
»Aber egal, wo, es ist sicherer für dich, wenn du bei mir bist.« Seine Stimme war fast ein Knurren.
»Das ist deine Absicht? Rein, uns auf den Präsentierteller legen und aufessen lassen! Großartig! Hast du überhaupt einen richtigen Plan?«
Er stieß sich ab und kam auf mich zu. »Komm jetzt.« Ich spürte, dass er immer ungehaltener wurde, als seine Finger fest meinen Ellbogen umfassten. Er war es tatsächlich nicht gewohnt, dass jemand nicht nach seiner Pfeife tanzte und seine Pläne anzweifelte. Tja, dann musste er sich eben jetzt mit diesem Gefühl bekannt machen!
»Vergiss es! Ich spiel dein Spiel nicht mehr mit. Du hast mich entführt und jetzt benutzt du mich als Köder! Vergiss es!«
»Du willst deine Eltern finden, oder?«
Die Berührung seiner Finger wurde noch eindringlicher. Da war er wieder. Mister Dark, mit dem man sich besser nicht anlegen sollte. Und ich hatte mir etwas vorgemacht und sogar angefangen, mich bei ihm wohlzufühlen. Ich naive Pute! Er würde mich jederzeit ans Messer liefern, wenn er dafür seinen eigenen Arsch retten konnte. Oder? Er hatte doch selbst noch eine offene Rechnung mit Callum! War es das, was ihn antrieb?
»Das ist unfassbar unfair, dass du nun diese Karte spielst!«, spie ich ihm entgegen und er zog mich an sich. Unsere Gesichter befanden sich nur wenige Zentimeter voneinander entfernt und ich spürte schon wieder das Prickeln auf meinen Lippen, weil ich wollte, dass er sie berührte. Ich hatte den Verstand verloren! Eindeutig!
»Du zwingst mich, diese Karte zu spielen. Du hast Angst, das kann ich nicht verstehen aber nachvollziehen und es ist okay. Aber wir kommen nicht anders aus der Nummer raus. Wir müssen direkt durch das Minenfeld laufen, um an unser Ziel zu kommen. Danach werden wir stärker sein. Zusammen.«
Ich schluckte hart, als er das letzte Wort besonders betonte. Zusammen. Was hieß das in seinen Augen? Er hatte nie eine richtige Familie gehabt, er wusste überhaupt nicht, was das Wort bedeutete!
»Wir sind, verfickt noch mal, nicht Bonnie und Clyde«, erwiderte ich schnippisch und seine dunklen Augen glitzerten amüsiert.
»Nein, sind wir nicht. Wir sind noch etwas viel Besseres.« Er drückte seine Lippen auf meine, nahm mir gleichzeitig den kompletten Wind aus den Segeln, aber vor allem meinen gesamten Atem. »Komm jetzt«, sagte er daraufhin sanfter und dirigierte mich in den Lift, der in die Tiefgarage führte. Im Aufzug ließ er meine Hand nicht einmal los, wahrscheinlich, weil er Angst hatte, dass ich es mir doch noch anders überlegte und er sich ein neues Lockmittel für Callum suchen musste.
»Du siehst übrigens wirklich fantastisch aus«, sagte er leise, aber sah im Aufzug weiter geradeaus. Ich konnte nicht verhindern, dass mir seine Worte schmeichelten.
Die Lifttüren glitten auf und Brant führte mich vor die hintere Tür einer schwarzen Limousine. Er half mir beim Einsteigen und ich sah einen Fahrer mittleren Alters gekleidet in einen dunkelblauen Anzug.
»Guten Abend«, sagte ich und setzte mich auf die Sitzbank an der Rückseite.
»Guten Abend, Miss.«
Brant schob sich neben mich und legte seine tellergroße Hand besitzergreifend auf mein Knie. Durch den dünnen Stoff spürte ich die Hitze, die er ausstrahlte.
»Guten Abend, Mister Slater.«
»Guten Abend, George. Die Adresse haben Sie ja bereits erhalten.« Brant wirkte unhöflich, so als würde er mit seinem Satz einem weiteren Gespräch aus dem Weg gehen wollen. Für Small Talk war er anscheinend ebenso wenig geschaffen wie für Feingefühl.
Ich sah aus dem Fenster und Brant drückte mein Knie. »Es wird alles gut gehen«, hörte ich seine Stimme, doch von seinen Worten war ich nicht gerade überzeugt.
»Was ist, wenn wir da nicht mehr rauskommen?«
»Mach dir darüber keine Gedanken.«
Ich seufzte, denn es brachte ja doch nichts. Er ging meiner Meinung nach viel zu optimistisch an die ganze Sache heran, aber was blieb mir anderes übrig, als sein Spiel mitzuspielen? Er hatte es schließlich erfunden …
Nach einer halben Stunde Fahrt fuhr der Wagen eine meterlange Auffahrt hinauf und hielt vor einer wirklich gigantischen Villa. Die meiner Familie war schon groß gewesen, aber das hier toppte alles. Ich konnte mich kaum an den Menschen sattsehen, die alle in wunderschönen Abendkleidern und schicken Smokings auf den Eingang zuliefen. Alle trugen sie Masken, die ihre Gesichter verdeckten. Mein Herz schlug mir bis zum Hals und ich war unfassbar nervös. Hein in die Höhle des Löwen!
»Wir sind da«, sagte Brant und ich sah ihn doch wieder an. Ich musste mich heute Abend auf ihn verlassen, da nützte mein Rumgeschmolle leider überhaupt nichts.
Er zwinkerte mir zu, zog eine schwarze, recht schlichte Maske aus seiner Innentasche und schob sie sich über die Augen und die Nase. Seine dunklen Iriden gingen fast vollständig in der Farbe der Maske über.
»Showtime! Bist du bereit?«, fragte er mich.
»Nicht besonders«, erwiderte ich ehrlich, aber es nützte nichts. Wir mussten jetzt da durch. Zusammen.

 

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