Blogroman - Beautiful Sin

Blogroman – Beautiful Sin – Kapitel 13

Kapitel 13

 

Adrijana

Dieses dämliche Testosterongehabe! Dass beide nun beweisen mussten, wer der Stärkere war, war in unserer Situation ausgesprochen lächerlich!
Doch trotzdem freute ein kleiner Teil von mir sich, dass Brant eifersüchtig war. Es zeigte, dass er vielleicht doch mehr von mir hielt, als ich anfänglich dachte. Außerdem machte das es ihm schwerer, mich doch noch zu verletzen, sollte das weiterhin eine seiner Optionen sein, wenn dieser ganze Spuk hier ein Ende hatte. Und bei Reed wusste ich schon länger, dass er auf mich stand. Er hatte einige Male versucht, mich zu einem Date einzuladen, aber außer ein wenig flirten, war wirklich nichts zwischen uns gelaufen. Dafür war er zwar ganz nett, aber irgendwie hatte mir bei ihm etwas gefehlt. Etwas Dunkles und Dominantes, das Brant leider mit allem, was er tat, wie er sprach und mich ansah, verkörperte.
»Reed, hör auf mit dem Scheiß!«, sagte ich und drückte mich an Brant vorbei, der bereits den Arm heben wollte. Es war mir klar, dass dieser bescheuerte Faustkampf weitergehen würde, wenn ich nicht endlich dazwischenging. »Es geht mir wirklich gut. Glaub mir.« Reed sah nicht sehr überzeugt aus, aber er senkte glücklicherweise die Waffe.
Ich drehte mich leicht zu Brant, der innerlich kochte, das sah ich ihm auf den ersten Blick an. Seine Brauen waren so weit zusammengezogen, dass sie sich fast berührten und selbst unter dem dichten Bart erkannte ich, wie er mit den Kiefern aufeinanderbiss. Ich legte die Hand an seine Wange und drehte sein angespanntes Gesicht zu mir.
»Auch wenn du das nicht gewohnt bist, aber vertrau mir. Geh vor, ich komme gleich nach.« Er lachte spöttisch. »Bitte«, flehte ich und sein Ausdruck wurde ein wenig weicher. Wenn man das bei ihm so nennen konnte.
»Wenn er dir ein Haar krümmt oder du ohne mein Wissen dieses Haus verlässt, kannst du dir vorstellen, was ich mit euch beiden mache.«
Er sollte wissen, dass mir klar war, dass er wahrscheinlich der Einzige war, der mir helfen konnte, meine Eltern zu finden. Ich wäre total bescheuert, wenn ich abhauen würde. Außerdem lag mir nichts ferner, als tatsächlich zu gehen. Weshalb auch immer, nachdem er mich so behandelte. Doch indem er mir alles erzählt hatte, hatte er sich auch ein Stück weit geöffnet und mir so gezeigt, dass ich vielleicht tatsächlich nichts vor ihm zu befürchten hatte.
»Ich komme gleich.« Ich lehnte mich ein Stück vor und drückte meine Lippen auf seine. Er umfasste mit der Hand meinen Hinterkopf und drückte mich besitzergreifend an sich, wie er das bei jedem Kuss tat. Er gab mir damit das Gefühl, als wäre ich die Luft, die er zum Atmen brauchte oder das passende Gegenstück, das er dringend benötigte. Und ich Idiotin genoss jede einzelne seiner Berührungen. Seine Zunge drang fast grob in meinen Mund ein und die Lust sammelte sich erneut zwischen meinen Beinen. Ich vergaß, dass wir nicht alleine im Raum waren, und sein Kuss befeuerte mich direkt wieder auf hundertachtzig. Atemlos löste ich mich von ihm. Er nickte knapp, bedachte Reed noch mit einem bedrohlichen Blick und stieg tatsächlich die Treppe nach oben.
Ich sah an Reeds Miene, dass er damit nicht gerechnet hatte und sogar etwas verletzt wirkte. Aber darauf konnte ich gerade keine Rücksicht nehmen.
»Gib sie mir«, sagte ich und hielt ihm die Hand hin, damit er mir die Waffe geben konnte. Er sicherte sie und drückte sie mir in die Hand. Sie war schwerer, als ich gedacht hatte, denn ich hatte vorher noch nie eine Knarre gehalten und trotzdem fühlte sie sich irgendwie gut an. Ich war wirklich verrückt geworden. »Danke, Reed.« Ich steckte die Waffe in meinen hinteren Hosenbund. »Kannst du mir alles erzählen, was du weißt?«, fragte ich.
»Es war ein ganz normaler Abend, nichts Ungewöhnliches. Irgendwann haben Thomas und ich dann die Nachtschicht übernommen. Marc war bei deinem Dad, wie immer, aber es ging einfach viel zu schnell. Sie waren plötzlich im Haus, keine Ahnung, wie, ohne dass der Alarm losgegangen ist. Auf jeden Fall haben sie dunkle Masken getragen und direkt geschossen. Sie hatten eindeutig ein klares Ziel und wussten genau, wo sie hinmussten. Ich lag blutend am Boden und habe nur noch gesehen, wie sie die Treppe hochgelaufen sind, dann wurde alles schwarz.«
Mir wurde übel, wenn ich daran dachte, wie diese Situation abgelaufen sein musste. Meine armen Eltern. Die armen Sicherheitsleute. »Weißt du noch irgendetwas Bestimmtes, ist dir irgendwas aufgefallen? Ein Merkmal bei einem von ihnen vielleicht?«
Er schüttelte den Kopf, überlegte aber weiter. »Moment! Wenn ich jetzt darüber nachdenke, kam mir einer bekannt vor. Ich kann selbst nicht sagen, woher oder wieso, weil sie alle nicht gesprochen haben, aber irgendwas machte mich stutzig. Die Statur, die Bewegungen …« Er sah kurz nach oben zum Flur, in dem Brant verschwunden war. »Bist du dir sicher, dass alles okay bei dir ist, Süße?«
»Ja, wirklich«, bestätigte ich ihm, aber das unwohle Gefühl, das Reeds Worte in mir auslösten, ließ sich auf einmal nicht mehr wirklich verdrängen. »Aber was meinst du, irgendwas kommt dir bekannt an diesem Typen vor?«
Er zuckte resigniert mit den Schultern und fuhr sich seufzend durch die Haare. »Ich könnte mich auch irren, mein Bewusstsein war ziemlich schnell weg, nachdem ich literweise Blut verloren hatte. Das alles ist ganz schön verwirrend …« Ich unterdrückte ein frustriertes Seufzen. Das waren nicht gerade viele Anhaltspunkte.
»Ja, das ist es. Danke, Reed«, sagte ich und legte ihm eine Hand auf den Oberarm.
Er zog einen Kugelschreiber aus seiner Jackentasche und drehte meine Handfläche zu sich. In schiefen Zahlen kritzelte er eine Nummer darauf. »Ruf mich an, wenn ihr etwas rausbekommt oder du Hilfe brauchst. Wirklich!«
Ich nickte. »Machen wir.«
»Und seht zu, dass ihr bald von hier verschwindet.«
Damit bedachte er mich noch mit einem müden Lächeln und verließ das Haus meiner Eltern. Ich atmete einmal tief durch, um das komische Gefühl abzuschütteln, das mich immer stärker heimsuchte und ging nach oben ins Arbeitszimmer. Diese ganze Situation war so völlig verstrickt, dass sie fast nicht wahr sein konnte. Brant stand suchend vor dem Bücherregal, bis er mich hörte und langsam seinen Kopf zu mir herumdrehte.
»Komm her.« Seine Stimme klang rau, als müsse er die Wut immer noch unterdrücken, die ich ihm zuvor angemerkt hatte. Ein Schauer erfasste mich, als ich zu ihm ging und er sich vollständig zu mir umdrehte. Seine Arme waren verschränkt. Sein breiter Bizeps spannte unter dem Hemd. »Ich muss dir vertrauen können.«
»Das kannst du«, wisperte ich und er schnalzte mit der Zunge. Wie konnte er die Situation nun völlig herumdrehen? Er musste mir vertrauen können? Ich ihm wohl ebenfalls!
»Ich habe dich nichts gefragt.« Mein Herz klopfte mir bis zum Hals. Brants dunkle Augen waren eiskalt. »Du wirst niemals mit mir spielen, dass das klar ist!«
»Ich habe nicht …«
»Du sollst still sein!«, knurrte er. »Deine Widerworte geben zehn.«
»Zehn was?«, hauchte ich nur, denn meine Stimme hatte vollends ihren Dienst versagt.
»Geh rüber zum Schreibtisch und stell dich davor.«
»Ich soll was?«
»Du hast mich genau verstanden. Jetzt!« Ich zögerte eine Sekunde, setzte mich aber in Bewegung. Alles in mir pulsierte. Einerseits vor Furcht, andererseits machte mich seine herrische Art rasend vor Lust.
»Wir sollten reden«, sagte ich leise, weil ich immer noch nicht genau wusste, ob ich das wirklich wollte, was er nun vorhatte. Außerdem brauchte ich Gewissheit, was Brant wirklich wusste. Ich hatte das Gefühl, er verheimlichte mir etwas.
Aber schneller als geahnt, trat er von hinten an mich und ich spürte seinen warmen Atem an meinem Hals. »Reden können wir später immer noch, wenn ich wieder klar denken kann«, raunte er und zog zuerst die Waffe aus meinem Hosenbund. Mit einem Knall legte er sie auf dem Schreibtisch vor mir ab und ich zuckte zusammen. Ich spürte seine Finger am Knopf meiner Jeans. »Aber vorher beugst du dich so weit wie du kannst über diesen verdammten Tisch und präsentierst mir deinen verlockenden Arsch.«

 

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