Blogroman - Beautiful Sin

Blogroman – Beautiful Sin – Kapitel 12

Kapitel 12

 

Brant

Alle meine Sinne waren auf das Höchste geschärft. Ich kannte das Gefühl des Adrenalins, das gerade durch meine Venen pumpte. Dafür war mein Körper ausgebildet und ich investierte darin einiges, denn ich musste in jeder Situation wachsam sein. Ständig könnte jemand hinter mir stehen und mich umlegen wollen.
Leise schlich ich mit dem Rücken zur Wand den Flur entlang und lauschte am Ende zum Abgang der Treppe. Schritte unten auf dem Marmorboden. Das leise Piepsen des Alarmanlagenterminals. Kannte jemand den Code und wollte sich vergewissern, dass alles ausgeschaltet war?
Ich spähte um die Ecke und erkannte im unteren Stockwerk tatsächlich einen Mann. Er trug eine dunkle Jacke und eine schwarze Hose. Seine Statur war nicht gerade schmächtig. Ich hatte mit meinen ein Meter fünfundneunzig eindeutig einen Vorteil, aber leicht würde es nicht werden. Außer ich jagte ihm direkt eine Kugel in seinen Schädel. Aber war das so klug, wenn ich herausfinden wollte, wo Adrijanas Eltern steckten? Vielleicht könnte gerade er das Licht im Tunnel sein und uns einen Hinweis geben.
Also hielt ich den Lauf der Waffe auf seinen Schädel gerichtet und betrat die Treppe. Ich konnte aus hundert Metern eine Fliege treffen, deshalb brauchte ich die Nähe, um ihn abknallen zu können, nicht. Aber das war ja nun mal nicht mein Ziel. Ich musste nah genug an ihm dran sein, um ihn gegebenenfalls bewusstlos schlagen zu können, wenn er nicht kooperierte. Und das taten die meisten nicht.
»Hände nach oben und ganz langsam umdrehen, Arschloch«, knurrte ich und der Mann erstarrte. Seine gesamte Haltung spannte sich an, aber ich war auf alles gefasst. »Mach keinen Scheiß, dann zuckt mein Finger auch nicht aus Versehen am Abzug.«
In Sekundenschnelle drehte der Typ sich um und ich erkannte einen Kerl in ungefähr meinem Alter. Seine dunkelblonden Haare waren wirr und seine blauen Augen zu Schlitzen verengt. Sollte das bedrohlich wirken, hatte er seine Wirkung total verfehlt.
»Wer bist du?«, fragte er und ich lachte, während ich das Ende der Treppe erreicht hatte, und nun einige Meter vor ihm stand.
»Das dürfte ich doch wohl eher dich fragen, oder? Und jetzt heb, verdammt noch mal, deine Hände, damit ich sehen kann, was du damit tust. Hoffentlich keine Dummheiten.«
»Das hoffe ich auch bei dir«, erwiderte er und nickte zu meiner Waffe. Langsam hob er die Hände, doch bevor er sie vollständig in der Luft hatte, sprintete er auf mich zu. Shit. Ich hatte ihn gewarnt.
Ich machte einen Satz nach hinten und zielte auf sein Bein, doch unglücklicherweise war er schneller. Er erreichte mich und schlug mir die Waffe aus der Hand, die mit einem lauten Knall auf dem Boden aufkam. Sie schlitterte davon. Mein Blick verfolgte ihren Weg und ich rechnete meine Chancen, sie zu erreichen, geringer ein, als diesen Wichser hier k. o. zu schlagen. Also kam ich ihm entgegen.
Meine Faust traf sein Kinn. Gleichzeitig holte er aus und verpasste mir einen Leberhaken. Ich nutzte seine geduckte Haltung und zog ihn in den Schwitzkasten. Immer wieder prallten seine Fäuste in meine Seiten und mir stockte der Atem. Der Typ war härter, als ich gedacht hatte.
Mit einem Rums landeten wir auf dem Boden, als ich mein volles Gewicht einsetzte und ihn umwarf. Unten ging es weiter. Mal war er oben, mal hatte ich die Oberhand, doch wir schenkten uns nichts.
»Brant! Reed!«, drang halbherzig eine Stimme an mein Ohr. »Verdammte Scheiße, was macht ihr da?« Die Stimme kam näher und wurde vor allem lauter. Adrijana. Sie kannte diesen Typen? Er hielt plötzlich verwundert inne und ich verpasste ihm einen letzten Kinnhaken, bevor er sich zur Seite drehte und schwer atmend auf dem Rücken aufkam. Genauso wie ich. Eigentlich hatte ich gedacht, ich wäre voll im Training, aber mein Körper musste sich tatsächlich erstmal regenerieren.
Adrijanas Gesicht tauchte über mir auf und sie hatte die Arme vor der Brust verschränkt.
»Hey, Prinzessin«, keuchte ich und sie schüttelte den Kopf.
»Habt ihr sie noch alle?«
»Woher soll ich wissen, dass du den Wichser kennst?«, fragte ich und rappelte mich auf.
»Dito! Süße, wer ist der Penner?«, fragte dieser Reed und stand nun ebenfalls wieder aufrecht. Ich zog Adrijana an ihrer schlanken Taille neben mich und schlang besitzergreifend den Arm um ihre Schultern. Sie entwand sich meinem Griff und ging tatsächlich zu dem Typen. Mit fast besorgter Miene hielt sie sein Kinn zwischen den Fingern und sah sich mein Werk in seiner hässlichen Visage an. Wenigstens hatte ich ganze Arbeit geleistet. Wut wallte in mir auf. Wieso kümmerte sie sich um ihn und meine Wunden interessierten sie nicht?
»Süße? Wollt ihr mich verarschen?«, knurrte ich und baute mich erneut ein Stück auf. Reed verdrehte nur die Augen und himmelte daraufhin wieder Adrijana an.
»Was hast du dir dabei gedacht, Brant?«, fragte sie und drehte sich zu mir um.
»Ich? Der Penner ist hier eingebrochen und hat den ersten Schlag gesetzt! Frag lieber ihn, was er hier macht! Ist doch äußerst verdächtig, oder nicht?«
Meine Kiefer mahlten. Am liebsten hätte ich mich gleich noch mal auf ihn gestürzt und da weitergemacht, wo wir unterbrochen worden waren. Adrijana drehte sich um und sah Reed erwartungsvoll an.
»Ich bin Security hier im Haus«, erwiderte Reed an mich gewandt. »Okay, ich war Security. Bis …« Er verstummte und sah tatsächlich betroffen aus. »Süße, es tut mir leid. Das mit deinen Eltern. Ich war der Einzige, der sich retten konnte und seitdem versuche ich, herauszubekommen, wer dahintersteckt. Aber ich hätte es fast selbst nicht geschafft.« Er hob sein schwarzes Shirt und präsentierte eine Schussverletzung an seiner linken Flanke. Adrijana fuhr bestürzt mit den Fingern darüber. Jetzt reichte es mir! Was war das für eine bescheuerte Mitleidtour dieses Weicheis! Eine einzige Schussverletzung! Dass ich nicht lachte!
Ich trat einen Schritt nach vorne, packte Adrijana an ihrem Arm und zog sie zurück zu mir. Dahin, wo sie hingehörte. Sie sollte, verdammt noch mal, besser die Finger von diesem Typen lassen. Shit! War ich eifersüchtig? Ich war noch niemals zuvor eifersüchtig gewesen … Diese Frau brachte mich völlig durcheinander und hoffentlich war das nur eine begrenzte Geschichte, bis wir Callum in die Finger kriegten und sie endlich wieder aus meinem geordneten Leben verschwand!
Reed bedachte mich immer noch mit bösen Blicken, aber er bedeckte sich endlich wieder und fuhr fort. »Ich habe immer noch Zugriff auf das Sicherheitssystem. Es gab vorhin einen stillen Alarm und auf den Kameras habe ich dich gesehen, Süße. Wer dieser Typ bei dir war, wusste ich nicht, deshalb wollte ich nach dir sehen und schauen, ob bei dir wenigstens alles in Ordnung ist. Du bist einfach verschwunden, nachdem das mit deinen Eltern passiert war! Warst du bei ihm?« Er nickte in meine Richtung und hörte sich fast vorwurfsvoll an. Hatten die beiden was miteinander? Wenn das der Fall wäre, musste ich ihn doch umlegen.
»Reed, ich hatte keine Ahnung, was passiert war. Niemand hat mir geglaubt und ich stand völlig alleine da. Ich dachte, du wärst ebenfalls … Auf jeden Fall habe ich Brant getroffen.« Sie bedachte mich mit einem merkwürdigen Blick. Was sollte das? Ich wurde immer wütender. »Und er will mir helfen, meine Eltern zu finden.« Wusste Reed über alles Bescheid? Denn wenn, gab es noch weniger Gründe, ihn am Leben zu lassen.
»So, ihr Turteltauben, ich löse das Prozedere hier jetzt mal auf«, sagte ich und schob mich vor Adrijana. »Wir brauchen deine Hilfe nicht, Wichser. Weder Adrijana und schon gar nicht ich. Du hast gesehen, dass es ihr gut geht. Sie ist bei mir in sicheren Händen und du kannst dich jetzt wieder verpissen. Und tschüss!« Damit drehte ich mich um und packte Adrijanas Arm, damit ich sie wieder zurück ins Arbeitszimmer ziehen konnte.
»Brant!«, sagte sie mahnend. Ich stoppte und sah sie an.
»Vögelst du mit ihm? Willst du lieber bei deinem Sonnyboy bleiben?« Meine Stimme klang hoffentlich bedrohlich genug für sie.
»Ich vögle ihn nicht!«, zischte sie und ich fühlte mich ein wenig erleichtert. »Er hat für meinen Vater gearbeitet und ich kenne ihn seit zwei Jahren. Wir haben uns nur gut verstanden. Aber er kann uns nützlich werden, er hat Kontakte!«
»Ich hab auch Kontakte«, knurrte ich und wollte gerade weiterlaufen, als ich den Lauf einer Waffe in meinem Rücken spürte. Wahrscheinlich sogar meiner eigenen.
»Lass sie los!«, hörte ich Reed hinter mir und seufzte. Wieso machte er es sich so schwer? Na ja, das würde das letzte Mal in seinem Leben sein, dass er eine falsche Entscheidung traf.

 

 

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