Blogroman - Beautiful Sin

Blogroman – Beautiful Sin – Kapitel 1

Kapitel 1

Adrijana

Er beobachtete mich.
Ich spürte seine Blicke auf meiner Haut, seitdem er vor zwei Stunden das Black Pearl betreten hatte. Aber selbst wenn er mich nicht so offenherzig anglotzen würde, wäre er überall aufgefallen. Seine riesige Statur, die in einem schwarzen, maßgeschneiderten Anzug steckte, war kaum zu übersehen. Sein dunkles Haar, welches die gleiche Farbe wie sein voller Bart hatte. Seine noch dunkleren Augen, mit dem er jeden meiner Schritte verfolgte.
Und auch wenn ich lüsterne und interessierte Blicke als Tänzerin in diesem verdammten Stripschuppen gewohnt war, brachte mich seiner doch völlig aus der Reihe, genauso sehr, wie er mich anturnte. Während ich mich nur in roter Spitzenunterwäsche bekleidet um die Stange auf der Bühne in der Mitte des Raumes drehte, hatte ich das Gefühl, zu verbrennen.
Seit er hier war, hatte er rein gar nichts getrunken, jede andere Tänzerin abblitzen lassen und kaum mit jemand anderem gesprochen. Das alles verursachte mir trotz der Anziehung, die er auf mich ausübte, ein unwohles Gefühl.
Was wollte er? Ich könnte fast denken, mich, aber das war unmöglich. Ich hatte ihn noch nie hier gesehen und was konnte er schon von einer nach außen hin einfachen Tänzerin wollen? Kannte er meine wahre Identität? Leichte Panik kroch in mir hoch, doch ich beruhigte mich augenblicklich wieder. Das konnte nicht sein. Ich hatte mit aller Kraft meine Spuren vertuscht, seitdem ich hier angefangen hatte. Anfänglich war es nur aus reinem Spaß gewesen, denn die Kohle interessierte mich nicht wirklich. Später wurde daraus fast schon ein Hobby und als meine Eltern von heute auf morgen verschwunden waren, war es mehr als das. Es gab mir Halt. Ein wenig verrückte Routine in meinem chaotischen Leben, das von einem auf den anderen Tag völlig aus dem Ruder gelaufen war.
Doch jetzt, in dem Moment, seitdem mich dieser Kerl beobachtete, konnte ich das Gefühl nicht abschütteln, dass er es gezielt auf mich abgesehen hatte. Erkannte er mich und wollte Geld? So wie er aussah, hatte er reichlich davon, das konnte also nicht sein.
Egal, wie ich es drehte und wendete, ich würde es nur herausfinden, wenn ich über meinen Schatten sprang und zu ihm ging.
Also löste ich mich von der Stange und stolzierte in lasziven Schritten die wenigen Stufen von der Bühne hinab und direkt auf ihn zu. Ich hätte schwören können, seine Augen wurden in dem Moment, in dem er meine Absicht erkannte, noch ein bisschen dunkler. Doch das war schwer in dem schummrigen Licht der Bar zu erkennen.
Glücklicherweise wusste ich meine Reize gut einzusetzen. Nicht nur einmal wurde mir gesagt, dass mein Gesicht, mit den grauen Knopfaugen, und den engelsgleichen, blonden Haaren, mein wahres Inneres viel zu gut verdeckte. Gut in dieser Situation.
Ich löste meinen Blick nicht von seinem, der ebenfalls nicht von meinen Augen abließ. Eine Gänsehaut breitete sich auf meiner Haut aus. Unser Stripclub war einer von der gehobeneren Sorte. Natürlich gab es hier oft auch gut aussehende Kerle, Anzugsträger, Junggesellenabschiede und so weiter. Aber dieser Typ passte noch besser in diese dunkle, verruchte Atmosphäre als wir Angestellten selbst.
»Hi«, hauchte ich, als ich bei ihm angekommen war und er hob langsam den Kopf und sah mich von unten aus an. Nicht nur seine Wimpern waren lang und dicht, auch sein Bart gut getrimmt und gepflegt. Heiß. Ich stand einfach auf diesen Look.
Er hatte immer noch nichts erwidert, also wollte ich mich forsch auf seinen Schoß setzen, aber blitzschnell griff er nach meinem Handgelenk und hielt mich zurück.
»Wie heißt du?«, fragte er und seine raue Stimme war noch heißer als der gesamte Kerl.
»Chloe«, antwortete ich. So zumindest nannten mich alle hier. Niemand wusste meinen richtigen Namen.
Seine Kiefer mahlten ein wenig und spannten sich merklich an, als hätte er mich durchschaut.
»Ich habe gefragt, wie du heißt«, wiederholte er ungehaltener und plötzlich fühlte ich mich in seiner Gegenwart unwohl. Er verheimlichte genauso etwas wie ich, doch das war augenscheinlich noch so viel dunkler. Seine Finger um mein Handgelenk zogen sich zu, als ich versuchte, mich aus seinem Griff zu entwinden.
»Und ich habe dir geantwortet«, erwiderte ich trotziger. Am liebsten hätte ich die Arme vor der Brust verschränkt, um meinen halb entblößten Körper zu verdecken. Ich hatte noch nie große Probleme mit meiner Nacktheit gehabt oder damit, mich anderen zu zeigen. Im Gegenteil. Aber vor ihm wollte ich nichts lieber, als mich zu verdecken. Äußerlich wie innerlich.
Gemächlich stand er auf und hielt mich immer noch fest im Griff. Mein Kopf hob sich langsam, als er sich vollständig vor mir aufbaute und ich nach oben schauen musste, um seinen Blick weiterhin zu erwidern. Weit nach oben. Er war sicherlich anderthalb Köpfe größer als ich, und das, obwohl ich zehn Zentimeter Heels trug. Shit. Ich hatte keine Chance.
Lähmende Sekunden betrachtete er mich von oben herab und ich hatte das Gefühl, zu ersticken.
»Was willst du von mir?«, fragte ich so fest, wie ich konnte. Irgendwie musste ich die Stille unterbrechen. Als er einfach nicht antworten wollte, suchte mein Blick nach Johnny, unserem Securitymann an der Tür, doch der vermied es, mich anzusehen. Was war hier los?
»Wenn du mich nicht endlich wieder loslässt, schreie ich und unser Security wird dir den Arsch versohlen«, keifte ich und er lachte ein kurzes, freudloses Lachen.
»Tu’s doch. Du wirst sehen, keiner wird dir helfen. Er arbeitet für mich. Sie arbeiten alle für mich.«
So langsam gesellte sich Angst zu meiner Panik und ich versuchte erneut, ihm mein Handgelenk zu entwinden. Keine Chance.
»Wer bist du?«, wisperte ich, weil meine Stimme den Dienst nun komplett versagte.
»Das wirst du früh genug herauskriegen. Wo sind deine Sachen?«
»Wieso?«
»Weil du sie jetzt packst und mitkommst.«
Ich lachte einmal auf. »Klar, natürlich komme ich mit dir mit. Weil du ja so ein netter Kerl bist und es überhaupt nicht angsteinflößend ist, mit dir alleine irgendwohin zu fahren«, sagte ich ironisch. Seine Augen formten sich zu Schlitzen. Anscheinend war er es gewohnt, dass alle nach seiner Pfeife tanzten. Konnte er so was von vergessen!
»Zwei Optionen. Option eins, du lässt deine Sachen hier und gehst in BH und Slip mit. Option zwei, du holst sie und kannst dich vorher anziehen. Dass du mitkommst, steht nicht zur Diskussion und du kannst dir denken, welche Möglichkeit mir persönlich lieber wäre.« Ich schnaubte. Damit setzte er seinen massigen Körper in Bewegung und der Hauch seines Aftershaves wehte zu mir herüber. Ich hätte mich selbst ohrfeigen können, dass ich den Duft wie ein Aphrodisiakum empfand.
Mit mir im Schlepptau lief er auf direktem Weg auf die Personalräume im hinteren Bereich der Bar zu und schubste mich förmlich vor die Spindreihe.
»Pack«, sagte er nur und ich drehte mich trotzig zu ihm um.
»Wieso? Du hast mir keine Antwort gegeben, was du von mir willst! Wieso tust du das?«
Genervt fuhr er sich über den Bart und stöhnte augenverdrehend. Als er auf mich zukam und mein Kinn zwischen die Finger nahm, konnte ich mich kaum rühren.
»Weil ich dich entweder jetzt umlegen oder mitnehmen muss. Was ist dir lieber, Adrijana?«
Als er meinen richtigen Namen sagte, begann sich alles, zu drehen und fast hätte ich mich an ihm abgestützt, um nicht umzufallen.
Shit. Shit. Doppelt Shit!

7 Gedanken zu „Blogroman – Beautiful Sin – Kapitel 1

  1. O.k., der gute kommt gleich zur Sache …weil ich Dich entweder jetzt umlegen oder jetzt mitnehmen muß … sieht doch ganz nach entspannten Kaffetrinken aus 😉
    Staker Auftakt

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