Leseprobe

BadGirls: Charlotte&Kian – exklusiv die ersten beiden Kapitel lesen!

 

Hallo meine Lieben,

 

für alle die sich unschlüssig sind, oder die neuen Lesestoff fürs Wochenende brauchen, präsentiere ich euch hier die ersten beiden Kapitel von BadGirls: Charlotte&Kian

Ich wünsche euch viel Spaß dabei!

 

1

Kian

Mein Herz raste, als würde es mir aus der Brust springen. Schweiß floss mir den nackten Rücken hinab, während ich mich in meinem Bett aufsetzte und mir mit den Händen durchs Gesicht strich.
Der Traum.
Jede Nacht suchte er mich heim. Jede Nacht wachte ich durchnässt, und völlig außer Atem auf und hatte Schwierigkeiten, danach wieder einzuschlafen.
Jede Nacht, seit nunmehr sechs langen Jahren. Seit dem Tag, den ich am liebsten unwiderruflich aus meinem Gedächtnis löschen würde.
Nach einem letzten Seufzer erhob ich mich aus dem Bett und lief hinüber ins angrenzende Badezimmer. Dort kühlte ich mein erhitztes Gesicht und stützte mich mit den Händen auf dem Waschbecken ab.
Müde graue Augen, mit dunklen Ringen darunter, sahen mir aus dem Spiegel entgegen. Mit der Hand fuhr ich mir durch die braunen, vom Schlaf zerzausten, Haare.
Mittlerweile hatte ich gelernt, mit den Schuldgefühlen zu leben. Denn ich hatte sie mehr als verdient. Weil ich ganz alleine für das Leid meiner Schwester verantwortlich war.
Langsam schlurfte ich in meine offene Wohnküche und trank einen Schluck aus der Wasserflasche, die ich zuvor aus meinem Kühlschrank genommen hatte. Noch mit der Flasche in der Hand lief ich zu den breiten Fenstern in meinem Wohnzimmer und schaute hinaus in die Dunkelheit und über die Lichter meiner Heimatstadt Frankfurt.
Unzählige Schicksale dort unten. Gute Leben, schlechte Leben. Aber aus meinem eigenen gab es kein Entkommen.
Ich nahm einen weiteren Schluck von dem kühlen Wasser, überlegte kurz, ob ich eine der Schlaftabletten nehmen sollte, die ich noch im Badezimmer vorrätig hatte. Langsam drehte ich mich um und sah auf die Küchenuhr. Halb sechs. Dann könnte ich nun auch wachbleiben und mich an meinen Fitnessgeräten auspowern. So würde ich zumindest die Gedanken vertreiben und früh ins Büro gehen können. Wie jeden verdammten Morgen.

2

Charlotte

»Hey, Charlie! Du bist dran!« Ich drehte meinen Kopf zu meiner Kollegin Miri, die mich grinsend ansah und sich mit der Hand eine ihrer blonden Haarsträhnen hinters Ohr strich.
Mit einem Seufzer stellte ich den Shaker auf den braunen Holztresen, neben das gefüllte Cocktailglas und steckte noch einen Obstspieß an den Rand. Danach schob ich ihn einem Typen vor mir zu, nachdem ich seinen Geldschein entgegengenommen hatte.
Miri war nicht nur meine Barkeeperkollegin hier im Tabledanceclub Platin, wir waren auch, seit ich hier mit zwanzig Jahren angefangen hatte, sehr gut befreundet. Wow, sieben Jahre war das bereits her!
Und sie wusste genau, wie sie mich ärgern konnte. Klar, mit den Kunden flirteten wir, alleine wegen des enormen Trinkgeldes, aber zu einem Stripschuppen gehörte sicherlich generell ein anderes Unterhaltungsprogramm, als in einer Standard Bar hier in Frankfurt.
Ich hörte den dumpfen, lauten Ton der Glocke, die am Flaschenregal hinter meinem Rücken hing. Erneut drehte ich mich in Miris Richtung, die noch breiter grinsend die Hand um ihren Mund zum Trichter formte und laut über die dröhnende Musik schrie: »Bodyshot! Bodyshot!«
Ich musste selbst grinsen. Zumindest konnte ich mir einen der Typen aussuchen, mit dem ich das machte. Eine große Auswahl hatte ich schließlich, denn in weniger als fünf Minuten drängelten sich Massen von Männern vor die Bar, um hinterher als Auserwählter aus dem Rennen zu gehen.
Unsere Stammgäste, natürlich fast ausschließlich Männer, kannten die Prozedur mittlerweile und standen nun in Scharen vor mir und machten sich auf irgendeine Art bemerkbar. Männer waren wirklich so einfach gestrickt.
Ich ließ meinen Blick durch den Pulk streifen, bis ich etwa in zweiter Reihe einen süßen, jungen Typen mit schwarzem Haar und dunklen Augen sah. Mit dem Finger zeigte ich auf ihn und er drängelte sich zu mir durch. Die anderen Männer um ihn herum stießen fast alle ein enttäuschtes Seufzen aus, aber sahen trotzdem gespannt auf das Schauspiel vor sich.
Ich streifte mir mein weißes, enges Top über den Bauch nach oben und stopfte es unter meinen BH, damit es hielt und nicht wieder herunterrutschte.
Miri war mittlerweile zu mir gekommen und half mir, mich der Länge nach mit dem Rücken auf den Tresen zu legen. Sie unterstützte mich nicht nur in der Vorbereitung des Bodyshots, sondern haute auch jedem der Männer auf die Finger, sollten sie mich ohne Erlaubnis antatschen.
Miri verteilte das Salz um meinen Bauchnabel und gab mir eine Zitronenscheibe, die ich mir zwischen die Lippen klemmte. Ich grinste meinen Auserwählten an und zwinkerte ihm zu, sah, dass er sogar etwas nervös war. Süß. Er war vielleicht nicht älter als zwanzig.
»Du darfst!«, ermutigte ihn meine Kollegin. Er senkte seinen Kopf auf meinen Bauch und begann, gemächlich mit der Zunge, das Salz von meiner Haut zu lecken. Die anderen, vor allem seine Freunde um uns herum, grölten immer lauter, feuerten ihn an und er arbeitete sich, in immer größer werdenden Kreisen, hinauf zu meiner Brust. Ein Kribbeln erfasste meinen Körper, denn das Gefühl ließ mich natürlich nicht eiskalt. Trotzdem war es selbstverständlich, dass ich nicht weiter ging, als von mir als Barkeeperin verlangt wurde.
Eins meiner größten Prinzipien war, fange niemals etwas mit einem Gast an, denn das gab so oder so nur Probleme! Zu meinem Job gehörte nun mal dazu, dass ich flirtete und den Männern schöne Augen machte. Hätte ich einen Freund, der noch dazu eifersüchtig wäre, wäre ich den Job schneller los, als mir lieb war.
Obwohl es sicherlich eine witzige Geschichte wäre, auf die Frage ›Wo habt ihr euch kennengelernt?‹ zu erzählen: ›Ach, Martin hat mir betrunken Salz vom Bauch geleckt, während ich halb bekleidet auf dem Tresen in einem Stripclub lag!‹. Ein guter Gesprächseinstieg bei meinen zukünftigen Schwiegereltern.
Deshalb tippte Miri ihn an, damit er aufhörte, und drückte ihm das Tequilaglas in die Hand, welches er mit einem Zug leerte. Ich setzte mich auf und zog ihn an seinem Shirt zu mir. Als sich unsere Münder berührten, biss ich auf die Zitrone und der saure Saft lief uns beiden zwischen die Lippen. Bevor er anfangen konnte, sich mehr zu holen, als ich wollte, zog ich mich zurück und schwang mich wieder hinter den schützenden Bartresen.
Ich sah förmlich die Herzchen in seinen Augen, als er mir hinterherschaute und mich dann angrinste. Mit einem letzten Zwinkern verließ ich den Barbereich, damit ich den klebrigen Saft der Zitrone in unseren Personalräumen abwaschen konnte.
Ich mochte meinen Job, auch wenn es vielleicht nicht der Traumberuf war, Barkeeperin in einer Stripbar zu sein. Aber ich war gut in dem, was ich tat, verdiente nicht schlecht und machte jeden Abend Mengen an Trinkgeld. Das war die Hauptsache, deshalb ging man doch arbeiten!
Ich durchquerte die Bar, lief an der Bühne, die mit einem Laufsteg mit Tanzstangen in der Mitte, fast den kompletten Raum einnahm, entlang und ließ den Blick über die einzelnen Tische am Rand schweifen. Obwohl es Donnerstag war, war heute wieder die Hölle los! Ich fragte mich immer, wo die ganzen Männer herkamen. Neben Junggesellenabschieden und unseren Stammgästen, tauchten auch immer wieder neue Gesichter auf, die ich nicht kannte. Wir hatten jeden Tag in der Woche geöffnet und es gab keinen, an dem es weniger voll gewesen wäre. Aber mir konnte das nur Recht sein, denn ohne Kunden, keine Arbeit, keinen Lohn.
»Charlie, warte mal kurz!«, rief meine Chefin aus ihrem kleinen Büro heraus, bevor ich die Waschräume am Ende eines schmalen Ganges hinter der Bühne erreicht hatte.
»Ja gern, was ist denn?«
Ich blieb im Türrahmen stehen und sie bedeutete mir, vor ihren Schreibtisch zu treten. Ava war eine Geschäftsfrau wie sie im Buche stand. Knallhart, eiskalt und kannte kein Erbarmen.
Ich konnte mich noch gut daran erinnern, als meine Kollegin Susi im letzten Jahr aus ihrer Kasse Geld gestohlen hatte. Nachdem Ava das herausgefunden hatte, war Susi ganze zwei Stunden in ihrem Büro gewesen. Wir alle fragten uns, was hinter den verschlossenen Türen wohl vor sich ging. Aber, als Susi verheult und völlig fertig danach die Bar verlassen hatte, wollten wir es gar nicht mehr wissen. Wir sahen sie nie wieder und es hieß sogar, dass sie in eine andere Stadt gezogen wäre.
Aber das konnten natürlich alles nur idiotische Ammenmärchen gewesen sein, die man sich eben im Tratsch erzählte.
Trotzdem war mit Ava nicht zu spaßen. Außer mit ihren zahlreichen jungen, männlichen Eroberungen, denn sie hielt sich ganz und gar nicht an die Regel, mit unseren Gästen nichts anzufangen, sahen wir sie niemals lächeln.
Ihre schwarz gefärbten Haare trug sie zu einem akkurat geschnittenen, glatten Bob. Ihre Stirn schlug aufgrund des vielen Botox keine einzige Falte. Der knallrote Lippenstift betonte ihre aufgespritzten Lippen unter den dunkelbraunen, kalten Augen.
»Charlie, sei bitte so gut und buche das nach Feierabend ein.« Sie hielt mir einen Zettel hin und ich nahm ihn entgegen. Darauf waren diverse Getränke aufgelistet, die ich sicherlich heute nicht ausgeschenkt hatte. Trotzdem steckte ich ihn, mit einem Nicken, in die hintere Gesäßtasche meiner schwarzen Jeans. »Selbstverständlich.«
Ich konnte, bevor ich hier anfing, mit solchen widerlichen Wörtern wie Geldwäsche oder Betrug nichts anfangen. Aber eben nur bevor, denn Avas harte Schule hatte mich einiges gelehrt. Stelle niemals Fragen und du hast ein angenehmes Leben!
»Hey Ava. Hi Süße!« Ich drehte mich um und sah Avas Bruder Vito über den Flur schlendern. Über seiner breiten und sehr tätowierten Schulter, die aus einem weißen Unterhemd schaute, hing eine dunkelblaue Sporttasche und ich war mir sicher, dass sich in dieser bestimmt keine Sportsachen befanden.
»Hi Vito!«, begrüßte ich ihn und er grinste mir schief zu. Mit seiner Hand fuhr er sich durch die schwarzen, gegelten Haare und seine dunkelbraunen Augen glitzerten. Vito war ein Nachzügler in Avas Familie gewesen, viele Jahre jünger und ungefähr Anfang dreißig. Er hatte es schon oft versucht, mich auf ein Date einzuladen, aber meine Regel galt nicht nur für Gäste. Außerdem war er zwar ganz okay, aber alles andere als harmlos.
Er betrieb, in der ganzen Stadt verteilt, mehrere Bars, sowie auch die ein oder anderen Bordelle. Zwischen uns Angestellten wurde gemunkelt, ob da alles mit rechten Dingen zuging, wenn seine Schwester sich schon nicht an Gesetze hielt.
Aber laut würden wir diesen Verdacht auf gar keinen Fall aussprechen, denn in diese Angelegenheiten wollten wir alles andere als verstrickt werden.
»Was machst du nach Feierabend, Charlie?«, fragte er mich und blieb neben mir stehen.
»Vito!«, wurde er von seiner Schwester angefahren. »Du bist hier nicht zum Vergnügen! Lass meine Angestellten arbeiten!«
Dankend, für diese Unterbrechung, nickte ich Ava zu, drehte mich nach einem letzten »Auf Wiedersehen« um und lief endlich weiter über den Flur. Ich steuerte die großen Waschräume an, die sich am Ende der Umkleidekabinen der Tänzerinnen befanden.
Dort angekommen hielt ich eins der Handtücher unter kaltes Wasser und wusch mir damit über meinen Hals und mein Kinn. Heute hatte ich über sechs Arbeitsstunden hinter mich gebracht, in denen es alles andere als ruhig zuging. Meine braunen Augen schauten mir müde entgegen. Eine Stunde noch, dann wäre es fünf Uhr morgens und ich könnte Feierabend machen.
Nachdem ich mich abgetrocknet hatte, schüttelte ich mein rotbraunes Haar auf und lief wieder zu Miri, die sicherlich alle Hände voll zu tun hatte.

 

 

Eure

Unterschrift3

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